Es wird eingepackt: Die SG Kürzell-Meißenheim wurde aufgelöst, der FSV Meißenheim steht vor der Auflösung. | Foto: Wolfgang Künstle
Es wird eingepackt: Die SG Kürzell-Meißenheim wurde aufgelöst, der FSV Meißenheim steht vor der Auflösung. | Foto: Wolfgang Künstle

FSV Meißenheim steht vor der Auflösung

Der Verein hat keine Mannschaft und (vielleicht) auch keine Zukunft mehr +++ Infoveranstaltung am 19. August

Der Fußballsportverein Meißenheim steht vor der Auflösung, auf „90 Prozent“ beziffert der Vorsitzende Bernd Marienfeld, der nach eigener Aussage künftig für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung stehen wird, die Wahrscheinlichkeit. Eine letzte Chance für ein Weiterbestehen gibt es bei einem Informationsabend am 19. August.

Es ist keine wirkliche Überraschung, dass es mit dem FSV Meißenheim zu Ende zu gehen scheint. Schon vor zwei Jahren stand der Verein vor dem Aus, das er mit einem letzten Aufbäumen verhindert hat. Jetzt scheint es keine Rettung mehr zu geben, zumal auch die Spielgemeinschaft mit den Sportfreunden Kürzell zum Ende der abgelaufenen Saison ausgelaufen ist. Der Verein hat damit keine eigene Mannschaft mehr im Spielbetrieb, die verbliebenen Spieler sind zu den Sportfreunden gewechselt.

Der Vorsitzende Bernd Marienfeld sieht nur noch wenige Chancen dafür, das es mit dem FSV Meißenheim weitergeht. Zu „90 Prozent“, so seine Einschätzung, werde der Verein aufgelöst. Ende des Jahres will er sein Amt als Vorsitzender aufgeben, der Vorstand selbst besteht nur noch aus ihm, dem Kassierer und zwei Beisitzern. Vor zwei Jahren, als der Verein schon einmal dicht vor der Auflösung gestanden hatte, hatte sich Bernd Marienfeld bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen, um den Verein zu retten. „Wir wollten schauen, ob was geht.“

„Irgendwann werden alle sagen: Hätten wir damals bloß etwas gemacht.“ Bernd Marienfeld, Vorsitzender des FSV Meißenheim

Der Versuch ist fehlgeschlagen, Bernd Marienfeld hätte sich vor allem mehr Unterstützung der Mitglieder gewünscht: „Alle haben geheult, aber von ihnen selbst kam nichts.“ Es gab keine Betreuer, keine Trainer, keine Helfer. Der Vorsitzende vermisste vor allem das Engagement der jungen Mitglieder und prophezeit für die Zukunft: „Irgendwann werden alle sagen: Hätten wir damals bloß etwas gemacht.“ Marienfeld macht für das ausgebliebene Engagement auch die gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich: Beruf und Ausbildung seien anspruchsvoller geworden, es gebe viele Vereine und am Ende fehle einfach die Zeit.

Die vergangenen zwei Jahre hat sich der FSV Meißenheim sportlich noch in der Spielgemeinschaft mit den Sportfreunden Kürzell über die Runden gerettet, diese Zusammenarbeit ist aber zum Ende der vergangenen Saison, die bei der ersten Mannschaft mit dem achten Platz in der Kreisliga B-4 beendet wurde, ausgelaufen und wurde beim Verband auch nicht mehr neu beantragt. „Das hat sich auch erübrigt“, sagt Marienfeld, der die verbliebenen Meißenheimer Spieler für die Sportfreunde freigegeben hat. Am 19. August, 19.30 Uhr, wird Bernd Marienfeld bei einer Informationsveranstaltung im Sportheim in Meißenheim die rund 120 Mitglieder auf den Stand der Dinge bringen. „Vielleicht findet sich ja jemand, der weitermacht“, sagt Marienfeld, der für sich eine Verlängerung der Amtszeit als Vorsitzender aber ausschließt: „Ich wäre aber bereit mitzuhelfen.“

Kommt es zur Auflösung, wird es nach knapp 30 Jahren in der Doppelgemeinde künftig nur noch einen Fußballverein geben: die Sportfreunde Kürzell. „In Zukunft wird es so sein: In Meißenheim wird Handball gespielt und in Kürzell Fußball“, sagt der Sportfreunde-Vorsitzende Ludwig Rheinberger angesichts der aktuellen Entwicklung. Das Ende der Spielgemeinschaft war für ihn eine Konsequenz der vergangenen zwei Jahre. Außer den Spielern habe es keine personelle Unterstützung und in Bernd Marienfeld nur noch einen gegeben, der von Seiten des FSV Meißenheim etwas gemacht habe. Die ständigen Diskussionen um eine Auflösung des FSV Meißenheim hätten ein Übriges getan: „Es ist keine Basis für eine SG, wenn man nicht weiß, ob es den FSV im nächsten Jahr noch gibt“, erklärt Rheinberger. Bereits im Januar hätten die Sportfreunde deshalb das Gespräch mit den Meißenheimern gesucht. Rheinberger betont: „Wir sind aber nicht im Streit auseinander gegangen, haben aber aus zwei unterschiedlichen Positionen heraus diskutiert.“

„In Zukunft wird es so sein: In Meißenheim wird Handball gespielt und in Kürzell Fußball.“ Ludwig Rheinberger, Vorsitzender der Sportfreunde Kürzell

Für die Sportfreunde geht es damit in Zukunft wieder unter eigener Flagge weiter. Für die neue Saison wurden zwei Mannschaften gemeldet, die erste spielt in der neu gebildeten Kreisliga B-4 mit 16 Mannschaften. Rheinberger strebt einen Platz zwischen Drei und Fünf an: „Wir haben schon Ambitionen aufzusteigen, aber es wird schwer.“ Personell sieht es gut aus bei den Sportfreunden, für beide Mannschaften stehen 40 Spieler zur Verfügung. Und auch die Zukunft gibt Anlass zum Optimismus. Im nächsten Jahr stoßen aus der eigenen A-Jugendmannschaft 18 Spieler zu den Aktiven. „Ich habe als Vorsitzender wenig Angst, dass wir in den nächsten vier, fünf Jahren keine Spieler haben“, sagt Ludwig Rheinberger deshalb.

Weitere SG in Schwanau:
SG Allmannsweier/Nonnenweier
Das Fazit der beiden Vereine nach dem ersten Jahr der Spielgemeinschaft fällt positiv aus. Hubert Frenk, der Vorstand Sport beim FC Nonnenweier, bezeichnete bei der Hauptversammlung im März die Spielgemeinschaft als gute Entscheidung. Beim VfR Allmannsweier hat der Vorsitzende Michel Frenk in der Hauptversammlung die SG als „ wichtigen Schritt in die sportliche Zukunft beider Vereine“ bezeichnet. Die erste Mannschaft hat in der vergangenen Saison in der Kreisliga A-Süd den achten Platz belegt. Der FC Ottenheim ist als Drittletzter abgestiegen.
FC Schwanau: Die angestrebte Fusion zwischen den vier Vereinen FC Ottenheim, FC Nonnenweier, VfR Allmannsweier und SV Wittenweier zu einem FC Schwanau liegt derzeit „auf Eis“, wie Bernd Karkossa, einer der Initiatoren, gegenüber der Badischen Zeitung erklärt. Es gebe derzeit auch keine Gespräche in diese Richtung. Knackpunkt ist laut Karkossa nach wie vor der ungeklärte Standort des neuen Vereins.

Aufrufe: 09.8.2016, 18:00 Uhr
Christian Kramberg (BZ)Autor

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