Vorstand Fritz Will möchte weiter auf Nils Noe als Trainer bei Viktoria Kahl setzen.
Vorstand Fritz Will möchte weiter auf Nils Noe als Trainer bei Viktoria Kahl setzen. – Foto: Dirk Meier

»Eine Trainerentlassung stand nie zur Debatte!«

- Viktoria Kahl: Vorstand Fritz Will über zuletzt fulminante Zeiten

Erst der überraschende Durchmarsch von der Bezirks- in die Bayernliga. Dann ein Unwetter, das den Sportplatz verwüstet hat. Anschließend eine sportliche Saison, in der man Lehrgeld zahlen musste. Und schließlich die Corona-Pandemie, die den Amateur-Fußball lahmlegte. Es sind fulminante Jahre, die Viktoria Kahl zuletzt durchlebt hat. Umso mehr hofft Vorstand Fritz Will darauf, dass auch am Kahler Waldsportplatz bald wieder Normalität einkehrt…

Fritz Will blickt bei FuPa.net auf turbulente Zeiten zurück.
Fritz Will blickt bei FuPa.net auf turbulente Zeiten zurück. – Foto: PresseFoto Evans/ Ryan Evans, Dirk Meier

„Es hat uns selbst überrascht, dass wir den Durchmarsch geschafft haben“, blickt Fritz Will auf 2019 zurück. Als Aufsteiger belegte seine Viktoria damals den zweiten Rang in der Landesliga Nordwest und schaffte es in die Relegation gegen Forchheim. „Spätestens da dachten wir, dass gegen so ein erfahrenes Bayernliga-Team Schluss ist. Wir haben das als Highlight für die Mannschaft und die Fans mitgenommen“, so der Vorstand der Unterfranken weiter. Nach einem 4:0-Hinspiel-Sieg genügte aber bereits eine 2:4-Pleite in Forchheim, um tatsächlich den Sprung in die Bayernliga Nord zu schaffen „und dann konnten und wollten wir den Spielern diesen Erfolg auch nicht verweigern“, so Will.

Einen Abstieg nach Quotientenregel würde Kahl laut Will hinnehmen.
Einen Abstieg nach Quotientenregel würde Kahl laut Will hinnehmen. – Foto: Ernst Blank

Quasi mit Saisonbeginn begannen 2019 aber Probleme. Zum einen, weil am 18. August gegen 17.30 Uhr ein verheerender Sturm über den Waldsportplatz fegte. „Von knapp 70 Bäumen standen danach noch fünf. Viele waren auf das Feld gekippt und hatten das Gelände demoliert. Ich dachte, dass man dort zwei Jahre lang nicht Fußballspielen können wird“, erinnert sich der Vorstand. Es entstanden finanzielle Schäden in Höhe von 130.000 Euro, die aber dank einer Versicherung, der Hilfe einer Bank, der Gemeinde Kahl, des Trikotsponsors und Rücklagen des Vereins aufgefangen wurden. Mehrere Viktoria-Partien mussten auf den Platz der DJK Kahl verlegt werden, denn die Aufräumarbeiten dauerten Wochen an. Noch heute sind die Folgen zu sehen: „Das Feld war dann bald wieder bespielbar, aber den Charakter unseres Sportplatzes hat das nachhaltig verändert.“ Anstatt der Bäume muss jetzt ein großes Netz hinterm Tor Bälle abfangen, damit sie nicht auf die benachbarten Bahngleise fliegen.

Kapitän Farbmacher (4.v.r.) hat Kahl bereits verlassen - im Sommer könnten ihm weitere Akteure folgen.
Kapitän Farbmacher (4.v.r.) hat Kahl bereits verlassen - im Sommer könnten ihm weitere Akteure folgen. – Foto: Mario Wiedel

Zum anderen wurde die sportliche Situation in Kahl schwierig: „Wir wussten schon vor der Saison, dass wir gegen den Abstieg spielen werden. Die Bayernliga Nord ist eine Drei-Klassen-Gesellschaft und wir gehörten zu den Teams unten drin.“ Bei Vergleichen mit den Spitzen-Mannschaften, deren Etat laut Will zehnmal so hoch wie der von Kahl sei, habe die Viktoria aus Sicht des Vorstands keine große Chance. „Wir selbst sind deshalb die Saison ohne finanzielle Risiken angegangen und haben den Kader nur stellenweise ergänzt.“ Nachdem dann aber auch gegen die Konkurrenten die Punkte größtenteils ausblieben, steht Kahl nach 21 absolvierten Spielen als Schlusslicht da. „Auch wenn wir bislang vier Partien weniger als der Vorletzte Karlburg absolviert und dabei aber nur fünf Punkte Rückstand haben, würden wir die Quotientenregel mittragen“, schildert Fritz Will. Bedeutet: Einen Abstieg in die Landesliga Nordwest, die Kahl aus den vergangenen Jahren gut kennt, würde der Verein also hinnehmen. Wie und vor allem wann es weitergeht, bleibt derzeit noch unklar.

Und da kommt die dritte Sorge, die Kahl, aber auch sämtliche andere Amateur-Mannschaften, in den vergangenen 14 Monaten auf Trab hielt, ins Spiel: die Corona-Pandemie. „Für uns und viele weitere bedeutet die Krise nicht nur, dass wir nicht Kicken können, sondern auch, dass wichtige Einnahmen fehlen“, schildert Will. Im Falle Kahls fallen Gelder aus Zuschauereinnahmen und von Sponsoren weg, jeodch auch von der Austragung des Ortspokals, von der Vereinsgaststätte, vom monatlichen Flohmarkt oder von Festen wie der Kirchweih. Insgesamt sei es ein sechsstelliger Betrag, der fehle – das alles während einige Kosten auch jetzt weiterlaufen. „Das kann für einen Verein existenzbedrohend sein.“

Seit 2017 steht Nils Noe in Kahl an der Seitenlinie.
Seit 2017 steht Nils Noe in Kahl an der Seitenlinie. – Foto: PresseFoto Evans/ Ryan Evans

Trotz aller Unwägbarkeiten plant Kahl aber allmählich für die neue Saison: „Es wird wohl einen mittelgroßen Umbruch geben“, so die Einschätzung des Vorstands mit Blick auf den Kader. Nach dem Abgang von Kapitän Farbmacher im Winter, sowie dem feststehenden Transfer von Cetin im Sommer zum FC Bayern Alzenau, könnten noch weitere Spieler die Viktoria verlassen. „Aber wir sind schon in guten Gesprächen mit möglichen Neuzugängen. Wir setzen weiterhin auf junge Akteure aus der Region – vielleicht auch aus niedrigeren Klassen. Namen möchten wir aber nicht nennen“, so Fritz Will. Wenn der Vorstand von „wir“ spricht, dann meint er auch den sportlichen Leiter André Kasiow sowie Coach Nils Noe, der die Viktoria seit 2017 betreut. Und daran wird sich vorerst nichts ändern: „Eine Trainerentlassung stand nie zur Debatte. Er trägt keine Schuld, wenn wir absteigen. Nils ist nach wie vor ein hervorragendes Bindeglied zwischen Verein und Mannschaft“, setzt Fritz Will mit der Viktoria hier auf Kontinuität. Kontinuität, die gerade in der aktuellen Zeit willkommen sein dürfte…

942 Aufrufe2.5.2021, 06:00 Uhr
Kilian AmrheinAutor

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