
Im FuPa-Medizincheck berichtet Dr. Simeon Geronikolakis über Verletzungen im Sport und wie diese behandelt werden können. In dieser Ausgabe geht es um den vorderen Kreuzbandriss (VKB-Ruptur).
Das vordere Kreuzband zählt zu den wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks und ein Riss
desselben ist eine der schwerwiegendsten und gefürchtetsten Verletzungen im Sport, die eine
lange Ausfallzeit nach sich zieht.
Die Anatomie
Das vordere und das hintere Kreuzband verlaufen zentral im Kniegelenk, verbinden den
Oberschenkelknochen mit dem Schienbein und sorgen für die Stabilität des Gelenks. Das
vordere Kreuzband verhindert dabei vor allem ein unkontrolliertes Vorschieben des
Schienbeins gegenüber dem Oberschenkel und stabilisiert zusätzlich das Knie bei
Rotationsbewegungen. Gerade in Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball oder im Skisport
wird das Kreuzband daher enormen Belastungen ausgesetzt.
Wie kommt es zu einer Kreuzbandruptur?
In den meisten Fällen kommt es zu einem vorderen Kreuzbandriss ohne Fremdeinwirkung bzw.
ohne direkten Gegnerkontakt. Typische Situationen sind abrupte Richtungswechsel, schnelle
Abbremsmanöver oder eine ungünstige Landung nach einem Sprung. Dabei ist der typische
Unfallmechanismus für eine vordere Kreuzbandruptur eine Kombination aus Drehbewegung,
Einknicken (Valgusstress) und leichter Beugung des Kniegelenks.
Etwas seltener entsteht die Verletzung durch direkte Krafteinwirkung, beispielsweise bei einem
Foulspiel oder bei einem Zusammenstoß. Frauen weisen aufgrund anatomischer, hormoneller
und neuromuskulärer Besonderheiten ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Verletzung des
vorderen Kreuzbandes auf.
Welche Beschwerden treten auf?
Bei der Verletzung wird manchmal ein plötzliches Knack-Phänomen im Knie vernommen und
unmittelbar danach können starke Schmerzen auftreten, eine Instabilität des Kniegelenks
sowie eine rasch zunehmende Schwellung. Häufig ist das Knie nur eingeschränkt belastbar, so
dass sportliche Aktivitäten sofort abgebrochen werden müssen.
Im weiteren Verlauf und bei älteren Verletzungen klagen viele Betroffene vorwiegend über ein
Instabilitätsgefühl, teilweise mit „Wegknicken“ des Kniegelenks, insbesondere bei
Drehbewegungen oder schnellen Richtungswechseln.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Nach ausführlicher Befragung des Verletzten hinsichtlich des Unfallmechanismus und der
Beschwerden wird das Knie klinisch untersucht, wobei spezielle Stabilitätstests bereits wichtige
Hinweise auf eine Kreuzbandverletzung liefern können.
Zur endgültigen Diagnosesicherung wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie (MRT)
durchgeführt, die nicht nur die Darstellung des Kreuzbandes selbst ermöglicht, sondern auch
die Beurteilung möglicher Begleitverletzungen an Menisken, Knorpel oder Seitenbändern.
Muss jede Kreuzbandruptur operiert werden?
Nein. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation muss immer individuell getroffen
werden. Faktoren wie Alter, sportliche Aktivität, berufliche Belastung, Begleitverletzungen
sowie die subjektive Instabilität des Kniegelenks spielen dabei eine wichtige Rolle.
Bei jungen und sportlich aktiven Sportlern, vor allem in Ball- oder Kampfsportarten , wird häufig
eine operative Rekonstruktion empfohlen. Ziel ist es, die Stabilität des Kniegelenks
wiederherzustellen und das Risiko einer erneuten Verletzung sowie langfristig weiterer
Schäden an Menisken und Knorpel zu reduzieren.
Bei Patienten mit geringeren sportlichen Ansprüchen kann in ausgewählten Fällen auch eine
konservative Behandlung mit gezielter Physiotherapie und Muskelaufbau erfolgreich sein.
Die operative Versorgung
Bei einer Operation wird eine Kreuzbandrekonstruktion, auch Kreuzbandplastik genannt,
durchgeführt. Hierfür wird eine körpereigene Sehne als Transplantat verwendet. In der Regel
kommen Anteile der Hamstringsehnen, der Patellarsehne oder der Quadrizepssehne zum
Einsatz. Das neue Kreuzband wird arthroskopisch assistiert eingebracht und an der
anatomischen Position des ursprünglichen Bandes fixiert.
Rehabilitation und Rückkehr zum Sport
Mindestens ebenso wichtig wie die Operation ist die anschließende Rehabilitation. In den
ersten Wochen stehen die Wiederherstellung der Beweglichkeit, die Schwellungsreduktion
und der Muskelaufbau im Vordergrund. Im weiteren Verlauf folgen Koordinations-,
Stabilisations- und sportartspezifische Trainingsprogramme. Erst wenn Kraft, Beweglichkeit
und neuromuskuläre Funktion ausreichend wiederhergestellt sind, sollte die Rückkehr in den
Wettkampfsport erfolgen.
Bis zur vollständigen Rückkehr eines Fußballers auf den Fußballplatz vergehen in den meisten
Fällen acht bis zehn Monate. Diese Zeit ist erforderlich, da sich dann auch das sogenannte
Remodelling, die biologische Umwandlung des Sehnentransplantates in ein funktionstüchtiges
Kreuzband mit den entsprechenden mechanischen Eigenschaften, in einer zumindest
fortgeschrittenen Phase befindet. Ein zu früher Wiedereinstieg erhöht das Risiko einer
erneuten Verletzung erheblich.
Kann man einer Kreuzbandverletzung vorbeugen?
Das Risiko eine Bandverletzung im Knie zu erleiden lässt sich durch gezieltes und regelmäßiges
Präventionstraining, das ein fester Bestandteil des Trainingsalltags sein sollte, deutlich
reduzieren. Besonders effektiv sind Programme zur Verbesserung von Kraft (insbesondere zur
Stärkung der hinteren Oberschenkel- sowie der Hüft- und Gesäßmuskulatur), Sprung- und
Landetechnik, Beinachsen, Rumpfstabilität und neuromuskulärer Kontrolle.
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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis
Der in der Privatpraxis Dr. Geronikolakis in Ludwigsburg praktizierende und nicht nur in Fußballerkreisen bekannte Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie kümmert sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten und Klassen.
Große Erfahrung und spezielle Kenntnisse beruhen bei Dr. Geronikolakis auch auf seine langjährige und sehr intensive sowie umfangreiche Tätigkeiten im Fußball, zum Beispiel als Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart und Nationalmannschaftsarzt der DFB Junioren (unter anderem Team-Arzt der deutschen U15-, U18-, U19- und U20-Nationalmannschaft).
Über Jahre wirkte Dr. Geronikolakis auch als betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.
Ferner übernahm er die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Welt- und Europameisterschaften in vielen unterschiedlichen Sportarten) und ist als Universitätsdozent und Referent in der Ausbildung von Sportphysiotherapeuten tätig sowie als ärztlicher Leiter beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de
Hierüber oder unter mail@dr-geronikolakis.de ist für unsere FuPa-Leser auch eine Terminvereinbarung möglich.