
In der Oberliga Baden-Württemberg zählen im Moment keine Schönheitsnoten, sondern nur die Punkteausbeute. Vor 200 Zuschauern bewies der FSV Hollenbach heute am 28. Spieltag, dass Wille und Charakter. Gegen den favorisierten TSV Essingen drehte die Elf von Trainer Reinhard Schenker einen Rückstand und sicherte sich einen 2:1-Heimsieg, der im Kampf um den Klassenerhalt ein gewaltiges Signal sendet.
Harter Kampf gegen den spielstarken Favoriten
Von Beginn an war die Rollenverteilung auf dem Rasen klar umrissen. Der Tabellendritte aus Essingen übernahm das Kommando, während Hollenbach zunächst Mühe hatte, defensiv den Zugriff zu finden. „Ich denke, unterm Strich sicher kein unverdienter Sieg, auch wenn natürlich Essingen vor allem in der ersten Halbzeit deutlichen Mehranteil an Ballbesitz gehabt hat, allerdings häufig in ungefährlichen Räumen, gerade im Aufbaudrittel“, analysierte Reinhard Schenker gegenüber FuPa den Verlauf der ersten 45 Minuten. Seine Mannschaft musste in der Defensive Schwerstarbeit verrichten und schaffte es kaum, den Gegner frühzeitig zu stören. „Da haben wir es nicht geschafft, richtig Druck auf den Gegner zu machen und ihn zu Fehlern zu zwingen“, so der Coach kritisch.
Rückstand trotz hochkarätiger Gelegenheiten
Obwohl der Gegner optisch überlegen agierte, verbuchte der FSV Hollenbach die zwingenderen Möglichkeiten. Die Offensive lauerte auf Umschaltmomente, ließ jedoch die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen. „Wir haben es nicht geschafft, wenn wir den Ball erobert haben, über Ballbesitzphasen für Entlastung zu sorgen, hatten aber trotzdem in der ersten Halbzeit die zwei größten Chancen, die wir leider nicht nutzen“, haderte Schenker. Die Quittung folgte in der 35. Minute, als Besnik Koci die Gäste mit 1:0 in Führung brachte. Ein Vorsprung, der zur Pause dem Spielverlauf entsprach: „Wir waren in der ersten Halbzeit mit Sicherheit nicht an unserem Limit, haben weit weg davon performt.“
Der Wendepunkt und der Glaube an den Erfolg
Nach dem Seitenwechsel kehrte eine völlig neue Dynamik in das Spiel der Hollenbacher zurück. Die Passivität wurde abgelegt. „In der zweiten Halbzeit war dann eine ganz andere Energie auf dem Platz. Wir haben es ab der 60. Minute geschafft, Druck aufzubauen, den Gegner dann mehr oder weniger phasenweise hinten reinzudrängen“, beobachtete der Trainer. In der 55. Minute gelang schließlich der Ausgleich durch Ivan Bešlić. Dieser Treffer wirkte wie ein Katalysator. „Mit dem 1:1 war dann auch komplett der Glaube an den Erfolg wieder da. Die Jungs haben gekämpft, haben alles auf den Platz gelassen und alles gegeben“, lobte Schenker den Einsatzwillen.
Späte Ekstase durch den Joker
Schenker bewies im weiteren Verlauf ein glückliches Händchen. Der unbändige Aufwand wurde belohnt: In der 84. Minute war es der eingewechselte Julian Henning, der das Spiel mit seinem Treffer zum 2:1 endgültig drehte. Dass die Mannschaft gegen den Tabellendritten erneut Nehmerqualitäten bewies, imponierte dem Coach: „Wie schon so häufig sind wir auch nach einem Rückstand wieder zurückgekommen gegen so eine gute Mannschaft, die auf Platz drei steht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, da muss ich meine Jungs wirklich dafür loben.“
Stolz auf den Charakter im Abstiegskampf
Nach dem Abpfiff herrschte Erleichterung pur, da der FSV durch diesen Dreier auf den 14. Tabellenplatz klettert. „Ich bin stolz auf die Jungs, was sie heute wieder geliefert haben. Wenn am Schluss eine gute halbe Stunde reicht, dann nehmen wir das so mit. Für uns zählt aktuell nur das Ergebnis, nicht die Art und Weise, wie es dann zustande kommt“, stellte Reinhard Schenker klar. Er räumte sachlich ein, dass die spielerische Komponente noch gesteigert werden muss: „Natürlich können wir besser Fußball spielen, wollen wir auch besser Fußball spielen, aber in unserer Situation zählen die drei Punkte, die haben wir geholt.“
Blick auf das Duell beim Karlsruher SC II
Mit der Empfehlung von nun 31 Punkten im Rücken richtet sich der Blick auf den kommenden Sonntag, 26.04.2026. Um 16 Uhr gastiert der FSV beim Karlsruher SC II. Für Schenker ist dies die Chance, einen direkten Konkurrenten zu distanzieren: „Jetzt können wir nach diesem schweren Programm mit den drei Topmannschaften dann auch mit einem guten Gefühl nach Karlsruhe fahren und wollen da natürlich nachlegen. Karlsruhe hat sich vielleicht schon weiter vorne gesehen. Jetzt sind sie wieder rein in den Abstiegskampf gerutscht.“ Das Ziel für das Gastspiel ist klar definiert: „Wir haben die Möglichkeit, sie mit einem Sieg zu überholen, wollen aber definitiv etwas Zählbares mitnehmen. Die kämpferische Leistung hat absolut gestimmt.“