Ausgepowert: Der FSV Meißenheim soll aus dem Vereinsregister gelöscht werden. Der Verein scheiterte auf der Suche nach Führungskräften.   | Foto: Archiv: Wolfgang Künstle (2008)
Ausgepowert: Der FSV Meißenheim soll aus dem Vereinsregister gelöscht werden. Der Verein scheiterte auf der Suche nach Führungskräften. | Foto: Archiv: Wolfgang Künstle (2008)

Erb "Irgendwann gibt man auf"

BZ-Interview mit Siegfried Erb vom FSV Meißenheim über die anstehende Auflösung des Vereins.

Am Freitag sollen die Mitglieder des Fußballvereins Meißenheim die Auflösung ihres FSV beschließen. BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger sprach mit dem zweiten Vorsitzenden Siegfried Erb über die mehrmonatigen erfolglosen Wiederbelebungsversuche und die Gründe für das Aus.
BZ: Herr Erb, machen Sie am Freitag mit der Vereinsauflösung wirklich Ernst?

Erb: (holt tief Luft) Ja, ganz sicher. Wir haben niemanden gefunden, der im Führungsteam mitmachen will. Es ist niemand bereit, sich der Herausforderung zu stellen.

BZ: Die schon mal für Ende September angekündigte Auflösung war verschoben worden. Warum?

Erb: Wir haben gedacht, dass wir vielleicht doch einen Vorstand auf die Beine stellen können. Aber das hat nicht geklappt.

BZ: Wie sieht die Situation konkret aus?

Erb: Die Vorstandsmitglieder haben gesagt, dass sie nicht weitermachen wollen und ich selbst wollte mir als zweiter Vorsitzender auch mal eine Auszeit nehmen. Seit 1976 bin ich im Fußball tätig, erst in Dundenheim und seit 1988 in Meißenheim.

BZ: In einer Sitzung wurden als Gründe für die Auflösung Versäumnisse der Vergangenheit genannt. Welche sind das?

Erb: Der Jugendbereich ist vernachlässigt worden. Als Jugendtrainer hatten wir nicht viele Möglichkeiten, da nur Jo Schwendemann und ich dieses Amt ausübten. Zu allen anderen Gründen will ich mich nicht äußern.

BZ: Frustriert es Sie, dass Sie der Totengräber des FSV sein werden?

Erb: Ja. Das tut schon weh. Aber wenn du allein bist...Wenn sich jemand Neues für den Vorstand gefunden hätte, hätte ich ja nochmal mitgemacht. Aber wenn keine Unterstützung kommt, was will man dann machen?

BZ: Wer Meißenheim hört, denkt in sportlicher Hinsicht an Handball. Kam der Fußballverein, der sich 1984 vom Handballverein getrennt hat, gegen die Konkurrenz nicht an?

Erb: Ja, Meißenheim ist Handball. Das war immer schwierig. Aber es hat im Großen und Ganzen sehr gut geklappt. Der Handballverein hat uns sogar ausgeholfen. Als wir nach einem Jahr erzwungener Pause wieder eine Seniorenmannschaft melden konnten, spielten auch Handballer für uns. Dafür bedanke ich mich hier nochmal, denn in der Klasse, in der die Handballer unterwegs sind, muss man sich ranhalten und man kann eigentlich nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.

BZ: Hakt es beim FSV auch spielerisch oder nur im Vorstand?

Erb: Ja, auch. Oder besser gesagt: So wie in anderen Vereinen auch. Wir hatten sogar ein bisschen Nachwuchs, vor zwei Jahren hatte ich es nochmal probiert mit Kleinen und der Zulauf war da. Aber mir wurde das zeitlich zu viel mit der Jugend, als zweiter Vorstand und als Ansprechpartner für die Spielgemeinschaft mit den Sportfreunden Kürzell. Zwischenzeitlich hatte sich jemand gefunden für den Jugendbereich, aber das hat auch nicht so geklappt.

BZ: Hat man nie über eine Fusion mit den Fußballern der Sportfreunde Kürzell nachgedacht?

Erb: Dieses Thema wurde natürlich angesprochen, doch auch gleich wieder verworfen. Die Sportfreunde sind nicht nur Fußball, da hängt auch noch das Turnen als Abteilung dran. Das erschwert eine Fusion. Die Spielgemeinschaft gibt es seit zweieinhalb Jahren, unsere Spieler werden jetzt nach Kürzell wechseln. Im Jugendbereich sind es bis zu zehn, im Seniorenbereich etwa zehn Spieler.

BZ: Haben Sie unterm Strich genug für den Erhalt des FSV getan?

Erb: Mit Sicherheit. Der Verein wäre bereits vor drei, vier Jahren fast untergegangen, weil es keine Seniorenmannschaft mehr gab. Da habe ich gesagt, dass wir was machen müssen und einiges an Zeit investiert. Irgendwann gibt man auf, wenn keine Resonanz da ist.

BZ: Also wird am Freitag aufgelöst, wenn man beschlussfähig ist.

Erb: Ja, dann wird der Verein aufgelöst.

BZ: Wie reagiert die Bevölkerung?

Erb: Man wird oft angesprochen, und ich sage dann: Meldet euch. Es sind einfach zu wenig Leute da, die so ein Amt übernehmen wollen.

BZ: Sie müssen einen Fußballverein auflösen und das im Weltmeisterjahr - ist Fußball außer Mode?

Erb: Nein. Auch in Meißenheim nicht. Wenn sich Leute in der Nachwuchsförderung engagiert hätten, hätte man die Jugendlichen auch bekommen, da bin ich sicher.

Termin: Auflösungsversammlung des FSV Meißenheim am Freitag, 12. Dezember, 19.30 Uhr, im Sportheim. Das Vereinsvermögen wird nach der Auflösung gespendet, der Fußballplatz und das Heim gehören der Gemeinde.





















ZUR PERSON























Siegfried Erb (58) wohnt in Meißenheim, spielt seit 1967 Fußball. Parallel trainierte er von 1976 bis 2009 mit Auszeiten Jugendmannschaften. Erb ist verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn.







Autor: ude
Aufrufe: 010.12.2014, 10:30 Uhr
Ulrike Derndinger (BZ)Autor

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