
Im FuPa-Teamcheck spricht Reinhard Schenker vom FSV Hollenbach über Rang 16 in der Oberliga Baden-Württemberg, verpasste Siege und Verletzungspech. Der Trainer glaubt an Qualität – und an den Kopf als Schlüssel im Abstiegskampf.
Reinhard Schenker, Trainer des FSV Hollenbach, macht keinen Hehl daraus, dass die Lage nach der Hinrunde nicht den eigenen Ansprüchen entspricht. „Wir sind natürlich nicht zufrieden mit dem aktuellen Tabellenplatz“, sagt Schenker. Der Klub steht in der Oberliga Baden-Württemberg auf Rang 16 und hat 20 Punkte gesammelt.
Doch Schenker verweist zugleich auf die extreme Enge im Tabellenkeller: „Allerdings ist Tabelle gerade in der unteren Hälfte sehr eng. Da kann es wöchentlich zu großen tabellarischen Veränderungen kommen.“ Der Coach glaubt, dass seine Mannschaft eigentlich deutlich besser dastehen könnte: „Leider haben wir zwei bis drei Spiele nicht für uns entscheiden können, in denen wir deutlich überlegen waren.“
Die Rechnung ist für ihn klar: „Dann würden wir irgendwo im tabellarischen Mittelfeld stehen, wo ich unser Team qualitativ auch einordnen würde.“
Als größte Herausforderung der Hinrunde nennt Schenker die Phase, in der wichtige Spieler gleichzeitig ausfielen. „In der Mitte der Vorrunde haben uns zu viele Leistungsträger gleichzeitig durch Verletzungen gefehlt“, erklärt er. Gerade das sei mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht aufzufangen gewesen: „Das konnten wir auf Dauer mit unserem Kader nicht kompensieren.“
Hinzu kamen Leistungsschwankungen, die sich immer wieder durch die Saison zogen. „Zudem unterliegt unsere Mannschaft immer wieder Leistungsschwankungen“, sagt Schenker. Dabei gehe es vor allem um fehlende Konstanz: „Da fehlt dann bei dem ein oder anderen die Konstanz über einen längeren Zeitraum.“
Der Trainer ordnet das jedoch nicht als Ausrede ein, sondern als Teil eines Prozesses: „Dies gehört allerdings bei einer so jungen Mannschaft zum Entwicklungsprozess und ist daher auch natürlich.“
Trotz der schwierigen Lage sieht Schenker klare Beweise dafür, dass seine Mannschaft das Zeug zum Klassenerhalt hat. „Wir hatten Spiele, in denen wir viele Torchancen hatten und nicht gewonnen haben“, sagt er. Gleichzeitig habe es auch Partien gegeben, in denen die Defensive stand – und dennoch ging man leer aus: „Genauso Spiele, in denen wir defensiv stabil waren und durch individuelle Fehler verloren haben.“
Gerade diese Gegensätze zeigen für Schenker, was in der Mannschaft steckt: „Daran lässt sich erkennen, welches Potenzial in der Mannschaft in allen Spielphasen steckt.“
Der Schlüssel liegt für ihn in einem Wort, das er doppelt betont: „Das Geheimnis liegt sowohl defensiv als auch offensiv in der Effizienz.“ Dabei gehe es nicht nur um Taktik oder Training, sondern vor allem um den Kopf: „Dabei spielt aber vor allem die mentale Komponente entscheidend.“
Auch ein weiteres Thema benennt Schenker deutlich: „Außerdem müssen wir bei Standardsituationen gefährlicher werden.“ Und er weiß: „Daran müssen wir sicher noch feilen.“
Mit Blick auf die Vorbereitung auf die Rückrunde klingt Schenker optimistisch. „Die Jungs ziehen super mit“, sagt er. Und er spürt eine neue Dynamik: „Man merkt, dass die Energie wieder da ist.“
Allerdings waren die Bedingungen nicht immer ideal. „Aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse mussten wir das eine oder andere Mal bei der Trainingsgestaltung improvisieren“, erklärt Schenker. Doch auch hier bleibt er realistisch: „Aber das ging wahrscheinlich allen Mannschaften so.“
Auch die bisherigen Testspiele bewertet Schenker gut. „Unsere Testspiele sind bisher positiv verlaufen“, sagt er. Die Zielsetzung war dabei klar formuliert: „Die Vorgabe, alle Spiele zu gewinnen, hat mein Team bisher sowohl gegen klassenhöhere als auch klassentiefere Teams umgesetzt.“
Doch nicht nur die Ergebnisse stimmen den Trainer zuversichtlich. „Zudem stimmt mich auch die Art und Weise positiv“, betont Schenker. Im spielerischen Bereich sei ein klarer Trend zu erkennen gewesen: „Man konnte eine tendenziell positive Entwicklung von Spiel zu Spiel im spielerischen Bereich erkennen.“
Gleichzeitig bleibt eine Schwachstelle bestehen: „In Sachen Chancenverwertung müssen wir uns allerdings nach wie vor steigern.“
Der FSV Hollenbach absolvierte in der Vorbereitung auch ein Trainingslager. Für Schenker hat diese Phase eine besondere Bedeutung. „So ein Trainingslager dient immer auch der Stärkung des Zusammenhalts“, erklärt er.
Gerade im Abstiegskampf könne genau das entscheidend sein: „Dieser wird im Kampf um den Klassenerhalt wichtig sein.“
Im Kader gab es Bewegung. Schenker berichtet: „Wir haben zwei Spieler abgegeben die charakterlich super waren, denen wir den Sprung aber kurzfristig nicht zugetraut haben.“
Einen Neuzugang gab es dennoch – und zwar aus Notwendigkeit: „Der Neuzugang auf der Torspielerposition war aufgrund von Verletzung zwingend.“
Was muss sich in der zweiten Saisonhälfte verbessern? Schenker formuliert keinen einzelnen Punkt, sondern einen Grundansatz. „Wir wollen uns natürlich in allen Bereichen entwickeln und konstanter werden“, sagt er.
Doch wenn es um den Abstiegskampf geht, sieht er einen Faktor als entscheidend an: „Das wichtigste im Abstiegskampf ist Vertrauen und mentale Stärke.“ Er wird noch deutlicher und beschreibt, worum es konkret geht: „Selbstvertrauen und Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitspieler und die Spielidee sind gerade im Kampf um den Klassenerhalt elementar.“
Schenker weiß, dass es Rückschläge geben wird. Gerade dann müsse die Mannschaft standhalten: „Es erfordert große mentale Widerstandskraft, keine Zweifel an der eigenen Qualität und dem Erreichen des Ziels aufkommen zu lassen.“ Und das gelte besonders in schwierigen Momenten: „Gerade wenn es Rückschläge gibt.“
Im Kampf um den Klassenerhalt misst Schenker dem Start nach der Winterpause Bedeutung zu, allerdings ohne Überhöhung. „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, betont er.
Ddas erste Spiel sei ein Schlüsselmoment: „Natürlich ist der Auftakt aufgrund der tabellarischen Situation wichtig.“ Doch nicht wegen der Tabelle allein, sondern aus mentaler Sicht: „In erster Linie aber, um bereits genanntes Selbstvertrauen zu füttern.“
Schenker warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: „Wir werden jedoch im Auftaktspiel, egal wie es ausgeht, weder den Klassenerhalt feiern können noch den Abstieg besiegeln.“
Schenker rechnet angesichts der engen Liga mit einem langen, nervenaufreibenden Rennen. „Aufgrund der Ausgeglichenheit ist damit zu rechnen, dass der Kampf um den Klassenerhalt lange offen sein wird“, sagt er.
Sollte es gelingen, sich früh abzusetzen, würde er das sofort annehmen: „Sollten wir uns frühzeitig von unten distanzieren, nehmen wir das gerne an.“
Doch am Ende spricht aus Schenkers Worten vor allem Überzeugung. „Unterm Strich glaube ich an die Qualität unserer Mannschaft und jedes Einzelnen“, sagt er. Und er setzt einen emotionalen Schlusspunkt: „Ich bin überzeugt, dass wir am Ende Grund zum Feiern haben“.