Von der B-Klasse bis zur Bundesliga: Irrationale Trainerentscheidungen begegnen einem immer wieder mal.	Archivfotos: dpa (2), fupa, Christine Dirogo
Von der B-Klasse bis zur Bundesliga: Irrationale Trainerentscheidungen begegnen einem immer wieder mal. Archivfotos: dpa (2), fupa, Christine Dirogo

Franz Graber: In bester Gesellschaft

Entlassung des Trainers von Nibelungen Worms als Trainer ähnelt den Schicksalen von Jörn Andersen und Marco Antwerpen

Mainz. Für die Öffentlichkeit unverständliche Trainerentscheidungen, wie sie Nibelungen Worms Anfang der Woche im Fall von Meistertrainer Franz Graber fällte, sind selten, aber doch nicht ganz ungewöhnlich. Im Profibereich erwischte es Jörn Andersson (2009), von dem sich Mainz 05 nach dem Aufstieg noch vorm ersten Spieltag in der Bundesliga trennte. Mutig war auch die Entscheidung des 1. FC Kaiserslautern Ende der zurückliegenden Saison, Marco Antwerpen vor dem ersten Aufstiegsspiel zur Zweiten Liga zu entlassen. Etwas anders gelagert ist der Fall von Matthias Baus. Er gab dem VfL Sponheim eine Woche vor Saisonbeginn einen Korb – auch, ohne seine Entscheidung detailliert öffentlich zu erklären.

Graber nach 51 Punkten in 17 Spielen entlassen

Vergangenen Sonntag schien die Welt noch in bester Ordnung. Nibelungen Worms, Aufsteiger, hatte gerade 4:1 bei der SG Schornsheim/Undenheim gewonnen. Zwei Tage später dann das Beben: Der A-Klassist hat seinen Trainer Franz Graber entlassen. Der Mann, der das Team vom Holzhof in der B-Klasse zum Meister gemacht hatte. Der Mann, der mit seiner Mannschaft 17 Punktspiele hintereinander siegreich gestaltet hatte. Der Mann, mit dem die Nibelungen ihre hehren Pläne verwirklichen wollten. Nämlich so schnell wie möglich in die Landesliga aufsteigen. Warum man sich trennte: Franz Graber und der Verein verstecken den Grund hinter Plattitüden. „Einvernehmlich“, „es ist nicht vorgefallen“ und man wolle „keine schmutzige Wäsche waschen“. Mit Rico Renner ist der Nachfolger schon gefunden. Er war Cotrainer unter Franz Graber.

Andersen muss als Aufstiegstrainer gehen

Beim FSV Mainz 05 trat Jörn Andersen in Trainer-Fußstapfen, wie sie größer kaum sein könnten. Er wurde im Sommer 2008 Nachfolger des späteren Welttrainers Jürgen Klopp, der die 05er aus dem Zweitliga-Tabellenkeller erstmals in die Bundesliga geführt hatte, der aber zurückgetreten war, nachdem er dem Abstieg nicht den direkten Wiederaufstieg folgen ließ. Nun sollte Andersen die 05er ins Oberhaus zurückführen. Und das gelang dem früheren Bundesliga-Torschützenkönig. Die Mainzer feierten am letzten Spieltag der Saison 2008/09 durch ein 4:0 gegen RW Oberhausen den Aufstieg und die Fans ließen Trainer Andersen hochleben. Sein erstes Spiel als Bundesliga-Trainer erlebte der Norweger dann aber überraschend nicht mehr bei Mainz 05. Eine Woche vor dem Bundesligastart verloren die 05er im DFB-Pokal 1:2 nach Verlängerung bei Außenseiter Lübeck– und Andersen wenige Tage später überraschend seinen Job. Dem Vorstand um Manager Christian Heidel fehlte das Vertrauen, dass Andersen das Team zum Klassenverbleib führen könne. Diese Aufgabe übernahm dann höchst erfolgreich der damalige U 19-Trainer der Mainzer: Thomas Tuchel.

Marco Antwerpen darf retten, aber nicht aufsteigen

Zwei Tage wütete bereits ein heftiger Shitstorm in den Sozialen Medien, ehe es Thomas Hengen, Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, offiziell verkündete. Marco Antwerpen, bis zu diesem Zeitpunkt Trainer der Roten Teufel, musste unmittelbar vor den Relegationsspielen zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga gehen. Hengen nannte es eine „unpopuläre Entscheidung“, viele Fans und auch ein paar Vereinsvertreter reagierten mit Unverständnis oder Wut. Antwerpen hatte den FCK wenig mehr als ein Jahr zuvor im Abstiegskampf übernommen, vor dem Fall in die Regionalliga gerettet und in dann in der neuen Saison eben in die Relegation geführt. Sportlich ein Quantensprung, auch wenn der Trainer menschlich oft auf und neben dem Platz aneckte. Dennoch: Hengen behielt recht, Antwerpen-Nachfolger Dirk Schuster schaffte den Aufstieg und spielt mit dem FCK bislang eine solide Zweitliga-Saison.

Matthias Baus macht Woche vorm Saisonstart Schluss

Eine Woche vorm Start dieser Saison überraschte Matthias Baus Team und Verein, indem er kündigte. Der VfL Sponheim, ein Bad Kreuznacher B-Ligist, stand plötzlich ohne Trainer da. Wenigstens begründete Baus seinen Schritt. Der 52-Jährige habe nicht den Eindruck gehabt, dass „alle an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen“. Der Klub bedauerte die Entscheidung von Baus, tröstete sich mit den Worten, dass „leider nicht alles so gepasst habe, wie man sich das erhoffte“. Für Baus wurde Ersatz gefunden, derzeit rangiert der VfL Sponheim im Mittelfeld.



Aufrufe: 020.9.2022, 06:00 Uhr
Tommy Rhein, Bardo Rudolf und Claus RosenbergAutor