
Im FuPa-Medizincheck berichtet Dr. Simeon Geronikolakis über Verletzungen im Sport und wie diese behandelt werden können. In dieser Ausgabe geht es um den Gleitwirbel (Spondylolisthese).
Was versteht man unter einer Spondylolisthese und welche Ursachen gibt es dafür?
Unter einer echten Spondylolisthese (oder auch Spondylolisthesis vera) versteht man das Abgleiten eines Wirbelkörpers über den nächsttieferen Wirbel nach vorne, im Volksmund Wirbelgleiten oder auch Gleitwirbel genannt. Die Ursache dafür ist eine entweder angeborene (Fehlbildung) oder (zum Beispiel durch einen Ermüdungsbruch) erworbene Unterbrechung der Wirbelbögen (Spondylolyse). Davon abzugrenzen sind die unechte Spondylolisthese (Pseudospondylolisthesis), bei der es durch degenerative Veränderungen, zum Beispiel der Bandscheiben und der Bänder, zu einem Wirbelgleiten kommt, und die Retrolisthese, die sich durch ein Gleiten des Wirbelkörpers nach hinten äußert. Bei diesen beiden Formen liegt keine Spondylolyse vor.
Wo und bei wem kommt das Wirbelgleiten am häufigsten vor?
In den meisten Fällen ist die Lendenwirbelsäule betroffen und hier insbesondere die untersten zwei Segmente, also die Segmente L5/S1 (ca. 80 % der echten Spondylolisthesen an der Lendenwirbelsäule) und L4/5 (ca. 80 % der degenerativen Spondylolisthesen an der Lendenwirbelsäule). Rund 2 bis 4 % der Bevölkerung in Europa sind betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen, wobei Kinder und Jugendliche in stark die Wirbelsäule belastenden Sportarten bzw. Disziplinen (wie zum Beispiel Speerwurf, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Judo, Ringen) ein deutlich höheres Risiko aufweisen.
Welche Symptome treten auf?
In vielen Fällen und vor allem im Anfangsstadium ist die Spondylolisthese asymptomatisch und wird nur als Zufallsbefund entdeckt. Später können leichte unspezifische Kreuzschmerzen auftreten, die mit Fortschreiten der Erkrankung zunehmen oder in die Beine, manchmal auch mit begleitenden neurologischen Symptomen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen, ausstrahlen können. Zudem wird ab und zu auch ein Instabilitätsgefühl angegeben.
Wie wird das Wirbelgleiten diagnostiziert?
Im fortgeschrittenen Stadium kann sich in der körperlichen Untersuchung charakteristischerweise ein sogenanntes Sprungschanzenphänomen zeigen, eine tastbare Stufe an der Lendenwirbelsäule. Gesichert wird die Spondylolisthese durch eine seitliche Röntgenaufnahme, auf der dann auch der Schweregrad des Gleitens bestimmt werden kann (Gradeinteilung nach Meyerding). Zusätzlich können zur besseren Beurteilung einer Dynamik und der Instabilität im betroffenen Segment auch Röntgenfunktionsaufnahmen, in maximaler Vorbeugung und maximaler Überstreckung, angefertigt werden. Des Weiteren kann die Diagnostik durch weitere bildgebende Verfahren, beispielsweise eine Kernspintomographie (MRT), ergänzt werden.
Wie sieht die Behandlung des Wirbelgleitens aus?
Die Therapie der Spondylolisthese ist immer individuell in Abhängigkeit des Schweregrades zu gestalten und zielt primär darauf die Symptome zu reduzieren oder gar zu beseitigen sowie eine weitere Progredienz des Wirbelgleitens zu verhindern. Es ist in erster Linie eine fachärztliche Beratung notwendig, die die alltäglichen, beruflichen und vor allem sportartspezifischen Belastungen des Betroffenen berücksichtigen sollte. Bei Übergewicht kann sich eine Gewichtsreduktion positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. In der Krankengymnastik werden spezielle Übungen erlernt und zunächst unter physiotherapeutischer Assistenz die Rücken- sowie Bauchmuskulatur gezielt gestärkt, um die Wirbelsäule zu stabilisieren, was dann auch langfristig in Eigenregie stattfinden sollte. Darüber hinaus kommen manchmal Medikamente und Orthesen oder Bandagen zum Einsatz. Die Therapie und der Verlauf sollten regelmäßig, in gewissen Abständen auch radiologisch, kontrolliert werden.
Abhängig vom Ausmaß des Wirbelgleitens, dem Verlauf mit eventuellem Fortschreiten des Gleitprozesses, den Beschwerden sowie dem Leidensdruck des Betroffenen, ist in manchen Fällen auch die Indikation zu einer operativen Versorgung zu stellen.
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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis
Der in der Privatpraxis Dr. Geronikolakis in Ludwigsburg praktizierende und nicht nur in Fußballerkreisen bekannte Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie kümmert sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten und Klassen.
Große Erfahrung und spezielle Kenntnisse beruhen bei Dr. Geronikolakis auch auf seine langjährige und sehr intensive sowie umfangreiche Tätigkeiten im Fußball, zum Beispiel als Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart und Nationalmannschaftsarzt der DFB Junioren (unter anderem Team-Arzt der deutschen U15-, U18-, U19- und U20-Nationalmannschaft).
Über Jahre wirkte Dr. Geronikolakis auch als betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.
Ferner übernahm er die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Welt- und Europameisterschaften in vielen unterschiedlichen Sportarten) und ist als Universitätsdozent und Referent in der Ausbildung von Sportphysiotherapeuten tätig sowie als ärztlicher Leiter beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de
Hierüber oder unter mail@dr-geronikolakis.de ist für unsere FuPa-Leser auch eine Terminvereinbarung möglich.