
Der VfR Warbeyen hat die Chance verpasst, gegen Turbine Potsdam für einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Zweiten Bundesliga der Frauen zu sorgen. Trotz eines engagierten Beginns zerfiel das Tabellen-Schlusslicht im Kellerduell nach der Pause in seine Einzelteile. Am Ende stand eine durch den Leistungsabfall in Halbzeit zwei auch in der Höhe verdiente 0:6 (0:1)-Heimniederlage zu Buche. Aber wie konnte es nur dazu kommen?
Gegen den Traditionsverein aus Brandenburg war der VfR Warbeyen zunächst besser in die Partie gekommen. Unter der Regie von Co-Trainer Patrick Braun versuchten die Gastgeberinnen das gegnerische Aufbauspiel bereits früh zu unterbinden. Coach Sandro Scuderi hatte sich im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg II (0:6) kurz vor Schluss eine Rote Karte eingehandelt und saß am Sonntag das zweite Spiel seiner Sperre ab.
Von der Tribüne aus sah der Warbeyener Trainer zwischen 420 weiteren Zuschauern, wie sein Team in der Anfangsphase nach Ballgewinnen zielstrebig auf das Potsdamer Tor zuspielte. Beinahe wäre eine der vielen Pressing-Aktionen auch von Erfolg gekrönt gewesen. In der siebten Minute luchste Rahel Lang ihrer Gegenspielerin den Ball ab und befand sich plötzlich frei vor dem gegnerischen Tor. Ihr Abschluss fiel jedoch etwas zu überhastet aus, sodass Silia Plöchinger im Tor der Gäste den Ball zur Seite parieren konnte.
Im Verlauf der ersten Halbzeit kamen die „Turbinen“, für die nach der Entlassung von Kurt Russ Co-Trainer Patrick Ritzinger interimsweise übernommen hatte, immer besser in die Partie. In der 28. Minute verzog Alina Gnädig bei einer Flanke noch freistehend am zweiten Pfosten. Kurz vor der Halbzeitpause war Cilly Plaßmann, die ihr zweites Pflichtspiel im Warbeyener Tor absolvierte, dann doch geschlagen. Nach einem hohen Ballgewinn hatte Amani Mahmoud rechts im Sechzehner keine Mühe, flach einzuschieben (42.).
Nach dem Seitenwechsel verfiel der VfR Warbeyen dann wieder in altbekannte Muster. Innerhalb kürzester Zeit gaben die Gastgeberinnen das Spiel komplett aus der Hand.
Einen zu kurz geklärten Freistoß brachte Mahmoud im Nachsetzen im Tor unter (47.). Kurz darauf stellte Alina Gnädig freistehend auf 3:0 (50.). Ein Slapstick-Eigentor von Giulia Bauer (55.) und ein Treffer von Rana Okuma (60.) zogen dem VfR endgültig den Stecker. In der 83. Minute zeigte Gnädig vor frei vor dem Tor keine Gnade und machte das halbe Dutzend voll.
Der VfR Warbeyen wirkte nach dem Seitenwechsel mut- und kraftlos und brachte seinerseits keinen nennenswerten Torabschluss mehr zustande. Co-Trainer Patrick Braun sprach im Anschluss von „ganz verschiedenen“ Halbzeiten. „Vor der Pause haben wir genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir wollten den Gegner ärgern, früh unter Druck setzen und nicht ins Spiel kommen lassen. Leider haben wir in der zweiten Halbzeit ein ganz anderes Bild abgegeben“, sagte Braun.
Mit Blick auf die Tabelle sieht es für den VfR Warbeyen düster aus. Die Gäste aus Potsdam verließen durch den Auswärtssieg die Abstiegsränge und haben elf Punkte auf dem Konto. Vom rettenden Ufer trennen den VfR Warbeyen somit bereits acht Zähler. Am kommenden Samstag, 14 Uhr, ist der VfR beim Tabellenvierten SG Andernach zu Gast.