2026-04-29T13:32:52.058Z

Spielbericht

Freistoß-Zauber und Fitness-Wucht: Murnau überrollt Dornach im Endspurt

Überragende zweite Hälfte

von Andreas Mayr · Heute, 11:45 Uhr · 0 Leser
Hat „mit den besten Schuss im Team“: Das sagt der Murnauer Coach über Phillip Mühlbauer. Der hat es beim 6:0-Sieg in Dornbach nun unter Beweis gestellt – und versenkte zwei direkte Freistöße.
Hat „mit den besten Schuss im Team“: Das sagt der Murnauer Coach über Phillip Mühlbauer. Der hat es beim 6:0-Sieg in Dornbach nun unter Beweis gestellt – und versenkte zwei direkte Freistöße. – Foto: Andreas Mayr

Der TSV Murnau gewinnt deutlich gegen Dornach und bleibt im Aufstiegsrennen. Trainer Wagner musste sein Team erst wachrütteln.

Dornach – Jetzt bekommt die Landesliga das Finale, das ihr zusteht. Die letzten beiden Spieltage werden geprägt sein vom Zielsprint zwischen Wasserburg und Murnau, getrennt derzeit nur durch zwei Punkte: Murnau auf Platz drei, Wasserburg auf zwei. Beide Klubs aktivieren im Endspurt ihre Booster, pusteten ihre jeweiligen Gegner am Samstag vom Feld. Murnau gewann 6:0 in Dornach, beim 5:0 der Wasserburger kam Absteiger Neuperlach unter die Räder. Für die Drachen vom TSV fühlt sich das alles unwirklich an. Bayernliga, wie irre wäre das bitte? Diese historische Gelegenheit erkennen die Fans. 80 Kilometer Fahrt hielten sie nicht ab. Am Platz erblickte Trainer Martin Wagner das Unglaubliche: „Gefühlt mehr Murnauer als Dornacher vor Ort.“

Ein Glanzstück bekamen die TSV-Anhänger nicht zu sehen – auch wenn das Ergebnis anderes andeutet. Vielmehr war der Kantersieg auf den Faktor Fitness zurückzuführen. Eine interessante Herangehensweise wählen Murnaus Gegner derzeit. Sobald sie einmal hinten liegen, öffnen sie alle Schleusen. „Die schonen sich gefühlt, wenn’s vorbei ist“, beobachtet Wagner nun schon in der zweiten Woche hintereinander. Das 6:0 täuscht darüber hinweg, dass der Aufsteiger aus dem Münchner Norden eine beinahe makellose erste Hälfte zeigte. „Die haben das Zentrum beherrscht wie kein Team in den letzten Spielen gegen uns“, hält der Coach fest.

Murnau dreht im zweiten Durchgang auf und bekommt Dornacher Dominanz eingedämmt

Das erklärt vielleicht auch das Tabellenbild. Ein Klub wie Murnau hat mehrere Varianten, eine Partie zu entscheiden. Die Drachen können’s mit Kurzpassspiel, genauso aber mit Abwehrriegel und Abnutzungskampf. Wer Murnau bezwingen will, braucht Sauerstoff-Reserven. In Dornach sah Wagner einen Gegner in den letzten zehn Minuten einbrechen, in denen seine Männer von 3:0 auf 6:0 stellten. „Man könnte auch sagen: Wir haben sie uns zurechtgelegt. Wir wussten um die läuferischen Vorteile bei den Temperaturen.“

Zur ganzen Wahrheit gehört genauso, dass Dornach seine Vormachtstellung im Mittelfeld nicht gewinnbringend einsetzte. Murnau – 45 Minuten der Lethargie verfallen – dagegen wühlte in seinem Werkzeugkasten und entdeckte wieder einen neuen Schlüssel zum Sieg: direkte Freistöße. Phillip Mühlbauer versenkte gleich deren zwei (1:0 und 4:0). Man glaubt’s kaum, aber Kunstschüsse bei ruhendem Ball trainieren sie beim TSV ganz selten. „Wir nutzen die Zeit lieber für die ganze Mannschaft“, erklärt der Coach. Trotzdem haben sie eine Reihe an Zauberfüßlern, die gerne nach einer Einheit noch das Zirkeln üben. Mühlbauer gehört zu diesem Kreis, er habe „mit den besten Schuss“ im ganzen Team. Wagners Bauchgefühl sagte, der „Turbo“ solle diesmal antreten. „Dass er gleich zwei Freistoß-Tore macht, ist unglaublich“, schwärmt sein Coach.

Die Ehrung zum wichtigsten Spieler der Partie teilte er sich mit Jannis Braun, dem zweiten Doppeltorschützen (2:0 und 3:0). Nur dass der aus anderer Lage – nämlich nach abgefangenen Bällen – abzog. Nach Taktikgesprächen und klaren Ansagen in der Kabine bekamen sie dann auch die Dornacher Dominanz in der Spielfeldmitte eingedämmt. Die Trainer lenkten das Pressing an eine andere Stelle, stellten das Zentrum stabiler auf und sagten den eigenen Leuten ziemlich deutlich, dass jeder zehn Prozent unter Normalniveau agierte. „Ich hatte das Gefühl, dass wir sie aufwecken müssen“, sagt Wagner. Und wie sie aufwachten. In der Schlussphase besiegelten Felix Lautenbacher und Fabian Erhard die Festspiele in Grünweiß. Mit denen das Fernduell um Relegationsplatz zwei eine eigene Dynamik bekommt.