2026-01-08T14:38:04.769Z

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Fast sein ganzes Fußballer-Leben hat Patrick Müller (r.), heute 29 Jahre alt, beim FC Aschheim verbracht.
Fast sein ganzes Fußballer-Leben hat Patrick Müller (r.), heute 29 Jahre alt, beim FC Aschheim verbracht. – Foto: Dieter Michalek

FCA-Kapitän Müller: „Er hat nie Starallüren gezeigt, ist einer von uns“

Interview über Vereinstreue, Landesliga-Traum und Ex-Profis

Der 29-jährige Patrick Müller spielt seit 23 Jahren für den FC Aschheim. Jetzt soll endlich der erste Landesliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte gelingen.

Aschheim – Patrick Müller ist mit seinen 29 Jahren im besten Fußballalter und, abgesehen von einem Abstecher zum VfR Garching, immer nur für den FC Aschheim aufgelaufen. „Damals gab es keine A-Jugend in Aschheim. Nach einem halben Jahr bin ich aus Garching zurückgekommen und habe als 17-Jähriger mit der Ersten Mannschaft mittrainiert“, erzählt der Kapitän des Bezirksliga-Zweiten, der nur zu gerne erstmals in die Landesliga aufsteigen würde. Das Interview.

Herr Müller, in all den Jahren haben Sie doch sicher auch mal Angebote aus anderen Klubs bekommen. Hat Sie ein Wechsel nie gereizt?
Angebote gab’s schon. Aber weil ich jetzt schon mein ganzes Leben für den FC Aschheim spiele, kenne ich hier auch die ganzen Leute, auch drumherum, und habe sie auch schätzen gelernt. Ich bin eher ein familiärer Typ, das Gesamtpaket muss einfach stimmen. Da hat mir der Verein immer ein gutes Gefühl gegeben, und meine ganzen Freunde spielen hier oder haben hier gespielt.
Wenn Sie auf Ihre knapp 23 Jahre beim FC Aschheim zurückblicken, was bleibt da haften?
Da gibt es sehr viele schöne Erinnerungen! Ich weiß noch genau, dass mich mein Vater (Harald Müller, ehemaliger FCA-Jugendleiter) in der E-Jugend trainiert hat und wir dann aufgestiegen sind. Und dass ich die eine oder andere Unstimmigkeit noch beim Abendessen ausgetragen habe. (lacht) Mein Vater hat gerne mal zwei, drei Prozent mehr von mir erwartet. Dass er mir ab und an mal die Grenzen aufgezeigt hat, hat mir aber auf keinen Fall geschadet.
Seit 2019 stellt der FC Aschheim durchgehend ein Bezirksligateam, schnupperte auch immer wieder am Aufstieg. Sie sind seit 2021 wieder fester Bestandteil des Kaders. Sind die Chancen, erstmals in die Landesliga aufzusteigen, in dieser Saison so gut wie nie zuvor?
Wir sind sicher auf einem sehr, sehr guten Weg – auch wenn es der eine oder andere vor der Saison nicht gedacht hätte. Nicht zum ersten Mal haben viele Spieler den Verein verlassen, und es sind viele Neue dazugestoßen, die allesamt auch erst einmal integriert werden mussten. Kompliment an die Verantwortlichen, die einen guten Job gemacht und die richtigen Leute verpflichtet haben. Das sind coole Jungs, die auch zum Verein, zum Team passen. Das ist mir persönlich immer sehr wichtig.
Sie haben die Fluktuation unter den Spielern bereits angesprochen – zieht sich das so ein bisschen durch die jüngere Geschichte des Vereins?
Das ist so ein bisschen die Kinderkrankheit des FC Aschheim, die sollte man vielleicht mal behandeln. (lacht) Unabhängig von den Verantwortlichen gab es in der Vergangenheit Abgänge von Spielern, mit denen man auch Freundschaften außerhalb des Platzes geschlossen hat. Das ist natürlich schade.
Nach Diego Contento ist jetzt mit Mehmet Ekici ein weiterer Ex-Profi des FC Bayern zum Team gestoßen. Wie ist das für Sie?
Die beiden kennen sich sehr gut, und ich glaube, dass er uns mit seiner Erfahrung auf jeden Fall weiterhelfen wird. Vielleicht ist er am Ende das entscheidende Puzzleteilchen, das noch gefehlt hat? Abgesehen davon, dass wir Diego den Ball hinrotzen können und er ihn dann mühelos verarbeitet, haben wir auch sonst sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Er hat nie Starallüren gezeigt, ist einer von uns und macht in der Kabine gerne mal seine Späßchen.
Worauf kommt es jetzt an, damit es schließlich mit dem ersten Landesliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte klappt?
Wir müssen die Vorbereitung jetzt gezielt nutzen, um die richtige Fitness zu bekommen, damit wir Ende Februar im vollen Saft stehen und auf jeden Fall die nach der Winterpause gerne mal üblichen Startschwierigkeiten vermeiden können.
Die bisher einzige Niederlage setzte es am 27. September beim 0:2 in Holzkirchen, in den zurückliegenden fünf Partien gab’s drei Remis. Ist die Mannschaft kurz vor der Pause ein bisschen müde geworden?
Ja, das kann schon sein. Grundsätzlich machen wir es aber sehr gut, müssen aber die individuellen Fehler minimieren. Wichtig ist, dass man dann als Team dranbleibt und weitermacht – das haben wir schon oft gezeigt, diese Mentalität zeichnet uns aus.
Im Aufstiegsrennen mit dem noch ungeschlagenen VfB Forstinning liegt der FCA bei einem Spiel weniger als Zweiter sechs Zähler zurück. Punktverluste wie beim wilden 4:4 daheim gegen den FC Aschau schmerzen da natürlich.
Gerade auch dieses Spiel haben wir ausgiebig besprochen und danach die entsprechende Reaktion gezeigt.
Seit Beginn dieser Saison sind Sie neuer Kapitän des Teams – was ist Ihnen in dieser Funktion besonders wichtig?
Dass ich als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer den Spagat so gut wie möglich hinbekomme. Ich bin nicht so der Hau-drauf-Typ und rede mit allen Leuten und bin weiter Teil des Teams.
Sie hatten seit Ende Oktober mit Knieproblemen zu kämpfen und können es sicher kaum erwarten, wieder mit der Elf aufzulaufen, oder?
Auf jeden Fall! Ich bin vor allem auf das Rückspiel in Forstinning gespannt, weil ich daheim beim 2:2 vor über 400 Zuschauern nicht dabei sein konnte. In Forstinning wird sicher auch einiges los sein, besser geht’s nicht.

Aufrufe: 07.1.2026, 11:30 Uhr
Guido VerstegenAutor