– Foto: Vanessa Gressler

Der Zottelstedter Fußballkreislauf

Was bei den Fußballern des FSV Ilmtal Zottelstedt ansteht, wird gemeinsam angepackt. Es ist nicht so, dass man sich im nördlichen Apoldaer Ortsteil einfach nur kennt und verträgt.

Einige Freundschaften und Verbindungen leben seit Jahrzehnten. So gehen die Mitglieder des Fußballkreisoberligisten durch dick und dünn – wenngleich es auch mal eine kurze Auszeit gab.

BERICHT von Stephan Klaus

Im Falle des heute 30-jährigen Kapitäns Tobias Haase waren es ab 2012 ein paar Jährchen beim benachbarten großen sportlichen Bruder: Zum VfB Apolda wurde Haase damals vom Kumpel und heutigen VfB-Kapitän Tobias Döpel gelockt. „Es war eine schöne Zeit, ich habe mich beim VfB sehr wohl gefühlt. Und trotzdem ist es hier in Zottelstedt noch eine Nummer schöner“, sagt Haase unmissverständlich, dass es ihm zu Hause doch am besten gefällt.

Nicht nur ihm. Als es hieß, aus dem Zottelstedter Nachwuchs würden einige große Talente in die Männermannschaft aufrücken, setzten sich Haase mit Mario Becker, Michael Schmidt und Tobias Löbnitz zusammen – einigen alten Weggefährten aus Kindergartenzeiten, aus dem Juniorenbereich oder spätestens aus den Tagen im ersten Männerteam Zottelstedts. Schon einmal hatten sie bis 2012 sportlich viel beim FSV bewegt, die Chance bot sich 2015 erneut. „Im Grunde hatten wir von einem auf den anderen Tag aus dem Nichts eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz bekommen. Der Trainer damals war Jens Rahnis, der uns bereits viele Jahre zuvor in der Jugend eine Menge beigebracht hatte.“ In Rahnis sieht Haase neben Lothar Löbnitz den entscheidenden sportlichen Wegbereiter seiner Nachwuchszeit.

Mario Becker war nach dem Zerfall des Teams 2012 als Einziger des Quartetts zuhause geblieben, Tobias Löbnitz hatte es nach Niedertrebra, Michael Schmidt nach Herrengosserstedt verschlagen. In der Folge der Abgänge ging die gemeinsam erreichte Kreisligazugehörigkeit flöten. Das Ziel der Heimkehrer: So schnell wie möglich wieder aus der Kreisklasse aufsteigen! „Da war es schon enttäuschend, dass wir 2015/16 nur Zweiter geworden sind“, erinnert sich Haase. Doch wie vieles im Zusammenspiel dieses Quartetts klappte es auch hier im zweiten Anlauf – ebenso wie später der Sprung in die Kreisoberliga 2019 nach dem Kreisliga-Platz drei 2017/18.

Aufstiegstrainer 2019 war indes nicht mehr Rahnis, sondern der aktuelle Coach Thomas Schmidt. „Er ist in unserem Alter, spricht unsere Sprache, begegnet uns auf Augenhöhe. Er hat damals einige Impulse setzen wollen, und so kam ich unter ihm ziemlich schnell zur Kapitänsbinde“, verrät Tobias Haase. Nun wartet das Kreisoberligateam darauf, endlich eine Kreisoberligasaison zu Ende spielen zu dürfen, nachdem zweimal Corona dazwischenfunkte.

Sonst indes wird bei Haase und Co nicht gewartet, sondern gehandelt. Die Zottelstedter haben Fußball und Verein fest im Griff. Entsprechend rosig wirkt die Zukunft. So ist Haase selbst bei Weitem nicht nur Kapitän, sondern als Datenschutzbeauftragter und in Sachen Mitgliederverwaltung Vorstandsmitglied – und Nachwuchstrainer. Als C-Lizenz-Trainer coacht er die C-Junioren, auch wenn es zeitlich mitunter an die Grenzen geht. „Da kann es vorkommen, dass man am Sonnabend als Trainer nach Unterwellenborn und am Sonntag als Spieler nach Bad Blankenburg muss.“ Coronafrei gibt es zudem nicht. Zweimal in der Woche bietet Haase das Training online an. „Es ist heutzutage wichtig, dass die jungen Spieler in Bewegung bleiben und ausgewogen trainiert werden. Dass man sich, wie in meiner Jugend, jeden Tag zum Bolzen verabredet, gibt es kaum noch. Von allein passiert da nicht mehr so viel.“ Umso kräftiger schieben die Spieler der Männermannschaften an. „Philipp Häfner, Tobias Löbnitz, Stefan Tarne sind einige der derzeitigen Nachwuchstrainer – und allesamt Männerspieler. So entsteht schon beizeiten ein großer Zusammenhalt im Zottelstedter Fußball. Ein Kreislauf, von dem wir alle noch lange profitieren können“, meint Haase.

Da wirkt es nicht besonders alarmierend, dass aktuell lediglich eine A-Junioren-Mannschaft zur Komplettierung des Jugend-Sets fehlt. „Meine Weggefährten und ich sind mit 30 schon die Alten im Männerteam. Die Jüngeren werden tendenziell eher noch stärker. Und aus der B-Jugend werden einige Spieler mit großem Potenzial nachrücken.“

Insbesondere in den Zwischenjahrgängen, die allmählich auf Mitzwanziger zusteuern, sieht der zentrale Mittelfeldmann Haase enorme Stützen in einem Team „ohne echte Schwächen“. Gesondert nennt er Verteidiger-Bank Richard Roos und Offensiv-Allrounder und Goalgetter Kevin Trepanovski. „Als Kevin Jugendspieler war, hat sogar mal Carl Zeiss Jena angefragt. Offensichtlich gefällt es vielen sehr gut in der Zottelstedter Fußballfamilie. Mir zumindest würde spontan niemand einfallen, der uns nach dieser Saison verlassen will.“

Aufrufe: 06.5.2021, 20:39 Uhr
Stephan KlausAutor

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