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Frauenfußball-EM 2029: Das wünschen sich Trainer im Amateurfußball

„Klare und langfristige Maßnahmen“

von Benedikt Hub · 10.12.2025, 09:23 Uhr · 0 Leser
„Starke Vorbilder motivieren“: Für Lea Paulus (l.), Kapitänin des TSV Otterfing, sollte Frauenfußball auf allen Ebenen gleich behandelt werde – vor allem in kleineren Vereinen.
„Starke Vorbilder motivieren“: Für Lea Paulus (l.), Kapitänin des TSV Otterfing, sollte Frauenfußball auf allen Ebenen gleich behandelt werde – vor allem in kleineren Vereinen. – Foto: Christian Scholle

Die Frauenfußball-EM 2029 soll den Sport im Landkreis voranbringen. Doch Trainer und Spielerinnen erwarten mehr als nur ein Turnier.

Durch die erfolgreiche Werbekampagne „WE’29 – Together We Rise“ und einem 2500 Seiten starken Konzept des DFB steht Deutschland als Gastgeberland für die Frauenfußball-EM 2029 fest. Nach der stimmungsvollen Europameisterschaft der Männer 2024 wird somit auch der wichtigste europäische Wettbewerb der Frauen in den deutschen Stadien ausgetragen.

„Wir sind absolut überzeugt, dass das Turnier in Deutschland mehr als eine Millionen Fans anziehen und die UEFA erstmals mit einer Frauen-Europameisterschaft einen finanziellen Gewinn erzielen wird“, erklärt DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Doch abgesehen von den schwarzen Zahlen der UEFA, erhoffen sich die Frauenfußball-Experten aus dem Landkreis auch einen erkennbaren Mehrwert für den Breitensport, wie unsere Umfrage ergeben hat.

Fußballvereine profitieren von der Frauen-Europameisterschaft

Für Kathrin Sprenger, Trainerin der Frauenmannschaft des FC Real Kreuth, ist die EM eine große Chance: „Es braucht eine klare Gleichbehandlung von Frauen- und Männerfußball – in den großen Medien ebenso wie im regionalen Sportjournalismus und in unseren lokalen Vereinen. Wenn Frauen- und Männerfußball in der Zeit vor, während und nach der EM immer wieder gemeinsam erwähnt und sichtbar gemacht werden, kann das eine nachhaltige Wirkung entfalten.“ Deshalb hoffe man beim FC Real Kreuth, „dass wir dadurch auch mehr junge Spielerinnen erreichen und die Einstiegshürden senken können. Denn oft fehlt es nicht an Interesse, sondern an Sichtbarkeit und Vorbildern direkt vor Ort.“

Ähnlich sieht es Lea Paulus, Kapitänin beim TSV Otterfing. „Wenn der Frauenfußball bundesweit im Mittelpunkt steht, profitieren auch wir im Amateurbereich davon“, stellt sie fest. „Es stehen so viele starke Vorbilder auf dem Platz, die im TV oder live im Stadion zu sehen sind. Das motiviert Mädchen, mit junge Fußball anzufangen.“

Trainer erhoffen sich „klare und langfristige Maßnahmen“

Hansjörg Hotz, Trainer U17-Juniorinnen bei der SG Tegernseer Tal, sieht es ähnlich: „Wenn die Fans die Top-Spiele direkt vor der Haustüre sehen, packt viele einfach die Begeisterung – und das merken wir auch im Landkreis. Mehr Mädchen trauen sich, Fußball auszuprobieren, und die Vereine bekommen einen Zulauf.“

Doch wenn es nach Sprenger geht, reicht die EM alleine nicht. „Spiele müssen im TV, im Stream, aber auch in Sportlokalen übertragen werden“, betont die Trainerin. „Public Viewings – so selbstverständlich wie bei den Männern – wären ein wichtiges Signal. Organisiert vom DFB oder vom BFV.“

Zudem braucht es laut Sprenger von DFB und seinen Landesverbänden wie dem BFV „klare und langfristige Maßnahmen“, die den Frauenfußball auf allen Ebenen stärken sollen. „Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, mehr Förderung im Nachwuchsbereich und eine konsequente mediale Präsenz.“

Frauen-Europameisterschaft kann den Mädchenfußball bewegen

Für Lea Paulus muss sich auch an Einstellung und Haltung etwas ändern. „Wir erhoffen uns, dass der Frauenfußball durch die EM die gleiche Wertschätzung erhält wie der Männerfußball“, erklärt die Spielerin. „Es geht nicht um Konkurrenz, sondern darum, dass Frauenfußball auf allen Ebenen gleich behandelt werden sollte – vor allem in den kleineren Vereinen.“ Faire Trainingsbedingungen, gute Ausstattung und echte Unterstützung sollten aus ihrer Sicht der Standard sein. „Vom DFB erwarten wir, diese Themen nachhaltig voranzubringen.“

Generell berichten alle drei Befragten von einem seit Jahren anhalten Auswärtstrend, der sich in der Personalsituation der lokalen Vereine bereits sichtbar geworden ist. Die positive Grundstimmung, die erfahrungsgemäß bei einer EM entsteht, sei dazu eine optimale Möglichkeit, noch mehr Frauen und Mädchen an den Fußball heranzuführen.

Was auch Hotz bestätigt: „Ich denke, dass die EM ein echter Meilenstein sein kann. Man sieht jetzt schon: mehr Medienberichte, mehr Zuschauer, mehr Anerkennung. Wenn man das jetzt clever weiterführt – gute Werbung, starke Vorbilder, stabile Strukturen –, dann kann das richtig was bewegen.“