In Strausberg wird am kommende Saison vorerst kein Oberliga-Fußball mehr zu sehen sein.
In Strausberg wird am kommende Saison vorerst kein Oberliga-Fußball mehr zu sehen sein.

FC Strausberg zieht Oberliga-Mannschaft zurück

In einer emotionalen und umfangreichen Pressemeldung gibt der Verein die Gründe für den Rückzug bekannt.

Der FC Strausberg wird in der kommenden Saison nicht mehr in der Oberliga an den Start gehen und meldet zwei Ligen tiefer.

Ab der Saison 2021/2022 wird der FC Strausberg nicht mehr in der Oberliga spielen. Am Donnerstag erklärte das Präsidium, dass "wir nicht mehr bereit sind, die Finanzspirale nach oben mitzugehen. Deshalb melden wir für die kommende Saison nicht mehr für die Oberliga, sondern gehen freiwillig zwei Ligen nach unten in die Landesliga Brandenburg."

Ein neuer Trainer wurde auch schon gefunden. Chris Berg, der bisher erfolgreiche Arbeit beim SV Woltersdorf leistete, wird die Zügel beim FCS leiten. In die neue Mannschaft soll vor allem der Nachwuchs integriert werden. Großfeldkoordinator Christian Peper steht an seiner Seite. "Wir wollen der beste Nachwuchsverein der Region bleiben und werden Ressourcen, die durch die Nichtmeldung für die Oberliga frei werden, vornehmlich in unsere Nachwuchsabteilung stecken. Unsere Sponsoren unterstützen diesen Weg und werden auch weiterhin geschlossen an Bord bleiben", erklären die Strausberger.

Insofern die Saison in der Oberliga Nord fortgesetzt wird, wird der FC Strausberg diese noch zu Ende spielen. Außerdem wurde allen Spielern angeboten den neuen Weg mitzugehen. "Unserem Nachwuchs werden wir noch höhere Aufmerksamkeit widmen, als bisher. Die Corona-Pandemie hat wie ein Brennglas gezeigt, worum es wirklich im Leben geht. Warum der Zusammenhalt und der Leistungsanspruch auch ohne die Forderung nach einer geldwerten Entschädigung die Grundpfeiler des FC Strausberg sind. Danach werden wir künftig mit Vollgas agieren", heißt es in der Pressemitteilung.

Weiter heißt es: "Wir öffnen unsere Türen weit für alle, die sich dem Projekt der 'Neuen Jungen Wilden' emotional zugehörig fühlen und bieten ausdrücklich auch denjenigen die Zusammenarbeit (wieder) an, die wir auf unserem bisherigen Weg verloren haben. Das schließt auch die Fans, die im einzigen im Vereinsregister registrierten FCS-Fanclub, dem RGU 1260 e.V., organisiert sind, mit ein."

Die Oberliga-Mannschaft des FC Strausberg.
Die Oberliga-Mannschaft des FC Strausberg. – Foto: Katharina Richter

Der Verein hat das vergangene Kalenderjahr genutzt, um das "Vereinsgebilde intensiv zu prüfen". Es wurden zahlreiche Gespräche geführt und die Verantwortlichen können sich "den Gesetzmäßigkeiten des Marktes nicht vorstellen". "Etwas, das vor 10 Jahren noch wie selbstverständlich unentgeltlich übernommen wurde, ist heute ohne die Gewährung einer finanziellen Aufwandsentschädigung nicht mehr möglich."

Das Präsidium erklärt weiter selbstkritisch: "Je höher unsere 1. Männer spielte, je länger sie sich in einer Liga hielt, desto höher wurden das Budget und die Ansprüche. Zuletzt stemmten wir Jahr für Jahr für unsere Oberliga-Mannschaft einen niedrigen sechsstelligen Betrag und das nur dank unserer Sponsoren. Mit der Entwicklung haben viele Beteiligte gut mitgehalten. Doch haben wir auch wichtige Personen auf unserem Ritt durch die Ligen verloren, was uns im Nachgang schmerzt. Spätestens mit dem Abgang der letzten 'Jungen Wilden' der ersten Generation Ende 2015 ging die Schere zwischen denjenigen, die sich, entweder als Spieler oder als Funktionär, dem Oberligateam zugehörig fühlen und dem Rest des Vereins, immer weiter auseinander.

Diese Tatsache dürfen wir den herausragenden Fußballern und Menschen in und rund um unsere Oberligamannschaft aber nicht zum Vorwurf machen. Diese Jungs identifizieren sich mit der Qualität, die wir ihnen beim Training viermal die Woche und dem Wettkampf bieten konnten. Es macht für sie unendlich Spaß, sich mit anderen Kickern auf ihrem sportlichen Level messen zu dürfen. Und gerade in unserer aktuellen 1. Mannschaft spielt Geld nur eine absolut untergeordnete Rolle. Aber die Identifikation mit dem hohen sportlichen Niveau bedeutet nicht zwingend die Identifikation zum FC Strausberg. Viel zu selten entstammte einer der Kicker aus dem eigenen Nachwuchs und hatte damit eine gewachsene Nähe zu seinem Verein. Dieser Umstand würde sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern, dafür ist der Niveauunterschied zwischen Nachwuchs- und Männerbereich einfach zu groß."

Das Präsidium hatte den Vorstand vorgeschlagen einen neuen Weg zu gehen, stieß dort auf offene Ohren und die Entscheidung verlief einstimmig.

Zum Verein: FC Strausberg

Zum Wettbewerb: Oberliga Nord

32877 Aufrufe4.3.2021, 19:14 Uhr
Mitsch Rieckmann, Marcelinho Autor

Verlinkte Inhalte