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Fortuna ruft gegen sexuelle Belästigung auf – Social-Media-Accounts laufen über

Im Rahmen einer neuen „Fortuna-für-alle“-Partnerschaft will der Zweitligist aktiv gegen sexuelle Belästigung vorgehen. Mit seinem Aufruf und einem dazugehörigen Videoclip trifft er im Internet einen Nerv. Die Kritik ist groß, der Zuspruch aber noch größer

von Tobias Dinkelborg · 05.04.2026, 15:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Diverse

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Einen kausalen Zusammenhang gibt es offenbar nicht, einen zeitlichen sehr wohl: Anderthalb Wochen, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes im „Spiegel“ wegen sexualisierter Gewalt mit digitalen Mitteln schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, für den die Unschuldsvermutung gilt, erhoben hat, ruft Zweitligist Fortuna dazu auf, aktiv gegen sexuelle Belästigung vorzugehen.

Im Rahmen von „Fortuna für alle“ ist der Klub dazu eine neue Partnerschaft mit dem Kosmetikhersteller L’Oréal eingegangen und will Prävention, Aufklärung und Zivilcourage fest in seinem Stadion verankern.

Die Düsseldorfer beteiligen sich an der internationalen und vom Kosmetikkonzern ins Leben gerufenen Initiative „Stand Up – gegen Belästigung in der Öffentlichkeit“, wollen darüber Mitarbeiter, Volunteers, Ordnungsdienste sowie Fanvertreter schulen und kostenlose Online-Trainings für Fans anbieten. Weitere konkrete Maßnahmen sollen rund um das „Fortuna-für-alle“-Spiel gegen Holstein Kiel am Freitag nach Ostern sichtbar werden.

„Sexuelle Belästigung im Fußballstadion ist kein Randphänomen. Viele – insbesondere weibliche – Fans erleben sie regelmäßig“, sagt Judith Otterbach, die Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung des Zweitligisten. „,Fortuna für alle’ bedeutet daher für uns: null Toleranz für sexuelle Belästigung – und volle Solidarität mit den Betroffenen.“ Die neue Partnerschaft helfe dabei, „diese Positionierung weiter mit Leben zu füllen, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und zu zeigen, welche Wege es gibt, sich auf die Seite der Betroffenen zu stellen“. Im Internet hat der Klub mit seinem Aufruf und dem dazugehörigen Videoclip einen Nerv getroffen.

Diskussionen über Kampagne

Sowohl auf Facebook als auch auf Instagram und X quollen die Kommentarspalten geradezu über: mit zweifelhaften Reaktionen von Personen, die sich über die Kampagne empörten – aber vor allem mit großem, vereinsübergreifendem Zuspruch und noch größerer Empörung über die Empörten. Auf allen drei Plattformen zusammen drückten bis Dienstagmittag rund 12.000 Personen den „Gefällt-mir“-Button, etwa 1000 Mal wurde der Beitrag geteilt – und ungefähr 1200 Mal kommentiert. Letzteres mitunter auch kritisch: Einige Nutzer warfen Fortuna unter anderem vor, auf „mediengemachten Schwachsinn“ aufzusteigen, mit dem „Mainstream“ mitzuschwimmen oder Politik zu machen, während es sportlich nicht läuft.

Dazu schrieb der Klub in einem eigenen Facebook-Kommentar: „Wir lassen das hier bewusst einmal so stehen. Sexuelle Belästigung ist Realität – auch im öffentlichen Raum und auch im Fußballumfeld. Dass das Thema hier von einigen ins Lächerliche gezogen wird, bestätigt leider genau, warum Aufklärung und Haltung notwendig sind. Für uns gilt: ,Fortuna für alle’ bedeutet, dass sich jede Person im Stadion sicher fühlen soll. Daran arbeiten wir – gemeinsam mit starken Partnern – ganz bewusst. Wer das kritisch sieht, darf das tun. Unsere Haltung dazu ist jedoch eindeutig.“