Türkgücü-Präsident Hasan Kivran (li.) steckt mit seinem Klub tief in der Krise.
Türkgücü-Präsident Hasan Kivran (li.) steckt mit seinem Klub tief in der Krise. – Foto: Imago Images / Kolbert-Press

Enttäuschendes 2021: Türkgücü München hat alle Saisonziele bereits verfehlt

Trainer-Chaos & Co.

Türkgücü München ist wieder einmal auf Trainersuche. Egal wer beim Drittligisten übernimmt, die Saisonziele hat der Klub von Präsident Hasan Kivran längst verfehlt.

München - Vielleicht ging es zu Beginn der Saison 2020/21 einfach zu schnell und zu gut los. Türkgücü München mischte mit erfrischendem Offensivfußball die 3. Liga auf. Sercan Sararer konnte an gute Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen, Petar Sliskovic erzielte Tore am Fließband. Rang zwei nach dem zweiten Spieltag, Platz vier - mit zwei Zählern Rückstand auf den Stadtrivalen TSV 1860 - nach dem Ende der Hinrunde Anfang Januar. Der Klub schien dort weiterzumachen, wo er die in der Spielzeit 2017/18 nach dem Einstieg von Geldgeber und Präsident Hasan Kivran angefangen hat. Vier Aufstiege in Folge bis in den bezahlten Fußball.

Anfang Februar dann der Paukenschlag, von dem sich Türkgücü München* bis heute noch nicht erholt hat. Trainer Alexander Schmidt wurde entlassen - die Mannschaft war Siebter mit fünf Punkten Rückstand auf Platz drei. Andi Pummer sprang als Interimslösung ein, feierte zwei Siege und musste dann - zumindest offiziell - hinter Serdar Dayat wieder ins zweite Glied zurück, weil dieser die fehlende Fußballlehrer-Lizenz hatte. Dessen größter Erfolg: Die Qualifikation für das Finale im Toto-Pokal. In der Liga holte er in neun Partien magere sieben Punkte. Nach 72 Tagen war die Ära Dayats schon wieder beendet und erneut musste Andi Pummer einspringen.

Türkgücü München: Toto-Pokal-Sieg und Teilnahme am DFB-Pokal der Höhepunkt im Jahr 2021

Nach einer enttäuschenden Rückrunde folgte der einzige sportliche Lichtblick im Jahr 2021: Der Sieg im Toto-Pokal-Finale Ende Juni gegen Regionalligist FV Illertissen mit 8:7 nach Elfmeterschießen. Zu diesem Zeitpunkt war mit Petr Ruman bereits der vierte beziehungsweise fünfte Übungsleiter (zweimal Pummer) für den Kader verantwortlich.

Mit dem Erreichen der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal* gelang dem Klub ein erster prestigeträchtiger Erfolg im Profi-Fußball. Doch auch der Tscheche durfte nicht lange an der Heinrich-Wieland-Straße arbeiten. Nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Union Berlin* und neun Liga-Partien mit drei Siegen, drei Unentschieden und drei Niederlagen musste der 45-Jährige wieder seine Koffer packen.

Peter Hyballa ist nicht aalglatt - das passt zu uns“, kündigte Max Kothny den Ruman-Nachfolger im September an, um ihn dann 64 Tage nach seiner Einstellung wieder zu feuern. In der Pressemitteilung zur Entlassung Hyballas versicherte der Geschäftsführer dann, dass sich der Klub „intensive Gedanken über die Marschroute der anstehenden Wochen und Monate“ machen möchte. „An dieser Stelle appelliere ich auch an die Mannschaft und das gesamte Umfeld des Vereins: Wir müssen uns gemeinsam der Brisanz der aktuellen sportlichen Situation bewusst sein und auch gemeinsam eine Reaktion zeigen, uns herauskämpfen und wieder Punkte holen.“

Türkgücü München: Ziele der Saison 2021/22 sind fast nicht mehr zu erreichen

Zunächst werden der Sportliche Leiter Roman Plesche und Kothny versuchen, einen neuen Übungsleiter zu verpflichten. Es wird sicher nicht einfach sein, jemanden zu finden, der als sechster Coach im Jahr 2021 auf dem Schleudersitz Platz nimmt. Eigentlich braucht Türkgücü in der aktuellen Situation mit zwei mageren Pünktchen Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz einen gestandenen und erfahrenen Trainer, doch wer will sich diesen Job in dem unruhigen und nervösen Umfeld antun? Dass dieser Schuss sitzen muss, wäre noch untertrieben, denn das hätte man bei der Verpflichtung Rumans oder Hyballas bereits sagen können.

Die Saisonziele hat Türkgücü München schon jetzt eigentlich komplett verfehlt. Durch das Aus im Toto-Pokal bei Regionalliga-Aufsteiger TSV Aubstadt ist die Qualifikation für die 1. Runde im DFB-Pokal 2022 kaum noch möglich. Der neue Coach müsste mit seiner Mannschaft eine ähnliche Serie wie die 2. Mannschaft des FC Bayern* im Jahr 2020 hinlegen. Die U23 von der Säbener Straße* marschierte von Platz 15 - Türkgücü steht aktuell einen Rang schlechter - bis zur Meisterschaft. Für die Teilnahme im DFB-Pokal würde Platz vier reichen, doch der Rückstand beträgt nach 16 Partien neun Punkte.

Türkgücü München droht der Absturz auf einen Abstiegsplatz in der 3. Liga

Damit wird wahrscheinlich nicht mal die ambitionierte Vereinsführung an der Heinrich-Wieland-Straße rechnen. Auch wenn sich in der Winterpause das Transferkarussell dort wieder besonders schnell drehen könnte, aussortierte Spieler den Verein verlassen und neue kommen werden, fehlt die Zeit. Der neue Mann muss mit dem ihm zur Verfügung gestellten Personal erst einmal versuchen, das Abstiegsgespenst zu vertreiben.

Bis zur Winterpause hat der Klub noch drei Heimspiele gegen Zwickau, Kaiserslautern, Verl und eine Auswärtspartie in Berlin. Schon am kommenden Montag zum Abschluss des 17. Spieltags wartet ein Schlüsselspiel. Im Olympiastadion gegen den FSV Zwickau (wir berichten im Live-Ticker) muss ein Sieg her. Gewinnen der MSV Duisburg oder der SV Verl, rutscht Türkgücü vor Anpfiff auf einen Abstiegsplatz und der Druck würde noch einmal zunehmen. (Jörg Bullinger) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Türkgücü Mün
2:2
Zwickau

Aufrufe: 025.11.2021, 15:07 Uhr
Jörg BullingerAutor

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