Herbert Hainer interessiert sich für den Frauenfußball.
Herbert Hainer interessiert sich für den Frauenfußball. – Foto: Sebastian Widmann

Frauenfußball: Vier Fragen an Bayern-Präsident Hainer – mit Ansage: „Wir müssen uns bewegen“

„Frauen-DFL“ in der Zukunft?

Wie kann der Frauenfußball nachhaltig vom Boom der Europameisterschaft im Sommer profitieren? FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer ist ein großer Förderer.

München – Auf der Tribüne am FC Bayern Campus ist Herbert Hainer regelmäßig zu sehen. Auch den kommenden Donnerstag, an dem die FC Bayern Frauen Real Sociedad zum Rückspiel um die Champions-League-Qualifikation bitten, hat sich der Präsident des FC Bayern schon dick im Kalender angestrichen. Der 68-Jährige fiebert mit – und fördert.

Herr Hainer, wie beurteilen Sie den Saisonstart mit Zuschauerrekord? Ist das der erhoffte EM-Effekt – oder eher eine „Eintagsfliege“?

Das Wort „Eintagsfliege“ ist hier nicht angebracht. Bei unseren FC Bayern Frauen ist das erste Heimspiel jetzt am Sonntag gegen Werder Bremen bereits seit Tagen ausverkauft. Das gab es noch nie. Es wird jedoch auf jeden Fall entscheidend sein, diese Euphorie der tollen EM und die generell wachsende Begeisterung für den Frauenfußball aufrechtzuerhalten, damit sie die gesamte Saison über spürbar ist – und darüber hinaus.

Karl-Heinz Rummenigge prophezeit harte Zeiten für deutsche Frauen-Teams. Teilen Sie diese Einschätzung – und kann man als einzelner Verein gegensteuern?

Alle Clubs müssen mit Weitsicht vorgehen. Bei uns beim FC Bayern haben wir langfristige Strategien entwickelt, um eine kontinuierliche Entwicklung zu gewährleisten. Auf Sicht gesehen sollten alle großen deutschen Lizenzvereine so in den Frauenfußball investieren, dass sie in der Lage sind, einen Bundesligisten zu stellen – wie es der FC Bayern und einige andere bereits vormachen. Deutsche Clubs haben über Jahre große Erfolge in der Champions League gefeiert, allerdings darf man sich da nicht blenden lassen. Wir sehen die rasanten Entwicklungen vor allem in England, aber auch in Spanien und Frankreich, und die zeigen uns: Wir müssen uns bewegen.

Was halten Sie vom Vorschlag der „Frauen-DFL“? Ist eine Einführung realistisch?

Der Männerfußball hat gezeigt, dass die Ausgliederung in einen eigenständigen Spielbetrieb Sinn macht und man mit solchen Entscheidungen viel bewegen kann: Die Bundesliga wurde wesentlich professioneller und attraktiver. Daher kann das eine Option sein, die konkrete Form einer solchen, womöglich neuen, Organisation müsste im Rahmen eines gut durchdachten Konzepts entwickelt werden. Für den Moment arbeiten wir beim FC Bayern bestmöglich mit dem DFB zusammen, der für die Frauen-Bundesliga zuständig ist. Dass in vielen Punkten Handlungsbedarf besteht, ist allen Beteiligten nach wie vor bewusst.

Sie haben zuletzt den Dialog zu Fans gesucht. Was für ein Standing hat der Frauenfußball bei den Bayern-Anhängern?

Viele unserer Fans hegen große Sympathien für unsere Frauenmannschaft. Das hat man nicht zuletzt im Frühjahr gesehen, als 13.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zum Champions League-Spiel gegen Paris St. Germain in die Allianz Arena gekommen sind. Ich freue mich auch jetzt schon sehr auf das Rückspiel in der Champions League-Qualifikation am Donnerstag gegen Real Sociedad, bei dem ich auf der Tribüne des FC Bayern Campus die Daumen drücken werde. Unser Club arbeitet täglich daran, das generelle Fanerlebnis auch bei regulären Frauen-Bundesliga-Spielen zu steigern. Eine Neuerung aus jüngerer Vergangenheit ist etwa die Einführung des digitalen Ticketings, und wir entwickeln kontinuierlich weitere Maßnahmen der Professionalisierung, um den Fans weiterhin attraktiven und erfolgreichen Frauenfußball zu bieten. Unser Ziel ist ganz klar, dass wir uns national wie international in der Spitze etablieren.

Interview: Hanna Raif

Aufrufe: 023.9.2022, 05:51 Uhr
Hanna ReifAutor