NRW-Städ­te hof­fen auf Plus­punk­te bei UEFA

Die vier Fuß­ball­stand­or­te rich­te­ten spon­tan das Fi­nal­tur­nier der Eu­ro­pa Le­ague aus – vor al­lem für das ei­ge­ne Image.

Als der Deut­sche Fuß­ball-Bund bei ei­ni­gen NRW-Städ­ten mit gro­ßen Fuß­ball­sta­di­en an­frag­te, ob sie be­reit wä­ren, das von der Ue­fa ge­plan­te Fi­nal­tur­nier der Eu­ro­pa Le­ague aus­zu­tra­gen und bin­nen we­ni­ger Wo­chen zu or­ga­ni­sie­ren, zö­ger­te man in Köln, Düs­sel­dorf, Duis­burg und Gel­sen­kir­chen nicht lan­ge.

Al­le vier Stand­or­te sa­hen vor al­lem Vor­tei­le in dem un­ver­hoff­ten Fuß­ball-Er­eig­nis mit Spit­zen­teams aus ganz Eu­ro­pa. Hy­gie­ne­kon­zep­te in den Sta­di­en wa­ren be­reits durch die Bun­des­li­ga­spie­le er­probt, die Are­nen stan­den we­gen der vie­len Ab­sa­gen von Events auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie oh­ne­hin leer.

Vor al­lem Düs­sel­dorf und Köln, die sich je­weils ger­ne „Sport­stadt“ nen­nen und sich als sol­che wei­ter eta­blie­ren möch­ten, er­hoff­ten sich von den Auf­trit­ten von In­ter Mai­land, dem FC Se­vil­la oder Man­ches­ter United ei­nen Wer­be­ef­fekt und Ein­nah­men für die Stadt. Auch Duis­burg sieht sich als Aus­rich­ter von in­ter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben wie Ka­nu­welt­meis­ter­schaf­ten oder World Ga­mes als Sport­stadt und nutzt sport­li­che Groß­ver­an­stal­tun­gen als Mar­ke­ting für das Stadt-Image. Und dem in fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge ge­ra­te­ne FC Scha­ke 04 lag viel dar­an, die Vel­tins Are­na, de­ren Ei­gen­tü­mer in dem Fall der Ver­ein selbst ist, an die Ue­fa zu ver­mie­ten. Bei der Stadt Gel­sen­kir­chen stieß der Bun­des­li­gist auf of­fe­ne Oh­ren, und so stand den Spie­len oh­ne Zu­schau­ern nichts im Weg.

Was aber ist ge­blie­ben von dem Fi­nal­tur­nier? Hat sich der Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­wand für die Städ­te ge­lohnt? Ja, ist die Ant­wort von al­len vier Aus­rich­tern. Denn sie al­le ge­hen da­von aus, dass sie durch ih­ren spon­ta­nen Ein­satz bei der Ue­fa ge­punk­tet ha­ben. „Wenn die Ue­fa um Hil­fe bit­tet, man hel­fen kann und macht es dann auch gut, dann bleibt man beim Ver­band auch als Aus­tra­gungs­ort für an­de­re Groß­er­eig­nis­se in gu­ter Er­in­ne­rung“, sagt Mar­tin Schul­mann, Spre­cher der Stadt Gel­sen­kir­chen. Der Stadt und dem FC Schal­ke sei es vor al­lem dar­um ge­gan­gen, für sich als Stand­ort für gro­ße Tur­nie­re oder Fi­nal­spie­le Wer­bung zu ma­chen.

„Für Duis­burg wa­ren bei­de Spie­le der Eu­ro­pa-Le­ague-Fi­nal­run­de ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, den in­ter­na­tio­na­len Be­kannt­heits­grad als idea­ler Aus­tra­gungs­ort für Sport­ver­an­stal­tun­gen im Ruhr­ge­biet zu stei­gern“, sagt auch Duis­burgs Stadt­spre­cher Jörn Es­ser. Der MSV Duis­burg ha­be der Stadt zu­rück­ge­mel­det, dass die Ue­fa den Ver­ein für „das pro­fes­sio­nel­le und gleich­zei­tig herz­li­che Auf­tre­ten“ ge­lobt ha­be. Auch in Düs­sel­dorf geht man da­von aus, dass man beim eu­ro­päi­schen Fuß­ball­ver­band Plus­punk­te ge­macht hat: „Als Aus­tra­gungs­ort der Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2024 konn­te Düs­sel­dorf den Be­weis an­tre­ten, dass in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­teams wie In­ter Mai­land, AS Rom oder FC Se­vil­la selbst kurz­fris­tig in Düs­sel­dorf her­vor­ra­gen­de Be­din­gun­gen für ih­re Spie­le vor­fin­den und sich in der Stadt ein­fach wohl­füh­len“, sagt Frank Schra­der, Ge­schäfts­füh­rer von Düs­sel­dorf Mar­ke­ting und Düs­sel­dorf Tou­ris­mus. In Köln freu­te man sich vor al­lem dar­über, erst­mals Gast­ge­ber ei­nes Eu­ro­pa­po­kal-End­spiels ge­we­sen zu sein. „Mit Blick auf die Eu­ro 2024 ist die­ser klei­ne Test­lauf si­cher ei­ne gu­te Chan­ce, die Pro­fes­sio­na­li­tät Kölns un­ter Be­weis zu stel­len“, sagt Ni­co­le Trum, Spre­che­rin der Stadt Köln.

Der Wer­be­ef­fekt, den die Eu­ro­pa Le­ague für die Städ­te hat­te, wird in­des sehr un­ter­schied­lich be­wer­tet. Die Städ­te Gel­sen­kir­chen und Duib­surg schät­zen ihn als eher ge­ring ein. Da kei­ne Fans in die Sta­di­en durf­ten und auch nicht mit­ge­reist sind, ha­be man die Stadt an sich bei den TV-Über­tra­gun­gen kaum wahr­ge­nom­men, sagt der Gel­sen­kir­che­ner Stadt­spre­cher. Die Stadt Duis­burg sieht das ähn­lich. Auch dort hät­te man ein sol­ches Event ger­ne ge­nutzt, um mit­ge­reis­ten Fans zu zei­gen, was die Stadt zu bie­ten ha­be. So et­was ste­he aber auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie der­zeit nicht im Vor­der­grund.

In Köln geht man hin­ge­gen da­von aus, dass die Spie­le der Stadt ei­ne ho­he me­dia­le Auf­merk­sam­keit mit ei­nem Mil­lio­nen-Pu­bli­kum am TV ge­bracht hat. „Das ist ein Image­ge­winn und be­stä­tigt den gu­ten Ruf der Sport­stadt Köln“, sagt Trum. Weil Fans dies­mal eben nicht die Städ­te er­kun­den konn­ten, hat man sich in Düs­sel­dorf auf die Fuß­ball­teams kon­zen­triert. Für den spä­te­ren Eu­ro­pa-Le­ague-Sie­ger Se­vil­la hat­te man ei­ne Rhein­schiff­fahrt or­ga­ni­siert. Die Tour des Teams wur­de im Vi­deo fest­ge­hal­ten. Zehn­tau­sen­den Än­hän­gern des Teams ge­fiel das Vi­deo bei Ins­ta­gram und Twit­ter. „Ins­be­son­de­re, weil zu dem Tur­nier kei­ne Fans zu­ge­las­sen wa­ren, sind die Teams zu den zen­tra­len Bot­schaf­tern für un­se­re Stadt avan­ciert“, sagt Düs­sel­dorfs Mar­ke­ting-Ge­schäfts­füh­rer und zieht ei­ne sehr po­si­ti­ve Bi­lanz des Fi­nal­tur­niers – auch wenn die Reich­wei­ten der Düs­sel­dorf-Bei­trä­ge der Ver­ei­ne im In­ter­net nicht „in Geld“ zu fas­sen sei­en.

Aufrufe: 028.8.2020, 10:30 Uhr
RP / Christian RentmeisterAutor

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