Fußballübungen auf Abstand - nicht nur der Nachwuchs hätte zumindest darauf sicher wieder Lust nach zuletzt tristen und bewegungsarmen Monaten. Foto: dpa/Philipp Brandstädter
Fußballübungen auf Abstand - nicht nur der Nachwuchs hätte zumindest darauf sicher wieder Lust nach zuletzt tristen und bewegungsarmen Monaten. Foto: dpa/Philipp Brandstädter

Der Öffnungsplan: Perspektive mit eingebauter Notbremse

Kommentar zum Stufenplan-Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin

Osnabrück. Die ersten Lockerungen nach monatelangem Lockdown sorgen im Breitensport in Deutschland noch nicht für die große Rückkehr-Euphorie. Abhängig von regionalen Corona-Inzidenzwerten können die Bundesländer ab dem 8. März erste Maßnahmen vorsehen. Das ist endlich eine kleine und lange ersehnte Perspektive, meint Kommentator Benjamin Kraus aus der NOZ-Sportredaktion. Das angestrebte Vorgehen bei kleinen Schritten ist sinnvoll - aber die Notbremse ist bereits eingebaut.

Die Pläne der Bundesregierung bieten endlich eine erste Perspektive für knapp 30 Millionen Sportlerinnen und Sportler in Deutschland. Das ist uneingeschränkt zu begrüßen, auch mit Blick auf langwierige gesundheitliche Folgen eines monatelangen Sport-Lockdowns für viele Menschen, dessen Behandlungs-Folgekosten wir letztlich alle bezahlen müssen.

Sinnvoll ist, in vorsichtigen Schritten voranzugehen mit der getroffenen Unterscheidung von Sport auf Abstand und Kontaktsport – und vor allem, dass endlich differenziert wird zwischen Indoor- und Freiluft-Aktivitäten: Eine Chance, die bei den allgemeinen Kontaktbeschränkungen übrigens den ganzen Winter über verpasst worden ist. Wissenschaftliche Studien gehen jedenfalls von einer 15- bis 19-fach geringeren Ansteckungswahrscheinlichkeit unter freiem Himmel aus. In der Abwägung hilft es daher nicht weiter, wenn etwa Fußballer in Zeiten halbwegs niedriger Infektionszahlen solidarisch genauso lang auf ihren Neustart warten würden wie zum Beispiel Handballer.

Viel wichtiger ist aber noch etwas anderes: Dass alle abseits des reinen Sporttreibens weiter konsequent die Abstands- und Hygieneregeln befolgen. Kabinen, Duschen und Sportheime müssen erst einmal bis auf Weiteres tabu bleiben – sonst werden überflüssige gesellige Runden genau jenen Effekt befeuern, den Skeptiker wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sowieso fürchten: Dass die grassierende britische Mutante bei Infektionszahlen über 100 pro 100000 Einwohner auch dem Breitensport wieder ganz fix die Notbremse zieht.

– Foto: NOZ/Hente

Aufrufe: 05.3.2021, 07:30 Uhr
Benjamin Kraus / Neue Osnabrücker ZeitungAutor

Verlinkte Inhalte