– Foto: Volkhard Patten

Deckel drauf! Die Saison 2020/21 muss annulliert werden!

Kein Ende in Sicht und doch ist das Ende in Sicht

Am 30.06.2021 muss die Saison 2020/21 laut SBFV-Statuten beendet oder zumindest eine Vorrunde gespielt worden sein. Es bleiben also noch genau 139 Tage bis zum letzten Tag der Saison und die Tage werden bekanntlich nicht mehr. Worauf also warten? Auch wenn wir uns damit nicht überall Freunde machen, lautet unser Appell trotzdem: Beendet und annulliert die Saison! Jetzt!!!
Die Tage werden weniger, die Pandemie nur bedingt besser und die Ungewissheit bleibt. Seit gestern ist klar, dass bis mindestens 07.März kein Fußball gespielt werden darf und somit schwindet die Hoffnung, die Saison 2020/21 doch noch irgendwie so zu beenden, damit sie gewertet werden kann.

Der Südbadische Fußballverband hatte zum Ende des letzten Jahres frühzeitig seine möglichen "Szenarien" vorgestellt und schnell war klar, dass es ziemlich sicher auf eine Option hinauslaufen wird - nämlich irgendwie die Vorrunde zu Ende spielen. Dies ist Voraussetzung, damit die Saison eine Wertung bekommt. Kann nicht mindestens die Hälfte der Spiele (einmal jeder gegen jeden) absolviert werden, dann wird die Saison annulliert. Keine Quotientenregelung, keine Auf- und keine Absteiger. Alles auf Null.

Nun sind wir an einem Punkt, an dem absehbar ist, dass eben jene Vorrunde nicht zu Ende gespielt werden kann. Das mag - wir haben Mitte Februar - verfrüht klingen, doch die Aussichten sind alles andere als rosig. Natürlich wäre, Stand jetzt, noch Zeit, die Saison so zu beenden, dass bis Sommer zumindest eine Vorrunde gespielt sein könnte. Von heute an stehen noch 20 Wochenenden bis Ende Juni an, 20 Spieltage wären also noch möglich. Doch der schlaue Leser erkennt schnell: Diese 20 Wochenenden sind für die Katz, denn am kommenden Wochenende wird nicht gespielt werden.

In der Ansprache von Frau Merkel fielen gestern kurz die Worte "Amateursport in Kleingruppen" und spätestens da war für uns klar, dass es selbst im März nicht wieder direkt in die Vollen geht. Das "Training in Kleingruppen ohne Körperkontakt" ist für Mitte März vielleicht realistisch, aber an das "Training in 20er Gruppen" wird vor April nicht zu denken sein.

Dennoch - wir wollen ja nicht kategorisch alles ausschließen, daher spinnen wir mal ein wenig rum und versuchen, einen "Optimalfall" zu basteln:
  • Die Ministerpräsidenten-Konferenz am 03.März beschließt:
    Training in Kleingruppen ohne Körperkontakt ab 08.März
  • Die Ministerpräsidenten-Konferenz am 17.März beschließt:
    Training in 20er Gruppen ab 22.März
  • Die Ministerpräsidenten-Konferenz am 31.März (vor Ostern) beschließt:
    Wettkämpfe im Amateursport (somit auch Spiele) sind ab 06.April unter Einhaltung der Hygienerichtlinien erlaubt
  • Vorbereitung Amateurfußballer: 22.03. - 16.04. (Zwei Wochen ohne, zwei Wochen mit Testspielen)
  • Pflichtspielauftakt am 17./18.04.
  • Zeit bis zum Saisonende (inklusive Auf- und Abstiegsspiele) am 30.06. -> 11 Wochen

Das war nun mal der Optimalfall - wir sind uns ziemlich sicher, dass es "besser" nicht kommen wird. Der Amateurfußball hätte also 11 Wochen Zeit, um die Vorrunde zu beenden und Auf- und Abstiegsspiele auszutragen. Das klingt auf den ersten Blick zunächst mal machbar. Auf den zweiten Blick wird allerdings schnell klar, dass 11 Wochen eigentlich nicht ausreichen. Zum einen muss man 2 Wochenenden für Auf- und Abstiegsspiele einplanen, zum anderen sind viele Vereine teils beachtlich in Rückstand.

Auf Bezirksebene sind dies u.a. der VfB Gaggenau, Bischweier, Iffezheim und Frankonia Rastatt, die noch 9 Spiele in der Vorrunde austragen müssten! Rein theoretisch zwar machbar, zumal man auf Bezirksebene auch problemlos unter der Woche spielen könnte, aber ein oder zwei weitere Spielabsagen wegen Corona und das alles steht wieder auf der Kippe.


In den überbezirklichen Ligen sieht es ähnlich aus, die Folgen wären aber weitaus dramatischer. Der SV Oberachern muss in der Oberliga 9 Spiele, der SV Bühlertal in der Verbandsliga noch 8 Spiele bis Vorrundenende bestreiten. Auch das scheint theoretisch bis Ende Juni machbar - doch, bei nur einem weiteren Spielausfall müssten die Vereine unter der Woche nach Freiburg, Neckarsulm oder Stuttgart fahren.

Wir sehen also - möglich ist noch immer alles, aber ob es das auch im Sinne des Fairplay ist, das steht auf einem anderen Bierdeckel - mal ganz abgesehen davon, dass der feine Herr Amateurkicker nicht dafür gemacht ist, nach 10 Spielen in 12 Monaten plötzlich 10 Spiele in 8 Wochen zu machen.

Eine weitere Tatsache, die viele mit Vereinsbrille auf der Nase nicht sehen: Es geht nur im Ganzen! Es geht nur eine Gesamtlösung für den kompletten Verband vom Bodensee bis nach Mörsch. Es bringt also nichts, wenn der Bezirk Baden-Baden keine Coronaabsagen mehr hätte, gleichzeitig aber in den Bezirken Bodensee oder Offenburg die Vorrunde nicht fertig gespielt werden kann. Das Chaos, die Klagen oder der Aufschrei wären vorprogrammiert - dieses "Risiko" wird kein Verband der Welt eingehen.

Die Realität wird aber vermutlich sowieso eine andere sein und der Amateurfußball so ziemlich das Letzte werden, was wieder "normal" laufen wird. Wir glauben nicht an ein Kicken im "Wettkampfmodus" vor Ende April, vermutlich wird es sogar bis in den Mai hinein gehen, da die Regierung rund um Ostern oder den 1.Mai noch "piano" machen möchte.

Vielleicht mag unsere Meinung zu pessimistisch, der Optimalfall vielleicht zu optimistisch sein. Und versteht es nicht falsch: Auch wir wünschen uns ein Saisonende mit Wertung, auch wir möchten so schnell wie möglich wieder auf den Sportplatz und euch Models fotografieren und darüber berichten. Aber dennoch bleibt unsere Meinung bestehen: Die Zeit wird zu knapp werden. (Eine Verlängerung über den 30.06. hinaus hat der Verband übrigens bereits ausgeschlossen, damit die Saison 2021/22 planmäßig im August starten kann)

Unser Appell: Gebt den Vereinen Klarheit. Aktuell haben sowieso nur wenige Bock auf das ständige Theater rund um Corona. Warten bis Sonntag 12Uhr ob das negative Ergebnis eines Spielers da ist?! Urlaubstage nehmen für Spiele unter der Woche? Worauf warten? Der SBFV hat bereits Ende letzten Jahres frühzeitig für Klarheit gesorgt und es wäre auch jetzt angebracht, wenn man frühzeitig einen Schlussstrich zieht. Streicht die Saison 2020/21, annulliert die Ergebnisse, stellt die Tabelle auf Null. Das ist bitter für die Vereine, die aussichtsreich vorne stehen. Aber, liebe sogenannten "Topteams", ihr habt nicht mal ein Viertel der Saison gespielt. Kein Mensch weiß, ob ihr auch nach der Hälfte der Saison oben steht.
Lieber Verbandsverantwortliche, wartet nicht auf irgendwelche Entscheidungen der Politik - denn von deren Seite aus wird es keinen "klaren Plan" geben, sondern die bekannten Verlängerungen im Zweiwochen-Rhythmus. Das ist für die Amateurvereine aber nicht zumutbar, vor allem nicht, wenn dann innerhalb von wenigen Tagen alles wieder zum Leben erweckt werden soll. Die Kicker haben sich dran gewöhnt und keiner wird dran zerbrechen, wenn erst im August wieder Pflichtspiele stattfinden. Den Jungs und Mädels fehlt doch einfach nur das Miteinander, das (mit Abstand) Rumgebolze, das Zusammensitzen und die Gesellschaft. Das wird ab Ende April ziemlich sicher wieder erlaubt sein und den Kickern reicht das dann auch. Bissel bolzen von Mai bis Mitte Juli und dann ab Ende Juli wieder Vollgas und Fokus auf die Saison 2021/22.
Aufrufe: 11.2.2021, 08:00 Uhr
Benni EmrichAutor

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