Corona zwingt die Fußballer zum Umdenken, die Entscheidungen des Verbands in Sachen Toto-Pokal stoßen allerdings nicht bei allen Vereinen auf Gegenliebe.
Corona zwingt die Fußballer zum Umdenken, die Entscheidungen des Verbands in Sachen Toto-Pokal stoßen allerdings nicht bei allen Vereinen auf Gegenliebe. – Foto: Haelke

„Es macht keinen Sinn“ - Theater um Toto-Pokal geht weiter

Regionalligisten profitieren von Sonderegelung

Trotz der Videokonferenz der Vereine mit dem BFV am vergangenen Donnerstag herrscht in Sachen Toto-Pokal weiter Unklarheit. Einige Klubs haben bereits abgesagt.

Landkreis Dachau - Entscheidung vertagt. Das Theater um den Toto-Pokal geht weiter. In einer Video-Konferenz am vergangenen Donnerstag wurde den noch im Wettbewerb befindlichen Amateurvereinen eine Frist bis zum 10. Mai 2021 eingeräumt. Bis dann müssen die Amateure dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) melden, ob sie weiter im Pokalwettbewerb bleiben wollen. Das bayerische Pokalfinale wurde vom 29. Mai 2021 auf den 29. Juni 2021 verschoben.

FC Pipinsried: Teilnahme am Toto-Pokal „macht einfach keinen Sinn“

Der einzige noch verbliebene Teilnehmer aus dem Dachauer Landkreis, der FC Pipinsried, wird nicht mehr am Wettbewerb teilnehmen. „Für uns macht das einfach keinen Sinn. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis. Es dürfen keine Zuschauer dabei sein, beim Heimspiel müssten wir Fahrtkosten für den Gegner zahlen. Naja, die höherklassigen Vereine sollen sich mit den klassentieferen in Sachen Fahrtkosten solidarisieren. Ob es so kommt, wird man sehen“, erklärt der Präsident des FC Pipinsried, Roland Küspert, die Entscheidung zum Verzicht auf die weitere Teilnahme am Toto-Pokal.

Allerdings wird das Ausscheiden vom Bayerischen Fußball-Verband versüßt, denn die Klubs, die nicht mehr weiter spielen wollen oder können, erhalten jeweils 2000 Euro brutto und eine Garantie, dass sie in der kommenden Saison in der ersten Hauptrunde gesetzt sind.

Toto-Pokal: Amateur-Klubs weiter auf sich gestellt

Elf der betroffenen 24 Amateurvereine wollen es noch offenlassen, ob sie weiter mitspielen oder nicht. Gekickt werden soll ab Anfang Juni, damit dann am 29. Juni das Finale stattfinden kann. Der Zeitansatz deckt sich mit der Meinung des BFV, dass drei Wochen Vorbereitung ausreichen sollten. „Eigentlich hatten wir gesagt, dass wir weiter mitspielen wollen. Nach dem ,Zuckerl‘ vom BFV müssen wir uns das aber sehr gut überlegen, zumal ja auch die Nähe zur kommenden Saison sicherlich ein Faktor ist“, erklärt Jörg Schmalfuß, Vorstandsvorsitzender des FC Eintracht Bamberg.

Die Amateure, ab Bayernliga abwärts, die weiterspielen wollen, sind aber weiter auf sich gestellt, sie sind abhängig vom Leiter des zuständigen Gesundheitsamtes. Dieser muss entscheiden, ob der entsprechende Verein grünes Licht zur Teilnahme am Toto-Pokal bekommt.

Toto-Pokal: Teilnahme der Amateur-Vereine durch hohen Aufwand fraglich

Die Regelung zur Durchführung wurde ebenfalls festgelegt. In der zweiten Hauptrunde bleiben die Ansetzungen bestehen. So kann es sein, dass ein Team ohne Spiel durchkommt, weil der Gegner auf die Teilnahme verzichtet hat. Es könnte aber auch vorkommen, dass in einer Paarung beide Teams weiterspielen möchten, dann muss diese Partie ausgetragen werden. In der darauffolgenden Runde soll neu ausgelost werden, mit entsprechenden Korrekturen der Gruppen-Zugehörigkeit.

Zur Erinnerung: Der Verband hat die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt, Nord, Mitte und Süd. Der heimische Teilnehmer FC Pipinsried wurde zur Überraschung aller in die Gruppe Mitte verschoben, der nächste Gegner wäre die DJK Ammerthal gewesen.

Im Hinblick auf die kommende Saison, die Gesundheit der Spieler, den enormen administrativen Aufwand und die finanziellen Einbußen werden es sich sicherlich einige Vereine überlegen, ob eine weitere Teilnahme überhaupt noch Sinn macht. Der FC Pipinsried und auch der TSV Landsberg mit dem Ex-Pipinsrieder Trainer Muriz Salemovic treten jedenfalls nicht mehr an.

BFV: Langes Zögern zugunsten der Regionalligisten

Grünes Licht bekamen hingegen die Regionalligisten. Hier hat augenscheinlich der Verband sehr lange gezögert, um eine Klausel zu ziehen, die den Spielbetrieb der Regionalliga Bayern zulässt. Die Aussagen bzw. Hinweise von Innenminister Joachim Herrmann in einem Brief an den BFV sind eindeutig. Dazu wird eine Regelung vom BFV aktiviert, die festlegt, dass die Regionalligisten als Profis angesehen werden – und so keine Genehmigung des örtlichen Gesundheitsamtes benötigen. In der Online-Konferenz wurde zudem festgelegt, dass die Regionalligisten, die neben dem Toto-Pokal auch noch den Liga-Pokal bestreiten, bis zum 7. Mai 2021 melden müssen. Hintergrund: Der Ligapokalsieger der Regionalliga wird ebenso wie der Totopokalsieger beim DFB als Teilnehmer des DFB-Pokals gemeldet.

Im Wortlaut des Ministeriums ist folgendes nachzulesen: „Berufssportler im Sinne des § 10 Abs. 2 der 12. BayIfSMV sind Profisportler. Hierunter ist der Betrieb der 1. und 2. Bundesligen aller Sportarten zu fassen, bei Fußball auch der 3.Liga (Männer). Darüber hinaus kann eine Liga/ein Wettbewerb nur dann als Profiliga bzw. Profiwettbewerb eingeordnet werden, wenn hierfür eine entsprechende Bestätigung durch die Liga-/Wettbewerbsverantwortlichen erbracht wird. Damit ergibt sich hinsichtlich Ihres Anliegens, den Trainings- und Wettkampfbetrieb der Regionalliga Bayern zur Ermittlung des Teilnehmers an den Aufstiegsspielen für die 3. Liga zuzulassen, die nachfolgende Rechtslage: Sofern seitens des Bayerischen Fußball-Verbandes eine Einordnung der Regionalliga Bayern als Profiliga erfolgt ist, ist der Spielbetrieb der Regionalliga Bayern unter den oben genannten Voraussetzungen möglich. Hiervon erfasst sind auch Qualifikationsspiele. Eine behördliche Ausnahmegenehmigung für die Durchführung der Play-Off-Spiele sowie des dazugehörigen Trainings der Regionalliga Bayern ist damit nicht erforderlich.“

Toto-Pokal: BFV gibt Amateur-Klubs zwei Modelle an die Hand

Bei Teilnahmeverzicht:

- Die Vereine erhalten 2000 Euro brutto

- Die Vereine sind in der kommenden Saison für die erste Hauptrunde im Toto-Pokal gesetzt

Bei gewünschter Teilnahme:

- Keine 2000 Euro.

- Kein Freilos bis zur ersten Hauptrunde

- Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Gesundheitsamt

- Freigabe durch das Gesundheitsamt

- Durchführen von Corona-Tests in der Woche

- Spätestens 24 Stunden vor Beginn einer Partie letzter Test, der dann dem Verband zugesandt werden muss

- Entsprechende Hygienemaßnahmen, die vom BFV und dem Infektionsschutzgesetz vorgegeben werden.

(Bruno Haelke)

Aufrufe: 4.5.2021, 07:56 Uhr
Dachauer Nachrichten / Bruno HaelkeAutor

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