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Allgemeines

FuPa-Medizincheck: Der hintere Kreuzbandriss (HKB-Ruptur)

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport

von red · 30.09.2026, 06:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: FuPa-Grafik

Im FuPa-Medizincheck berichtet Dr. Simeon Geronikolakis über Verletzungen im Sport und wie diese behandelt werden können. In dieser Ausgabe geht es um den hinteren Kreuzbandriss (HKB-Ruptur).

Ein Kreuzbandriss gehört zu den schwerwiegenden Verletzungen des Kniegelenks und ist insbesondere für Sportler mit einer langen Ausfallzeit verbunden. Während der vordere Kreuzbandriss sehr bekannt ist, wird der hintere Kreuzbandriss deutlich seltener wahrgenommen. Dabei kann auch eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes zu einer erheblichen Instabilität des Kniegelenks führen und langfristig weitere Schäden begünstigen.

Die Anatomie

Das vordere und das hintere Kreuzband verlaufen zentral im Kniegelenk, verbinden den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein und sorgen für die Stabilität des Gelenks. Das hintere Kreuzband (HKB) ist dabei das kräftigere der beiden Kreuzbänder und stabilisiert das Knie bei Beugung und bei Rotationsbewegungen. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, ein übermäßiges Nach-hinten-Gleiten des Schienbeins gegenüber dem Oberschenkel zu verhindern.

Wie kommt es zu einer hinteren Kreuzbandruptur?

Eine isolierte Verletzung des hinteren Kreuzbandes ist insgesamt deutlich seltener als eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Typischerweise entsteht sie durch eine starke Krafteinwirkung auf den nach hinten gebeugten Unterschenkel. Ein klassischer Unfallmechanismus ist beispielsweise die sogenannte „Dashboard Injury“ bei einem Verkehrsunfall, wobei der Unterschenkel bei gebeugtem Knie mit großer Wucht nach hinten gedrückt wird. Im Sport können zum Beispiel auch ein Sturz auf das gebeugte Knie, ein heftiger Kontakt mit dem Gegenspieler oder eine starke Überstreckung des Kniegelenks zu einer HKBRuptur führen. Nicht selten treten dabei gleichzeitig weitere Verletzungen auf, etwa an den Seitenbändern, Menisken oder am vorderen Kreuzband.

Welche Beschwerden treten bei einer hinteren Kreuzbandruptur auf?

Die Beschwerden können bei einem hinteren Kreuzbandriss deutlich weniger dramatisch sein als bei einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Nicht jeder Betroffene hört ein Knacken oder entwickelt unmittelbar eine ausgeprägte Schwellung. Es treten Schmerzen auf und die Beweglichkeit des Kniegelenks kann eingeschränkt sein. Gerade bei einer isolierten HKB Verletzung kann das Knie aber zunächst sogar relativ gut belastbar sein. Im weiteren Verlauf und bei älteren Verletzungen berichten Betroffene häufig überein Instabilitätsgefühl, teilweise
mit „Wegknicken“ des Unterschenkel nach hinten beim Gehen oder bei bestimmten Bewegungen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Nach ausführlicher Befragung des Verletzten hinsichtlich des Unfallmechanismus und der Beschwerden wird das Knie klinisch untersucht, wobei spezielle Stabilitätstests bereits wichtige Hinweise auf eine Kreuzbandverletzung liefern können. Eine wichtige Untersuchung ist zum Beispiel der sogenannte hintere Schubladentest. Dabei wird geprüft, wie weit sich das Schienbein nach hinten verschieben lässt.

Zur endgültigen Diagnosesicherung wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, die nicht nur die Darstellung des Kreuzbandes selbst ermöglicht, sondern auch die Beurteilung möglicher Begleitverletzungen an Menisken, Knorpel oder Seitenbändern. Bei chronischen HKB-Verletzungen können ergänzend spezielle Röntgenaufnahmen unter Belastung sinnvoll sein, um das Ausmaß der Instabilität objektiv zu beurteilen und entsprechend die weitere Therapieplanung auszurichten.

Wie sieht die Therapie aus? Muss jede hintere Kreuzbandruptur operiert werden?

Eine frühzeitige und individuell abgestimmte Behandlung schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere Rückkehr zum Sport. Ein isolierter hinterer Kreuzbandriss muss nicht automatisch operiert werden. Die Entscheidung hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine Teil- oder komplette Ruptur handelt, wie ausgeprägt die Instabilität ist, ob weitere Strukturen verletzt wurden und welche sportlichen und beruflichen Anforderungen an das Knie gestellt werden.

Bei bestimmten isolierten Verletzungen kann eine konservative Behandlung mit einer speziellen Orthesenversorgung, einer gezielten Physiotherapie und einem strukturierten Rehabilitationsprogramm erfolgreich sein. Bei ausgeprägter Instabilität, kombinierten Bandverletzungen oder anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie kann dagegen eine operative Stabilisierung sinnvoll sein.

Bei einer Operation wird das gerissene hintere Kreuzband in der Regel durch ein körpereigenes
Sehnentransplantat ersetzt. Die Rekonstruktion ist technisch anspruchsvoll und erfordert eine sorgfältige Planung. Anschließend ist eine konsequente und über mehrere Monate dauernde Rehabilitation notwendig.

Das Ziel der Behandlung besteht dabei nicht allein darin, das Kreuzband im MRT wieder intakt“ aussehen zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, eine gute Funktion und Stabilität des Kniegelenks wiederherzustellen und dadurch Folgeschäden an Knorpel und anderen Gelenkstrukturen möglichst zu vermeiden.

Warum ist der HKB-Riss für Fußballer relevant?

Für Fußballer ist insbesondere die Stabilität des Kniegelenks bei Beschleunigungen, Abbremsbewegungen, Zweikämpfen und schnellen Richtungswechseln entscheidend. Ein nicht ausreichend behandelter hinterer Kreuzbandriss kann deshalb gerade bei hohen sportlichen Belastungen zu Problemen führen.

Gleichzeitig ist ein hinterer Kreuzbandriss für den Fußballer tückisch, weil die Beschwerden anfangs vergleichsweise gering sein können. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Verletzung unterschätzt und die sportliche Belastung zu früh wieder aufgenommen wird.

Rehabilitation und Rückkehr zum Sport

Die Dauer der Ausfallzeit lässt sich nicht pauschal angeben. Sie hängt wesentlich davon ab, ob konservativ oder operativ behandelt wird und ob weitere Verletzungen vorliegen. Nach einer Operation ist mit einer mehrmonatigen Rehabilitation zu rechnen. Diese Zeit ist erforderlich, da sich auch das sogenannte Remodelling, die biologische Umwandlung des Sehnentransplantates in ein funktionstüchtiges Kreuzband mit den entsprechenden mechanischen Eigenschaften, in einer zumindest fortgeschrittenen Phase befinden sollte. Initial stehen Beweglichkeit, Abschwellung und Muskelaktivierung im Vordergrund.

Anschließend folgen Kraftaufbau, Koordination und sportartspezifisches Training. Erst wenn Kraft, Beweglichkeit, Stabilität und neuromuskuläre Funktion wieder ausreichend hergestellt sind, kann an eine Rückkehr in den Wettkampfsport gedacht werden.

Gerade beim Fußball sollte dabei nicht allein der Zeitraum seit der Verletzung entscheidend sein. Ein Spieler sollte erst dann wieder auf den Platz zurückkehren, wenn das Knie die für den Sport erforderlichen Belastungen wieder sicher toleriert.

Kann man einer Kreuzbandverletzung vorbeugen?

Das Risiko eine Bandverletzung im Knie zu erleiden lässt sich durch gezieltes und regelmäßiges Präventionstraining, das ein fester Bestandteil des Trainingsalltags sein sollte, deutlich reduzieren. Besonders effektiv sind Programme zur Verbesserung von Kraft (insbesondere zur Stärkung der hinteren Oberschenkel- sowie der Hüft- und Gesäßmuskulatur), Sprung- und Landetechnik, Beinachsen, Rumpfstabilität und neuromuskulärer Kontrolle.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in der Privatpraxis Dr. Geronikolakis in Ludwigsburg praktizierende und nicht nur in Fußballerkreisen bekannte Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie kümmert sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten und Klassen.

Große Erfahrung und spezielle Kenntnisse beruhen bei Dr. Geronikolakis auch auf seine langjährige und sehr intensive sowie umfangreiche Tätigkeiten im Fußball, zum Beispiel als Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart und Nationalmannschaftsarzt der DFB Junioren (unter anderem Team-Arzt der deutschen U15-, U18-, U19- und U20-Nationalmannschaft).

Über Jahre wirkte Dr. Geronikolakis auch als betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Welt- und Europameisterschaften in vielen unterschiedlichen Sportarten) und ist als Universitätsdozent und Referent in der Ausbildung von Sportphysiotherapeuten tätig sowie als ärztlicher Leiter beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de

Hierüber oder unter mail@dr-geronikolakis.de ist für unsere FuPa-Leser auch eine Terminvereinbarung möglich.