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Firmenich träumt vom nächsten Coup – Zülpich warnt vor Pokalfalle

von Luca Bartsch · 20.11.2025, 16:16 Uhr · 0 Leser
– Foto: Rocco Bartsch

Der dritte Akt des Bitburger Kreispokals im Kreis Euskirchen bringt ein Duell mit besonderer Note: Der SSC Firmenich, Aufsteiger in die Kreisliga B und bislang Überraschungsteam des Wettbewerbs, empfängt den Landesligadritten TuS Zülpich. Zwei Ligen, die normalerweise Welten trennen – doch der Pokal hat bereits gezeigt, dass Firmenich sich in dieser Rolle ausgesprochen wohlfühlt. Auch die zweite Top-Partie zwischen dem SV Frauenberg und der JSG Erft 01 verspricht reichlich Reizpunkte.

SSC Firmenich – TuS Zülpich

Im Fokus steht die Partie in Firmenich, wo der heimische SSC die nächste Sensation anpeilt. Nach Siegen gegen zwei A-Ligisten – darunter Titelverteidiger Flamersheim – geht die Mannschaft von Trainer Patrick Züll erneut als klarer Außenseiter ins Spiel. Doch gerade diese Rolle scheint dem Team zu liegen.

„Wahrscheinlich ist es die Unbekümmertheit“, sagt Züll über die starke Pokalform seiner Mannschaft. „Wir sind überall als Underdog reingegangen und haben uns in jedes Spiel reingekämpft. Gegen Teams, die von hinten raus Fußball spielen wollen, kommen wir oft besser klar – vielleicht ist das einer der Gründe.“

Dass seine Mannschaft gegen höherklassige Gegner oft besser aussieht als gegen Kellerkinder der Liga, könne man schwer erklären. Fest steht für Züll aber eines: „Wir gehen mit einem gesunden Einsatzwillen rein, wissen, was wir können – und dass unser Platz ein Vorteil sein kann.“

Die Rollen sind klar verteilt, daran lässt Züll keinen Zweifel: „Wir sind der Underdog, die beste Mannschaft im Kreis kommt zu uns. Aber die Jungs sollen das genießen. Diese Spiele kriegt man nicht alle paar Jahre.“

Taktische Details verrät er bewusst nicht: „Wir wollen nicht nur den Bus parken, aber natürlich defensiv kompakt stehen und mit Nadelstichen wehtun.“ Zum Gegner sagt er: „Ich glaube nicht, dass Zülpich diesmal mit halber Kraft kommt wie vielleicht in Nöthen. Da erwarte ich richtig Feuer.“

Was es für eine Überraschung braucht? Züll bleibt realistisch – und humorvoll: „Entweder müssen die Autos der Zülpicher manipuliert werden oder Weihnachten und Ostern fallen auf einen Tag. Es braucht einen perfekten Tag, schlechte Chancenverwertung des Gegners und vielleicht einen Lucky Punch.“

Trotz aller Außenseiterattitüde: Ein Weiterkommen wäre für Firmenich enorm. Züll beschreibt eindrucksvoll, welchen Weg der Verein zuletzt gegangen ist – vom fast abgeschriebenen Klub bis zum aufstrebenden B-Ligisten: „Was hier in den letzten Jahren passiert ist, ist Wahnsinn. Ein Einzug in die nächste Runde wäre ein Riesenpush für den ganzen Verein.“

Auf der anderen Seite möchte der TuS Zülpich kein zweites Nöthen-Erlebnis riskieren. Trainer David Sasse wählt deutliche Worte, wenn es um die Bedeutung des Wettbewerbs geht: „Die Liga hat Priorität, aber wir wollen ins Halbfinale – ganz klar. Dafür müssen wir den Wettbewerb ernst nehmen.“ Seine Mannschaft soll nicht nur weiterkommen – sondern mit Anspruch auftreten.

Dass sein Team in der letzten Runde in Nöthen schwer ins Spiel fand, erklärt Sasse vollkommen offen: „Wir haben viel rotiert, da passieren Abstimmungsfehler.“ Am Ende habe der Landesligist trotz zweier Platzverweise völlig verdient gewonnen – aber Sasse macht klar, was die wichtigste Lehre daraus ist: „Wenn du denkst, du gehst da mit 75 Prozent durch, liegst du ganz schnell hinten. Das darf uns nicht noch einmal passieren.“

Auch für Firmenich hat der Zülpicher Coach nur respektvolle Worte übrig – und genau darin liegt auch sein Warnsignal: „Respekt verdient jeder Gegner. In Nöthen hat man gesehen, was passieren kann, wenn man meint, es gehe im Vorbeigehen. Rasen, Eifel, Kampf – all das erwartet uns wieder.“

Besondere taktische Finessen erwartet er dabei nicht vom Gegner – und braucht sie auch nicht: „Wir haben uns bewusst nicht explizit auf Firmenich vorbereitet. Wir konzentrieren uns auf uns.“ Dennoch weiß Sasse genau, was seine Mannschaft erwartet: „Wir werden viel den Ball haben und müssen geduldig sein. Firmenich wird tief stehen und auf Konter lauern.“

Dass der Favoritendruck auf dem TuS liegt, nimmt Sasse gelassen – als Verpflichtung, nicht als Belastung: „Wir sind die höchstspielende Mannschaft im Kreis, diesen Anspruch wollen wir erfüllen.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass sein Team derzeit in exzellenter Form und Verfassung ist – gerade weil die Situation in der Landesliga sehr positiv wirkt. „Aber Pokal ist Pokal“, sagt er und setzt den Fokus sofort wieder klar: „Am Ende geht es nur ums Weiterkommen.“

SV Frauenberg – JSG Erft 01

Auch in Frauenberg steht ein brisantes Duell an. Der Kreisliga-A-Klub empfängt die Bezirksliga-Mannschaft der JSG Erft 01 – und Trainer Marcel Timm sieht die Rollen klar verteilt: „Die Favoritenrolle geht ganz klar an Erft 01. Aber wir wissen, was wir können und werden uns nicht verstecken.“

Frauenbergs Stärken liegen laut Timm vor allem in Mentalität und Geschlossenheit: „Wir müssen unsere kämpferischen Tugenden hochhalten. Jeder muss an seine Maximalleistung gehen.“ Dazu kommt der Heimvorteil: „Wir spielen im ‚Loch‘, auf tiefem Rasen. Für Erft sicher ungewohnt.“

Welche Chancen er seinem Team ausrechnet? „Um eine Überraschung zu schaffen, muss an dem Tag alles stimmen. Unsere Schlüsselspieler müssen fit sein, wir müssen als Mannschaft funktionieren.“ Für Frauenberg sei ein solches Pokalspiel immer ein Highlight: „Der Pokal liegt oft der unterklassigen Mannschaft. Und bei uns erst recht.“

Für Timm persönlich ist der Wettbewerb ohnehin mehr als eine Nebensache: „Der Pokal ist eine tolle Ergänzung zur Liga. Man kann sich gegen stärkere Teams beweisen, der Verein profitiert, und der Weg in den Mittelrheinpokal ist ein großer Anreiz.“

Auf der Gegenseite betrachtet Christopher Kockerols das Spiel mit großem Respekt – und ohne überzogene Erwartungshaltung: „Wer nur auf die Ligazugehörigkeit schaut, mag uns als Favoriten sehen. Aber wer den Fußball im Kreis kennt, weiß: Ins ‚Loch‘ fährt niemand als klarer Favorit.“ Er erinnert daran, dass seine Mannschaft dort bereits Lehrgeld bezahlt hat.

Kockerols macht zudem deutlich, dass der SV Frauenberg nach dem Umbruch im Sommer keineswegs zu unterschätzen ist. Der SV habe „eine richtige Frischzellenkur bekommen“, betont er – und meint damit ausdrücklich den Gegner. „Frauenberg ist in der Breite stärker geworden und hat echte Qualität dazubekommen – wie Sinan Hannes oder die Kaisers. Und Marcel Timm weiß auch genau, was er tut.“ Entsprechend stellt er seine Mannschaft auf eine anspruchsvolle Aufgabe ein, bei der man „von Beginn an maximal seriös“ auftreten müsse.

Zum Charakter des Spiels sagt Kockerols: „Es geht um ‚Tod oder Gladiolen‘ – um Louis van Gaal zu zitieren. Beide Teams werden frei aufspielen, ein Ausscheiden ist kein Weltuntergang.“ Entscheidend werde am Ende sein, wer die zweiten Bälle besser kontrolliert: „Es wird viel Fußball gearbeitet werden müssen.“

Taktisch erwartet er keine radikalen Änderungen: „Man kann nur Nuancen anpassen. Auch wenn man sich verkleidet, bleibt die Identität dieselbe.“

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