Niko Caniglia aus Backnang hofft auf den ganz großen Sprung.
Niko Caniglia aus Backnang hofft auf den ganz großen Sprung. – Foto: Rocco Bartsch

E-Sportler aus Backnang spielt um seine Zukunft

Niko Caniglia ist zwar bereits ein Profi, möchte aber bald den ganz großen Sprung schaffen. Highlight ist am Wochenende.

Die besten E-Sportler spielen an diesem Wochenende um den Einzug in die Finalrunde der deutschen Meisterschaft. Mit dabei ist Niko Caniglia. Der Backnanger rechnet sich gute Chancen aus, schließlich belegte er im vergangenen Jahr bei der Endrunde den elften Platz. „Ich will wieder weit kommen. Mal schauen, wie es läuft“, sagt der 21-Jährige. Niko Caniglia ist ein E-Sportler durch und durch. „Ich spiele von klein auf FIFA. Es hat schon etwas vom realen Fußball“, berichtet der gebürtige Ludwigsburger.

Zunächst hatte er aber auf dem Rasen gekickt, in der Jugend für den SGV Freiberg und den FC Marbach. Das Zocken auf der Playstation hat ihn aber mehr gereizt. Ihm gelang erfolgreich der Sprung in die Professionalität. „Vor einem Jahr habe ich es ins E-Sports-Team von den Würzburger Kickers geschafft“, berichtet Caniglia stolz. Für die Unterfranken war er in der virtuellen Bundesliga aktiv. Die Würzburger verpassten aber als Elfter der Staffel Südost den Sprung in die Endrunde. „Es war nicht unsere stärkste Saison“, sagt der Backnanger. Mit sich selbst ist er auch nicht zufrieden. „Ich war bei den Spielen recht nervös und konnte nicht meine besten Leistungen abrufen.“ Trotzdem freut sich Niko Caniglia, den Sprung als Profi geschafft zu haben. „Es ist für mich ein Fulltime-Job.“ Das heißt, er verdient als E-Sportler seinen Lebensunterhalt. Der 21-Jährige weiß jedoch, dass die Konkurrenz sehr groß ist. „Einige E-Sportler machen es auf Minijob-Basis, andere hingegen fünfstelligen Bereich. Das schwankt“, erzählt Caniglia. Er selbst kann laut seinen Angaben gut vom Zocken, das derzeit wegen der Coronapandemie nur noch online stattfindet, leben. Apropos leben. Der E-Sportler wohnt seit Dezember 2020 in Backnang. „Meine Mutter hat hier ein Haus gekauft. Ich finde die Gegend schön“, sagt Niko Caniglia, der davor in Marbach gelebt hatte. Auch von der Murr-Metropole aus kann er gut online zocken. Schließlich will der 21-Jährige optimal auf die kommenden Aufgaben vorbereitet sein. „Vor wichtigen Events spiele ich drei bis vier Stunden pro Tag.“ Wichtig sind für ihn neben den Partien in der virtuellen Bundesliga auch die Begegnungen im E-DFB-Pokal, bei denen er mit den Würzburger Kickers aktiv war.

Das Highlight für ihn persönlich ist die bevorstehende deutsche Einzelmeisterschaft. Für die Play-offs musste er sich erst qualifizieren. Das gelang ihm Anfang dieses Jahres mit 90 Siegen aus 90 Spielen innerhalb eines Monats in eindrucksvoller Manier. Diesen positiven Trend möchte Niko Caniglia fortsetzen. Er spielt nämlich auch für seine Zukunft als E-Sportler. Wie viele in dieser Branche hofft der Backnanger auf einen lukrativen Vertrag bei einem Bundesligisten. „In den nächsten Wochen wird meine Zukunft geklärt sein“, ist sich Niko Caniglia sicher. Da würde eine Platzierung im Vorderfeld der deutschen Einzelmeisterschaft ein guter Türöffner sein. Das wäre außerdem eine Hilfe, um dann noch bekannter zu werden, was bei E-Sportlern besonders wichtig ist und lukrative Einnahmen verspricht. Der Backnanger hat zwar einen eigenen Twitch-Kanal mit dem Namen nikocanigliafifa, auf dem er einige seiner Spiele live streamt, aber mit knapp 1200 Abonnenten befindet er sich vom Bekanntheitsgrad eher im hinteren Mittelfeld. Die Topstreamer von FIFA-Spielen in der Welt haben Follower, die durchaus in den Millionenbereich gehen. Genauso wichtig ist für die E-Sportler auch Instagram, wo Niko Caniglia etwas mehr als 1500 Abonnenten hat. Das könnte sich durchaus bald ändern.

Infos

- Das Grand Final findet vom 4. bis 6. Juni statt. Die ersten acht Mannschaften der Bundesliga dürfen jeweils einen Spieler für den Wettbewerb mit der Playstation stellen. Die anderen acht Akteure werden bei den Play-offs am 15. und 16. Mai ermittelt. Dort starten die je 13 Besten von den vier Qualifikationsmonaten. Darunter befinden sich neben Niko Caniglia auch Simon Zügel (Oppenweiler) und Leandro Mirabelli (Waiblingen), die beide zum Team von Mizka E-Sports gehören. Hinzu kommen zwölf Spieler von anderen Bundesligisten, unter anderem vom Team Leno E-Sports, das als 1. FC Heidenheim deutscher Mannschaftsmeister wurde. Somit gehen bei den Play-offs auf der Playstation 64 Teilnehmer an den Start.

- Auf den Einzelsieger warten 40000 Euro. Dem Vizemeister winken 20000 Euro. Jeweils 7500 Euro gehen an die unterlegenen Halbfinalisten. Selbst die Viertelfinalisten sowie die Ränge 9 bis 16 dürfen sich über je 3250 respektive 1500 Euro freuen.

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Aufrufe: 014.5.2021, 04:00 Uhr
Backnanger Kreiszeitung / Heiko SchmidtAutor

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