
Am 28. Spieltag der Sachsenliga steht für den VfB Fortuna Chemnitz eine Reise an, die sowohl geografisch als auch sportlich einen tiefen Einschnitt markiert. Wenn am kommenden Samstag um 14:00 Uhr die Partie gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf angepfiffen wird, treten die Chemnitzer die weiteste Auswärtsfahrt der Saison an. Es ist zugleich eine Reise in dem Bewusstsein, dass der sportliche Abstieg in die Landesklasse nach einer bitteren Spielzeit unumstößlich feststeht. Mit lediglich 13 Punkten aus 27 Partien und einem Torverhältnis von 29:79 rangiert die Fortuna abgeschlagen auf dem vorletzten Tabellenplatz – das rettende Ufer ist mathematisch außer Reichweite.
Die Vorzeichen für das Gastspiel beim ambitionierten Tabellenfünften aus der Oberlausitz könnten kaum komplizierter sein. Neben der sportlichen Bedeutungslosigkeit für das Gesamtklassement erschweren akute personelle Engpässe die Planungen des Chemnitzer Trainerstabs um Rocco Dittrich. Der Coach blickt den Gegebenheiten dennoch mit Gelassenheit und professionellem Pragmatismus entgegen. „Personell sieht es nicht grade gut aus!“, bilanziert Dittrich die Lage im Kader nüchtern. Anstatt mit dem Schicksal zu hadern, fordert er von seiner Mannschaft einen würdevollen Umgang mit der verbleibenden Spielzeit in Sachsens höchster Liga: „Aber wir werden das längste Auswärtsspiel genießen und uns in der Oberlausitz ordentlich verabschieden und unser Mannschaftsziel was wir uns gesetzt haben, versuchen umzusetzen.“ Welche internen Vorgaben sich die Mannschaft für den Saisonendspurt genau auferlegt hat, bleibt zwar ein Kabinengeheimnis, die Prämisse des sportlichen Anstands steht jedoch über allem.
Dass die Fortuna auch in schwierigen Phasen konkurrenzfähig sein kann, bewies sie am vergangenen Spieltag im Heimspiel gegen den Reichenbacher FC. In einer packenden Begegnung ging Chemnitz durch Chris Meier (14.) und Luca Fröhlich (53.) gleich zweimal in Führung, stand am Ende beim 2:3 nach einem späten Gegentreffer in der 90. Minute durch David Günnel jedoch wieder mit leeren Händen da. Es war ein Spiel, das wie ein Mikrokosmos der gesamten Saison wirkte: Viel Aufwand, phasenweise ansehnlicher Fußball, doch im entscheidenden Moment fehlte die Konstanz.
Der kommende Gegner aus Neugersdorf reist indes mit einer kleinen Delle im Selbstbewusstsein an. Die Mannschaft von Trainer Stefan Richter kam zuletzt beim Tabellenletzten VfL Pirna-Copitz nicht über ein enttäuschendes 2:2-Unentschieden hinaus. Auch das Hinspiel zwischen Chemnitz und Neugersdorf verlief äußerst eng. Damals entführten die Oberlausitzer durch ein einziges Tor von David Halbich in der 45. Minute denkbar knapp mit 1:0 die drei Punkte. Für Fortuna Chemnitz bietet das Rückspiel nun die Gelegenheit, sich ohne den ganz großen tabellarischen Druck zu präsentieren und zu beweisen, dass die Mannschaft intakt ist, um die weite Heimreise erhobenen Hauptes antreten zu können.