2026-03-05T07:49:35.839Z

Interview

Fels in der Brandung (10): Tobias Dietrich: »Bin kein Sergio Ramos!«

Echte Leitwölfe und taktische Taktgeber: In der Serie "Fels in der Brandung" stellen wir die Kapitäne der Regionalliga vor, die als verlängerter Arm des Trainers für Stabilität und Führungsstärke stehen...

von Stephan Hörhammer · 06.02.2026, 08:27 Uhr · 0 Leser
Mit über 100 Regionalliga-Einsätzen für die Ansbacher verfügt Tobias Dietrich (Mitte) über die nötige Erfahrung, um auch in stürmischen Spielphasen die Richtung vorzugeben.
Mit über 100 Regionalliga-Einsätzen für die Ansbacher verfügt Tobias Dietrich (Mitte) über die nötige Erfahrung, um auch in stürmischen Spielphasen die Richtung vorzugeben. – Foto: Johannes Traub

Verlinkte Inhalte

präsentiert von
ZF BKK

Er ist kein Spieler der lauten Töne, sondern überzeugt durch seine Präsenz im defensiven Mittelfeld, wo er als Taktgeber und Stabilisator fungiert. Seine Bedeutung für den Verein unterstrich er im Juni 2025 mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2027, was in der Regionalliga ein starkes Signal der Loyalität darstellt. Der Sportliche Leiter Christoph Hasselmeier bezeichnet ihn treffend als absolute Identifikationsfigur, der „auf und neben dem Platz voran geht“.

Tobias Dietrich darf man wohl getrost als personifizierte Vereinstreue der SpVgg Ansbach bezeichnen. Der 29-jährige Mittelfeldmotor trägt bereits seit Juli 2017 das grün-weiße Trikot und hat in dieser Zeit den beeindruckenden Aufstieg der Nullneuner von der Bayernliga bis in das bayerische Oberhaus nicht nur miterlebt, sondern als zentraler Akteur mitgestaltet. In der aktuellen Saison 2025/26 führt er die Mannschaft als unangefochtener Kapitän aufs Feld und bildet zusammen mit Routiniers wie Heiko Schiefer und Eric Weeger die „zentrale Achse“, die dem Team die nötige Stabilität verleiht.

"Ich mach das auf meine eigene Art "

Tobias: Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?

Wenn ich an die bisherige Saison denke, würde ich wohl „eher unzufrieden“ ankreuzen. Auch wenn wir im Sommer einen kleinen Umbruch hatten, hätten wir ein paar Punkte mehr holen müssen. Es waren auch richtig gute Spiele dabei, wie zum Beispiel das Pokalspiel gegen Jahn Regensburg oder gegen Wacker Burghausen. Diese Partien haben gezeigt, welches Potenzial in der Truppe steckt.

Vorbild durch Leistung, kommunikativer Moderator, emotionaler Antreiber: Für welche Art von Führungsstil hast Du Dich entschieden und warum?

Von allem ein bisschen. Ich bin kein Sergio Ramos, der über den ganzen Platz schreit, aber auch kein stiller Anführer, der seinen Mund nicht aufmacht. Ich mach das auf meine eigene Art - und greife vor allem dann ein, wenn es die Mannschaft am meisten braucht, wie zum Beispiel in schwierigen Phasen.

Welche spezifische Aufgabe siehst Du als Kapitän auf dem Platz und in der Kabine als Deine wichtigste an, um die Team-Moral und -Einheit zu gewährleisten und aufrecht zu erhalten?

Neben dem Platz möchte ich ein offenes Ohr für jeden Spieler haben, damit sich alle wohlfühlen und mit einem guten Gefühl zum Training bzw. Spiel kommen. Ich schaue aber auch darauf, dass gewisse Sachen eingehalten werden, wie etwa der Kabinendienst, die Pünktlichkeit etc. Auf dem Platz möchte ich mit guter Leistung vorangehen und der Mannschaft mittels Kommunikation bestmöglich helfen.

"In unserer Mannschaft herrscht eine flache Hierarchie"

Wie gehst Du als Kapitän mit Spielern um, die im Kader eher eine Nebenrolle spielen oder unzufrieden sind, um deren Engagement für die Mannschaft aufrechtzuerhalten?

Das Wort „Nebenrolle“ würde ich in unserer Mannschaft gerne streichen. Jeder Spieler besitzt bei uns eine wichtige Rolle und trägt zum Erfolg des Teams bei. Natürlich gibt es immer mal wieder unzufriedene Kameraden, die ich mit kurzen Gesprächen aufzumuntern oder im Training zu pushen versuche.

Welchen Wert legst Du auf die Erfahrung älterer Spieler im Kader? Und wie bindest Du diese in Deine Führungsarbeit als Kapitän ein?

Das Alter sehe ich nicht als entscheidenden Faktor, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. In unserer Mannschaft herrscht eine flache Hierarchie, in der jeder Spieler gerne etwas sagen darf bzw. soll. Aber natürlich bespricht man die ein oder andere Sache eher mit Teammitgliedern, die bereits etwas länger dabei sind.

In brenzligen Phasen ist Dietrich derjenige, der die Ruhe bewahrt und die jungen Talente an die Hand nimmt.
In brenzligen Phasen ist Dietrich derjenige, der die Ruhe bewahrt und die jungen Talente an die Hand nimmt. – Foto: Kurt Botsch

Wenn es darum geht, die Mannschaft nach einem Rückschlag (z. B. eine klare Niederlage oder eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung) wieder aufzurichten: Welche Mittel nutzt Du? Welche sind Deiner Meinung nach am effektivsten?

Ich habe da nicht „die Methode“, sondern entscheide situativ. Da verlasse ich mich oft auf mein Bauchgefühl. Ich finde, in gewissen Situationen muss auch mal Klartext gesprochen werden, wie zum Beispiel nach einer beschissenen ersten Halbzeit oder einer vermeidbaren Niederlage, um die Sinne wieder zu schärfen. In anderen Situationen, wie zum Beispiel einer schwierigen Phase in der Liga mit sieglosen Begegnungen, versuche ich die Mannschaft mit Positivität und aufmunternden Worten mitzunehmen.

"Ich will mir in Zukunft selbst treu bleiben"

Was möchtest Du als Kapitän am Ende Deiner Amtszeit hinterlassen? Welches „Erbe“ ist Dir wichtig?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich will mir in Zukunft selbst treu bleiben und für die Mannschaft ein bestmöglicher Kapitän sein.

Abschließend: Wo steht Deine Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?

Auf einem einstelligen Tabellenplatz - und mit einem guten Gefühl im Bierkönig auf Mallorca...

Das klingt doch nach einer machbaren Aufgabe. Alles Gute dafür!