Von wegen sicherer Absteiger: Markus Schindler (blau) und sein FC Stein haben es den Spöttern und Kritikern, aber auch sich selbst gezeigt und eine zufriedenstellende Saison gespielt. F: Zink
Von wegen sicherer Absteiger: Markus Schindler (blau) und sein FC Stein haben es den Spöttern und Kritikern, aber auch sich selbst gezeigt und eine zufriedenstellende Saison gespielt. F: Zink

Der Kreisliga-Spaß geht für den FC Stein weiter

Trotz verpassten Aufstieg will man nicht unglücklich sein

Der Wiederaufstieg ist vertagt: Im Fernduell um den Relegationsplatz behält Tuspo Roßtal die Oberhand, trotz eines 2:0-Heimsieges gegen Burggrafenhof spielt der FC Stein mindestens ein weiteres Jahr in der Kreisliga. Die Trauer darüber hält sich in Grenzen.

FC Stein - SV Burggrafenhof 2:0

„Zweieins für Roßtal, ja, zwei­eins!“ Über die gesamten 90 Minuten hatten Zuschauer das Steiner Team auf dem Laufenden gehalten, Zwi­schenstände von den Tribünen aus aufs Feld gerufen, motiviert. Als Jubi­lar Andreas Kolb (vor dem Spiel geehrt für das 300. Pflichtspiel) zur Führung gegen den SV Burggrafen­hof einschoss, zimmerte rund sechs Kilometer Luftlinie davon entfernt Roßtals Nicolae Oltean einen Frei­stoß ins Tor der SC Germania.

Die Steiner wussten das. Sie wuss­ten, dass sie selbst nicht mehr tun konnten als das Spiel zu gewinnen und auf die Schützenhilfe Germanias zu hoffen. Und sie wussten mit dem Abpfiff ihrer Partie, dass diese Hoff­nung vergebens war. 3:1 gewann Roß­tal bei Germania, der Tuspo geht damit in die Relegation um den Auf­stieg in die Bezirksliga. Der FC Stein bleibt trotz eines ungefährdeten 2:0 gegen Burggrafenhof Kreisligist. Verhalten gerät deshalb der Jubel nach einem ja nicht ganz gelungenen Saisonabschluss. „Im Grund haben wir die letzten drei Spiele vergeigt“, ärgert sich der zweite Vorsitzende Jürgen Kintzel. „Roßtal hat uns Geschenke gemacht, und wir haben sie nicht angenommen.“ Nur drei Punkte hatte die Roßtaler Tuspo in den drei Partien zuvor gemacht, Stein in drei Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte aller­dings auch. In der Retrospektive zu wenig für den Aufstieg, insbesondere die überraschende Auswärtsnieder­lage bei Abstiegskandidat Oberas­bach nagt noch an mancher Steiner Seele – wenn auch nicht allzu sehr. „Wir sind tadellos zufrieden“, sagt etwa der Steiner Neu-Vorstand Uwe Kroll, was nach einem nur knapp ver­passten Aufstieg zunächst überra­schend klingt, sich mit der jüngsten Vergangenheit des FC Stein aber leicht erklären lässt. Erst nach einer desolaten Spielzeit 2015/16 war aus dem ehemals stolzen Bezirksligisten ein Kreisligist geworden – wenn auch einer, der sich mit der Situation mitt­lerweile gut abfinden kann. „Es macht Spaß, in dieser Liga Fußball zu spielen“, sagt Kroll, und das ist viel wert nach einer langen Leidens­zeit, in der nicht wenige beim FC Stein den Spaß am Fußball verloren zu haben schienen.

Rückblick: In der Vorsaison war der FC Stein geradezu auseinanderge­fallen. Gerade einmal 15 Punkte hat­ten die Faberstädter damals in einer für sie katastrophalen Spielzeit sam­meln können. Von einer einst aufein­ander eingeschworenen Fußball­mannschaft war nur eine verunsicher­te und, nach einigen Abgängen, deut­lich geschwächte, Rumpftruppe geblieben. Es folgte der zweite Abstieg in zwei Jahren - verbunden mit der fast greifbaren Angst, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. „Viele haben uns totgesagt, uns als sicheren Absteiger gehandelt“, erin­nert sich Kroll. So ärgerlich der ver­patzte Wiederaufstieg deshalb auch sein mag: Um den Schlaf bringt er am Waldsportpark niemanden. „Wir sind noch nicht so weit“, glaubt Kroll. Statt Frust herrscht angesichts der Vorgeschichte sogar eher grimmige Genugtuung, die Genugtuung dar­über, es den Spöttern und Kritikern, vielleicht aber auch sich selbst gezeigt zu haben: Der FC Stein ist nicht tot, er lebt und hat sich konsoli­diert. „Wir waren ein bisschen hinter­her“, räumt Uwe Kroll ein, meint damit verknöcherte Strukturen, die dem sportlichen Abstieg der jüngsten Vergangenheit nur noch Vorschub geleistet hätten. Das soll sich Zug um Zug ändern. Neue Ehrenamtliche wurden gewonnen, sie sollen vakante Stellen im Verein besetzen, Sponso­ren gewinnen und der Jugendabtei­lung zu neuem Schwung verhelfen.

Trainingslager in Spanien

Der sportliche Erfolg gerät da in den Hintergrund, jedenfalls beinahe. „Der Aufstieg ist kein Muss“, betont Kroll, „es genügt uns, wenn wir 2018 so abschneiden wie in diesem Jahr.“ Zumal mit der SpVgg Steinachgrund ein Akteur die Kreisligabühne betritt, der, da ist sich der Steiner Vorstand sicher, „die Liga durchein­anderwirbeln wird“. Er könnte recht behalten, verfügt der Jugendpartnerverein der SpVgg Greuther Fürth doch allem Anschein nach über Mittel, von denen auch ein sich konsolidierender FC Stein vor­läufig nur träumen kann - welcher Kreisligist leistet sich schon ein Trai­ningslager an der spanischen Mittel­meerküste? Weder trauern noch träu­men, sondern ehrlich arbeiten will man beim FC Stein deshalb in der kommenden Spielzeit. Und das bitte mit Spaß.

Schiedsrichter: Marcel Bittner (Henger SV) - Zuschauer: 75
Tore: 1:0 Andreas Kolb (37.), 2:0 Christian Gastner (38.)


Aufrufe: 06.6.2017, 08:39 Uhr
Marco SchrageAutor

Verlinkte Inhalte