FSV Rheinfelden will Kader verjüngen und verändert Transferpolitik

Potenzial und Charakter statt namhafte Vita: Landesligist passt sein Beuteschema an

Spieler mit höherklassiger Erfahrung – das war bisher oft das Beuteschema des FSV Rheinfelden. Nun will der Landesligist seine Ausrichtung jedoch verändern und sich sukzessive verjüngen.

Als der FSV Rheinfelden jüngst Bilder vom Baufortschritt des neuen Areals in Warmbach im Internet postete, präsentierte der Club auch wieder mal Luftaufnahmen. Mit dem Vereinsheim, vor dem sich der Grundstock der Zuschauertribüne halbseitig bereits ausbreitet, und dem noch im Rohzustand befindlichen Fußballplatz. Über diesen hat sich ein grüner Schimmer gelegt, und es lässt sich erahnen, wie in naher Zukunft - wenn der Club in der kommenden Saison umgezogen ist - im Rheinfelder Stadtteil Landesliga-Fußball gespielt wird.

Um sich auf diesem Niveau zu halten, war der Tabellenletzte der abgebrochenen Saison seit Jahresende rege aktiv und vermeldete zehn Zugänge. Als der FSV im Januar mit Arben Gashi, Serkan Korkmaz und Almin Mislimovic ein Trio des Verbandsligisten SV Weil abwarb, passte dies zu jenem Ruf des kaufwütigen Clubs, der den Rheinfeldern anhaftet. Die Unstimmigkeiten zwischen beiden Vereinen gab es gratis obendrauf. In seinen jüngsten Mitteilungen schrieb der FSV indes von einem Kaderumbruch, für den offenbar das Beuteschema angepasst wurde.

Die Sommerzugänge Muhammed Al Bayati, Fatih Cakir und Jason Cerimi sowie die vier weiteren Wintertransfers sind nahezu alle Jahrgang 1996 oder jünger, und sie kommen vornehmlich aus den Kreisligen - Akteure mit Entwicklungspotenzial. Bei der Spielersuche "lag unser Hauptaugenmerk auf dem Alter. Wir wollten den Kader verjüngen und vergrößern", sagt FSV-Sportchef Julian Jäger, seit Anfang April offiziell im Amt.

Der Charakter spielt bei der Spielerauswahl nun eine wichtigere Rolle

Der 30-Jährige, selbst noch für den FSV aktiv, verweist auf ein weiteres Kriterium bei der Spielerauswahl: der Charakter. Jäger berichtet von langen Telefonaten und - sofern möglich - Treffen, "um die Menschen besser kennenlernen". Dieser Aspekt habe in früheren Zeiten nicht im Vordergrund gestanden. Bei Neuzugängen habe man stets lediglich gehört: "Der hat mal irgendwann hoch gespielt, den verpflichten wir jetzt", sagt Jäger, doch "so konnten wir uns nicht als Team formen". Meist mangelte es den Rheinfeldern nicht an begabten Individualisten mit vielversprechender fußballerischer Vita. Wohl aber an einer harmonischen Einheit. Auf dieses Ziel stimmt der Landesligist seine Kaderplanung künftig ab. "Wir sind auch auf die Wünsche der neuen Trainer eingegangen, die sehr auf die Jugend bauen", sagt Jäger mit Verweis auf das Gespann Werner Gottschling/Peter Johann.

Die Integration talentierter Akteure soll beim FSV in den nächsten Jahren an Gewicht gewinnen, zumal "wir nun auch wieder in allen Juniorenklassen vertreten sind", fügt der Sportchef an. Deshalb werde die eigene Jugend mittelfristig in den Fokus rücken. Für die neue Runde erklärt Jäger die Kaderplanung für "eigentlich abgeschlossen", wobei "höchstwahrscheinlich noch ein Torhüter hinzukommen wird". Aus dem Landesliga-Kader gibt es neben Denis Omerovic (SV Herten) zwei weitere Abgänge, vor der Verabschiedung durch den FSV verzichtet Jäger aber noch auf deren namentliche Nennung.

Julian Jäger: "Man holt mehr heraus, wenn man sich wohlfühlt."

Wichtig ist den Rheinfeldern, die Atmosphäre zu verbessern. "Als Spieler holt man immer mehr heraus, wenn man sich wohlfühlt", sagt Jäger aus eigener Erfahrung. Es gehe darum, "dass man sich auf dem Platz so gut versteht wie in der dritten Halbzeit". Generell förderlich dürfte die neue Anlage sein, "sie kommt sehr gut an", sagt der Sportchef. Bisher konnte der FSV mit seiner Infrastruktur "nicht punkten, und wir hatten nie eine eigene Heimat, wo wir uns wohlgefühlt haben". Für den Umzug ins neue Domizil gebe es noch keinen fixen Termin, doch sollte es "gegen September" klappen.

Das Primärziel des FSV: "Wir möchten einfach mal eine ruhige Saison haben und aus eigenen Mitteln frühzeitig den Klassenerhalt schaffen", sagt Jäger. "Wir wollen uns dafür belohnen, was wir die letzten Monate verändert haben." Die Vorstandschaft des Vereins hat sich verjüngt, "wir sind zu einer Familie zusammengewachsen". Das soll den Rheinfeldern nun auch auf dem Fußballplatz gelingen.

Aufrufe: 12.5.2021, 12:00 Uhr
Matthias Konzok (BZ)Autor

Verlinkte Inhalte