
Das 0:5 des SSV Ulm 1846 Fußball gegen den FC Hansa Rostock markiert nicht nur die deutlichste Heimniederlage dieser Saison, sondern auch den vorläufigen Tiefpunkt einer anhaltenden Negativserie. Nach dem 14. Spieltag steht der Absteiger mit 13 Punkten auf Rang 18 der Tabelle der 3. Liga – zwei Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz. Die fünfte Niederlage in Folge und 19 Gegentore in den vergangenen fünf Partien unterstreichen die dramatische Lage.
Stürmer Dennis Chessa, rang nach dem Spiel um Worte. „Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Es wiederholt sich natürlich jede Woche, du kriegst wieder einen Haufen Gegentore.“ Die Analyse fiel eindeutig aus: „Wir sind nicht in den Zweikämpfen, kriegen viel zu leichte Tore durch die Bank und vorne dann auch keine Durchschlagskraft. Insgesamt muss man sagen, fehlt es dann heute wieder überall.“
Die Stimmung im Donaustadion kippte spätestens nach den Gegentreffern zum 0:3 und 0:4. Pfiffe aus dem Publikum begleiteten die Mannschaft in die Kabine. Chessa zeigte Verständnis: „Natürlich kann ich den Unmut der Fans und der Leute verstehen. Es ist eine sehr schwere Zeit, die wir da gerade durchmachen, sehr chaotisch.“
Gerade für Spieler, die den Erfolg der Ulmer in den letzten Jahren aktiv mitgestaltet haben, ist die Situation emotional schwer zu ertragen. „Ich bin jetzt schon ein bisschen länger hier. Wir hatten sehr erfolgreiche Jahre hier, das war natürlich alles anders“, sagte Chessa. „Jetzt sind wir halt in einer sehr schweren Phase. So ehrlich muss man auch sein, jedes Spiel hätten das auch nochmal ein zwei Tore mehr sein können. Das ist natürlich enttäuschend und tut schon sehr weh. Das ist jetzt eine der schwersten Aufgaben die wir die letzten Jahre hatten. Wir sind in einer sehr schweren Situation, das muss man einfach so sagen. Viele Verletzungen, viele Sachen die gegen uns laufen. Aber wir auf dem Platz kriegen es eben auch nicht hin.“
Der Offensivspieler betonte, dass der Absturz nicht einzelnen Mannschaftsteilen anzulasten sei. „Es kann nicht sein, dass wir jede Woche vier bis fünf Tore kassieren und da ist jeder gefragt. Da nehme ich die vorne nicht raus, hinten nicht, da gehören alle dazu.“ Der Schlüssel liege für Chessa in einer grundlegenden Veränderung des eigenen Auftretens: „Wir müssen jetzt zusammenhalten, wir müssen dreckiger werden. Jetzt einfach ist Abstiegskampf, jetzt muss nur noch gekämpft werden.“
Deutlich äußerte sich Chessa auch zur jüngsten Äußerung aus der Geschäftsführung, der Kader sei nicht so qualifiziert aufgestellt wir er hätte sein können und das der SSV sich im Winter punktuell verstärken wird. „Ich denke, das ist für alle ein Schlag ins Gesicht. Für die Spieler, weil klar das heisst wir spielen jetzt nicht gut genug. Ich glaube aber auch für die Verantwortlichen, weil der Kader wurde so zusammengestellt, so ehrlich muss man sein.“ Am Ende gelte: „Jeder muss sich hinterfragen, einfach jeder.“
Für Felix Vater erhielt der gebrauchte Nachmittag dennoch einen besonderen Wert. Der 18-Jährige stand zum ersten Mal in der Startelf des SSV. „War schon unfassbar. Also erstmal die Atmosphäre und so, unglaublich als ich rausgelaufen bin, die ganze Zeit Gänsehaut.“
Vater, der seit der U15 beim Klub spielt, beschreibt die Emotionalität seines Debütstarts: „Vor allem ich bin jetzt schon seit der U15 hier, damals selber im D Block gewesen, es ist schon unglaublich.“
Sportlich aber sei der Auftakt aufgrund der Niederlage schwer einzuordnen. „Es ist sehr unglücklich, würde ich sagen mit dem Elfmeter. Ich habe es noch nicht gesehen, ob es war oder nicht. Aber der Spielverlauf war schon sehr ärgerlich.“ Trotz des 0:5 und der Gegentreffer zeigte sich Vater bemüht, seine Leistung realistisch zu bewerten: „Schwer zu sagen jetzt bei einem 5:0 als Innenverteidiger, eigentlich nicht. Aber für das erste Startspiel finde ich war es solide.“
Während Rostock durch den Sieg bis auf Platz sieben vorrücken konnte, richtet sich der Blick in Ulm auf die kommenden Wochen. Nach der Länderspielpause steht das Auswärtsspiel beim TSV Havelse an – die Bedeutung dürfte kaum größer sein. „Klar Havelsee ist jetzt extrem wichtiges Spiel, da musst du schon fast gewinnen“, sagte Chessa. „Es wird ein Kampfspiel, ein richtig dreckiges Spiel, glaube ich.“
Für die Ulmer ist es wichtiger denn je Punkte zu sammeln und die Trendwende einzuleiten. Dass sich die Mannschaft dieser Realität bewusst ist, klang am Ende des Nachmittages mit aller Deutlichkeit durch: „Jetzt müssen wir uns sammeln und die eineinhalb Wochen jetzt nutzen um wieder das Selbstvertrauen irgendwie zu kriegen. Wir müssen den Fokus darauf haben, dass wir da drei Punkte holen.“
Weit nach dem Spiel stellte sich Geschäftsführer Markus Thiele dem Ulmer D-Block im Donaustadion und ging auf die Fragen der Fans ein, unter anderem sagte er auch das die Möglichkeit geprüft werde baldmöglichst vertragslose Spieler zu verpflichten.