
Zum Kult-Song „You’ll never walk alone“ verließ Matthias Treffler im letzten Saisonspiel der Kreisliga B von Viktoria Birten gegen den FC Rumeln-Kaldenhausen II in der 66. Minute den Rasenplatz. Der Xantener beendete nach 34 Jahren seine aktive Laufbahn. In Zukunft hält er seine Knochen nur noch für die Alt-Herren-Fußballer der Viktoria hin. Ein Trainerjob kommt für den 41-Jährigen vorerst nicht mehr in Frage.
Die ersten Schritte mit dem Fußball machte Treffler in der F-Jugend des TuS Xanten. Obwohl er bei den Bambini noch nicht so richtig Lust hatte, vors runde Leder zu treten, zeigte sich schnell seine Begabung. Bis zur C-Jugend spielte Treffler auf dem Fürstenberg. Sein Talent blieb den Auswahltrainern nicht verborgen, sodass er in die Kreis-Mannschaft geholt wurde und einmal bei der Niederrhein-Truppe dabei war.
Im zweiten C-Jugend-Jahr folgte er den Lockrufen des TV Asberg, um in der Niederrheinliga zu spielen. Weitere Angebote vom SV Straelen oder VfB Kleve lehnte Treffler ab. Nach vielen Erfolgen, unter anderem zweifacher Kreis-Pokalsieger mit dem TVA 1999 und 2000, folgte mit 16 Jahren der erste Rückschlag – Bruch des Sprunggelenks, knapp ein Jahr Pause. „Danach hatte ich andere Prioritäten im Kopf wie Ausbildung und Beruf“, sagt Treffler, der Geschäftsführer eines Logistikunternehmens in Xanten ist. Wegen des Zivildiensts ging‘s zurück zum Fürstenberg-Klub. „Da musste ich natürlich auch beim TuS spielen. So hat es sich der damalige Obmann, Karl-Heinz Beeck, gewünscht.“ Die A-Jugend führte er fast zum Aufstieg. Erst das Relegationsspiel gegen den TuS Borth verhinderte die Krönung einer starken Saison.
Die ersten Erfahrungen im Seniorenfußball sammelte Treffler beim TuS unter Gerd Wirtz und seinem Co-Trainer Stefan Ruffen. „Das waren schon zwei Typen, die dir gezeigt haben, wo‘s lang geht. Und es wurde auch öfter mal laut“, erinnerte er sich an die beiden sowie an das Freundschaftsspiel gegen den Zweitligisten MSV Duisburg mit Cheftrainer Pierre Littbarski. Der TuS unterlag lediglich mit 1:3. Treffler spielte auf der Sechserposition und machte mit seiner Zweikampfstärke und seinen läuferischen Fähigkeiten auf sich aufmerksam.
Ab 2004 folgten drei kurze Gastspiele in Birten (2004/2005), beim SV Vynen-Marienbaum (2005/2006) und SV Sonsbeck (2006/2007). Vor allem das Jahr beim damaligen Landesligisten ist nicht positiv hängen geblieben. „Wir hatten zwar in Sonsbeck eine starke Mannschaft mit Spielern wie Norbert Quinders, Henrik Lerch, Daniel Beine oder Thorsten Schikofsky. Aber ich konnte machen, was ich wollte, und hatte immer das Gefühl, dass andere vorgezogen wurden“, so Treffler, der mit Trainer Thomas Geist nicht warm wurde. „Gegen Fichte Lintfort hatte ich von Beginn an gespielt und das 1:0 erzielt. Eine Woche später kam ich gar nicht zum Einsatz.“ Von 2007 bis 2010 reifte Treffler beim TuS Xanten im zentralen Mittelfeld zum Kapitän. „Beruflich verschlug es mich dann ins Siegerland, und wir stiegen aus der Bezirksliga ab. Das war ein bitterer Abschied für mich.“ Nach gut viereinhalb Jahren kehrte Treffler zurück in die Heimat. Höherklassig wollte er nicht mehr spielen. Durch den Kontakt zu seinen Freunden ging’s 2013 zurück zu Viktoria Birten. 2015 folgte er dem Lockruf von Torben Sowinski zur DJK Labbeck/Uedemerbruch. Als Mittelstürmer eingesetzt klappte 2017 der Aufstieg in die Kreisliga A. Er war mit 18 Treffern sogar bester Torschütze. Überraschend und nicht geplant wurde Treffler mit Thomas Hudic Trainer bei der DJK. Nach dem Klassenerhalt wechselte er 2018 wieder nach Birten. Von den sechs Jahren dort war Treffler vier als spielender Co-Trainer aktiv. Jetzt ist also Schluss.
„Wenn 2020 die Saison wegen Corona nicht abgebrochen worden wäre, wären wir sicherlich in die A-Liga aufgestiegen“, glaubt er fest. Birten lag zu dem Zeitpunkt nach acht Spielen und acht Siegen an der Tabellenspitze. Viktorias Cheftrainer Alexander Wisniewski, der zum SV Menzelen wechselt, meint zum Abschied seines „Co“: „Bis zum Ende hat Matthias alles gegeben und in jeder Einheit voll mitgezogen. Von den Gegnern habe ich oft gehört, dass er ein richtiges Kampfschwein ist. Mit seiner Mentalität und seiner körperbetonten Spielweise ist er ein ekliger Gegenspieler. Hinzu kommen seine Kopfballstärke und sein strammer Schuss.“
Indes waren für Matthias Treffler selbst immer wichtig: die Kameradschaft, der Zusammenhalt und Spaß am Fußball. Vom Talent und Können her wäre für ihn mehr drin gewesen, aber der Xantener verließ sich stets auf sein Bauchgefühl und sein Fußball-Motto: „Einer für alle, alle für einen.“
Neue Saison Auf Alexander Wisniewski und Matthias Treffler folgen in der kommenden Spielzeit bei Viktoria Birten Julian Schmelzer und Patrick Behrens, die als Trainer-Duo die B-Liga-Mannschaft übernehmen. Als Tabellenachter hatte sich das Team in die Sommerpause verabschiedet.