– Foto: 1. SC 1911 Heiligenstadt

Jetzt ist Weitsicht gefragt

Die Meinung von Lennart Albers zum Saisonabbruch und weiterem Umgang im Amateurfußball

Der Niedersächsische Fußballverband hat die Saison abgebrochen und annulliert. Eine richtige Entscheidung meint Lennart Albers (FuPa Weser-Ems). Die wirklich wichtigen Fragen kommen jetzt aber erst auf den Tisch. Ein Kommentar:

Spätestens seit Mitte März wurde dem NFV vorgeworfen, er würde sich der Realität verstellen und sollte die Saison besser jetzt als später abbrechen. Dabei hat der NFV-Vorstand richtig gehandelt: Ein Saisonabbruch und Annullierung muss das allerletzte Mittel sein, dass nur bei absoluter Ausweglosigkeit gezogen werden darf. Lange mit einer solchen Entscheidung abzuwarten und sich nicht so schnell dem Druck zu beugen, war deshalb genau der richtige Weg – wie auch die Abbruch-Entscheidung an sich – unter Einbezug des Meinungsbildes der Vereine – genau richtig ist.

Offen bleibt nur noch die Frage mit den Pokalwettbewerben. Hier hat sich im letzten Jahr ein Elfmeterschießen als launige Veranstaltung bewiesen, die sich unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen gut bewältigen lässt. Der NFV-Pokal hingegen soll möglichst noch sportlich beenden werden. Auch das ist richtig, weil es hier um die Teilnahme am DFB-Pokal geht und damit auch um eine sechsstellige Summe Geld. Ein richtiger sportlicher Wettbewerb muss hier die Entscheidung bringen, kein Losentscheid oder Elfmeterturnier.

Und wie geht es dann im nächsten Jahr weiter? Das wird die bestimmende Frage in den nächsten Wochen. Der NFV sollte hier Weitsicht beweisen und vorsichtig planen. Niemand weiß, ob die Saison im August oder September starten kann. Ebenso weiß niemand, ob die Impfungen bis dahin so erfolgreich sind, dass es keine Quarantäne-Fälle in Teams mehr gibt. Zudem ist nach über einem halben Jahr kompletter Pause wohl eine lange Vorbereitung nötig.

Große Ligen wie die Landesliga in regionalen Nord/Süd-Staffeln spielen zu lassen oder bei Bezirks- und Kreisligen bei einer einfachen Runde mit weniger Spielen zu bleiben, sollte deshalb auch noch einmal das Mittel der Wahl sein. Es würde Druck aus dem Terminplan nehmen, man könnte den Saisonstart dann auch noch etwas nach hinten verschieben. Denn wer jetzt glaubt, dass ab August im Amateurfußball alles wieder komplett normal ist, der muss sich womöglich in einem Jahr wieder mit einer Debatte beschäftigen, wie die Saison gewertet werden soll, weil das Tabellenbild zu sehr verzerrt ist.

Der Fokus sollte kurzfristig erstmal darauf liegen, wieder zurück auf den Platz zu kommen. Hier müssen in den nächsten Wochen endlich Lösungen von der Politik her, sodass zumindest Training auf Abstand in Kleingruppen erlaubt ist. Gerade die Jugend droht dem Fußball ansonsten verloren zu gehen: Und das ist eine noch viel wichtigere Frage, als Saisonabbruch oder Fortsetzung.

1940 Aufrufe1.4.2021, 12:00 Uhr
Lennart AlbersAutor

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