
Gegen Ende unserer FuPa-Serie rückt ein Duo in den Fokus, das dem FC Memmingen in den vergangenen Jahren seinen Stempel aufgedrückt hat: Jakob „Jacky“ Gräser und Lukas Rietzler verkörpern wohl die DNA des Vereins wie kaum ein anderes Gespann. Seit dem Start der Saison 2024/25 teilen sich die beiden Defensivspezialisten das Kapitänsamt offiziell – eine Entscheidung, die beim FCM ganz bewusst getroffen wurde.
Dabei ergänzen sich die beiden Charaktere ideal: Während Lukas Rietzler als klassischer Sechser und emotionaler Antreiber der unumstrittene Anführer auf dem Platz ist, fungiert Jakob Gräser als das entscheidende Sprachrohr vor allem in der Kabine. „Wir besprechen dennoch alle wichtigen Themen gemeinsam“, betont Gräser, was die flache Hierarchie und das blinde Verständnis zwischen den beiden unterstreicht. Beide kennen den Verein seit vielen Jahren, sind durch die harte Schule der FCM-Jugend gegangen und haben sowohl Regionalliga- als auch Bayernliga-Zeiten an der Bodenseestraße geprägt.
Die laufende Spielzeit stellte das Duo jedoch auf eine harte Probe: Nach dem schweren Schlag für Lukas Rietzler, der sich im Juli einen Kreuzbandriss zuzog, musste „Jacky“ Gräser die Kapitänsbinde in der gesamten Hinrunde alleinverantwortlich tragen. In der Abwesenheit seines Partners war Gräser demnach nicht nur in der Kabine, sondern auch als defensiver Stabilisator auf dem Rasen mehr denn je gefordert.
Die Leidenszeit neigt sich nun jedoch dem Ende zu: Pünktlich zum Restart nach den Winterpause kehrt Rietzler zurück ins Team. "Lukas ist wieder fit und konnte die komplette Vorbereitung durchziehen", teilt Coach "Matthi" Günes auf Nachfrage mit. Somit ist das FCM-Kapitäns-Duo endlich wieder vereint, um die Mannschaft gemeinsam durch die entscheidenden Wochen der Saison zu führen.
Jacky, Lukas: Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?
Jakob: Ich bin mit der Hinrunde und vor allem mit der Art und Weise, wie wir in die Saison gestartet sind, sehr zufrieden. Wir holen unsere Punkte, wenn wir unsere Energie mit defensiver Kompaktheit und schnellem Umschaltspiel auf den Platz bekommen. Die vielen verletzten Spieler vor dem Winter haben uns zum Ende hin dann aber doch etwas wehgetan. Daher war die Ausbeute leider nicht mehr so, wie wir uns das vorgestellt haben..
Lukas: Als Aufsteiger stehen wir tabellarisch sehr solide da. Man sieht bei einigen Jungs eine tolle Entwicklung. Die Mannschaft hat geile Fights abgeliefert - und u.a. Haching zuhause geschlagen. Bis jetzt also: tipptopp!
Vorbild durch Leistung, kommunikativer Moderator, emotionaler Antreiber: Für welche Art von Führungsstil habt ihr euch entschieden - und warum?
Jakob: Meine Art voranzugehen, erfolgt zum einen über die Leistung. Das fängt beim Training an und hört beim Spiel auf. Die Ansprachen im Kreis oder zum Teil in der Kabine überlasse ich oft anderen, weil es da einfach Mitspieler gibt, die das besser können. Was die Kabine angeht, würde ich schon behaupten wollen, dass die Jungs zu mir kommen, wenn was ist, da ich mich aufgrund meiner langjährigen Laufbahn beim FCM mittlerweile dann doch sehr gut auskenne.
Lukas: Bei mir ist's eher eine Mischung aus den drei genannten Möglichkeiten - am ehesten will ich aber durch gelungene Aktionen auf dem Platz sowie eine gute Präsenz überzeugen.

Welche spezifische Aufgabe seht ihr auf dem Platz und in der Kabine als eure wichtigste an, um die Team-Moral und -Einheit zu gewährleisten und aufrecht zu erhalten?
Jakob: Auf dem Platz geht es mir positionsbedingt darum, Ruhe auszustrahlen und der jungen Mannschaft Sicherheit zu geben. Neben dem Platz Sorge ich dafür, dass sich jeder wohlfühlt - dazu gehören etwa auch Mannschaftsabende.
Lukas: Generell ist meiner Meinung nach eine gute Stimmung im Team sehr wichtig. Wenn jeder sich wohlfühlt, kann man auch bessere Leistungen bringen. Neben dem Platz und in der Kabine ist das ja nicht so schwer - vor allem bei uns im Team läuft das ohnehin super. Auf dem Platz gilt es, immer positiv zu denken, zu kommunizieren, anzutreiben.
Wie geht ihr mit Spielern um, die im Kader eher eine Nebenrolle spielen oder unzufrieden sind, um deren Engagement für die Mannschaft aufrechtzuerhalten?
Jakob: Ich suche den Kontakt vor allem auch mal außerhalb des Platzes - und horche allgemein in die Mannschaft hinein, ob es unzufriedene Spieler gibt, mit denen ich dann im Gespräch nach den Ursachen für diesen Zustand forsche. Ich habe bei diesem Verein von der Jugend an über die zweite Mannschaft bis zum aktuellen Stand alles mitgemacht - und versuche gerade den jüngeren Teamkameraden das Gefühl zu vermitteln, dass mit Leistung im Training die Spielchancen steigen.
Lukas: Bei mir ist das unterschiedlich - je nachdem, was für ein Spielertyp mir gegenübersteht und wie sich dessen Situation gerade gestaltet. Wichtig ist zu wissen, wie man denjenigen anpacken muss, damit er wieder Motivation und Lust findet, sich reinzuhängen.
Welchen Wert legt ihr auf die Erfahrung älterer Spieler im Kader? Und wie bindet ihr diese in eure Führungsarbeit ein?
Jakob: Ich bin sehr froh darüber, dass wir zwar über einen jungen Kader verfügen, aber auch über einen soliden Stamm an erfahrenen Kickern. Unser Austausch ist sehr gut - und gerade die Erfahrung von Lukas und David Bauer hilft dabei enorm.
Lukas: Ich gehöre ja bereits zur ältesten Riege im Team (lacht). Jacky Gräser füllt das Kapitänsamt genauso aus wie ich, auch David Bauer hat denselben Einfluss auf die Truppe. Dass wir diese Rollen auf mehre Schultern gut verteilen können, macht unser Team sehr geschlossen und einheitlich.

Wenn es darum geht, die Mannschaft nach einem Rückschlag (z. B. eine klare Niederlage oder eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung) wieder aufzurichten: Welche Mittel nutzt ihr? Welche sind euer Meinung nach am effektivsten?
Jakob: Ich bin ein Fan von "Mund abwischen, weitermachen". Klar müssen Fehler analysiert werden, aber am Montag geht es wieder bei Null los. Am effektivsten ist, nicht allzu viel Negativität in die Kabine gelangen zu lassen - und dass auch bei einer Niederlage am Montag drauf die Stimmung wieder einigermaßen locker ist. Im Training sollten dann aber alle wieder zeigen, um was es in der Regionalliga geht. Wenn dies nicht der Fall ist, wird der Ton auf dem Trainingsplatz auch mal etwas lauter - aber das gehört dazu.
Lukas: Mit dem Schiri diskutiere ich schon ganz gerne... (lacht). Spaß beiseite: Nach Niederlagen oder schlechten Phasen muss man einfach selbstkritisch sein, Dinge ansprechen und anfangen zu arbeiten. Das geht im Training wieder los - da gibt man dann in jeder Einheit wieder Vollgas und schaut, dass jeder mitzieht.
Was möchtet ihr am Ende eurer Amtszeit hinterlassen? Welches „Erbe“ ist euch wichtig?
Jakob: Für mich ist wichtig, dass wir es schaffen, wieder fester Bestandteil der Regionalliga zu bleiben. Ich war vor ein paar Jahren dabei, als wir das erste Mal abgestiegen sind - da fühlt man sich sehr schlecht, wenn man weiß, dass man daran mitschuld ist, dass der Verein nach zwölf Jahren eine Klasse tiefergeht. Für mich persönlich wäre es schön, wenn die Zuschauer und Vereinsmitglieder mich irgendwann als einen Spieler verabschieden, der dem Club immer treu war, der authentisch geblieben ist und stets seine Leistung auf den Platz gebracht hat.
Lukas: Dadurch, dass wir eine gute Jugendabteilung haben, stoßen auch immer wieder Jungs zu uns in die erste Mannschaft. Daher wär's cool, wenn die jungen Burschen sich für später einmal das ein oder andere von uns Älteren in Sachen Führungsstil abschauen, weil sie sich mit der Art und Weise gut identifizieren können.
Abschließend: Wo steht eure Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?
Jakob: Überm Strich! Wo genau, liegt dabei nur an uns. Den Grundstein haben wir in der Hinrunde gelegt. Jetzt heißt es: weitermachen!
Lukas: Ich sag auch: weit weg von der Abstiegszone, möglichst auf einem einstelligen Tabellenplatz. Das wäre nach den vergangenen aufgregenden Jahren, die durch Auf- und Abstiege gezeichnet waren, überaus erstrebenswert.
Dafür wünschen wir alles Gute! Danke für eure Zeit und Antworten.