Wer wissen will, wie Schwaig explodiert: Hier die Szene, als 2019 der Aufstieg in die Bezirksliga perfekt war.
Wer wissen will, wie Schwaig explodiert: Hier die Szene, als 2019 der Aufstieg in die Bezirksliga perfekt war. – Foto: Halmel

Kreis Erding: FC Schwaig steigt auf - „Ganz Schwaig wäre explodiert“

Vereinsabstimmung über Absteiger bis zum 18. Mai

Der BFV hat die Saison im Amateurfußball nun endgültig abgebrochen und lässt die Vereine abstimmen. Im Kreis Erding gibt es dadurch Grund zum Feiern.

Landkreis Erding – „Als ich das am Donnerstagabend gelesen habe, konnte ich es noch gar nicht glauben“, sagt Schwaigs Fußballchef Wolfgang Lang. „Aber jetzt ist es wohl offiziell. Wahnsinn, wir sind definitiv in die Landesliga aufgestiegen.“

Die Tabellenersten dürfen tatsächlich nach einer fast zweijährigen Saison jubeln. Die Zweitplatzierten und alle Mannschaften im Tabellenkeller haben zumindest eine Fifty-fifty-Chance auf ein Happyend. Das sind die Ergebnisse aus der außerordentlichen Vorstandssitzung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV).

BFV: Saisonabbruch steht fest - Vereine dürfen über Aufstiegsregelung abstimmen

Sei Donnerstagabend ist klar: Die Fußballsaison 2019/21 wird nicht annulliert oder verlängert. Sie wird definitiv abgebrochen. Die Tabelle wird gemäß der Quotientenregelung gewertet. Welche Folgen der Abbruch für die Vereine haben wird, sollen diese nun selbst entscheiden. Der BFV lässt zwei Optionen zu: Entweder greift die pandemiebedingt eingeführte Lösung mit Absteiger und ohne Aufstiegsspiele. Oder – und das wäre die Variante zwei – der Abstieg wird ausgesetzt, und die Teams, die auf einem Relegationsplatz stehen, dürfen aufsteigen.

Die digitale Umfrage dazu soll vom 14. bis 18. Mai stattfinden. Jeder Mitgliedsverein, der am Erwachsenenspielbetrieb teilnimmt, besitzt laut BFV eine Stimme. „Es genügt eine einfache Mehrheit, also 50+x“, erläuterte der für den Spielbetrieb zuständige BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher am Freitag in einer Online-Konferenz. Das Abstimmungsergebnis sei für den Vorstand bindend, „ansonsten würden wir uns ja unglaubwürdig machen“.

Variante 1 oder 2 – laut Faltenbacher hätten sich zwar sehr viele Vereine beim BFV gemeldet, eine Tendenz könne er noch nicht absehen. „Das hält sich die Waage.“ Außerdem liege es in der Natur der Dinge, „dass die Unzufriedenen immer am lautesten schreien“.

Faltenbacher bestärkte alle Vereine, an der Abstimmung teilzunehmen, schließlich gehe es ja auch um ihre Zukunft. Variante 2 würde ausgedünnte Klassen im unteren Bereich und aufgeblähte Ligen im oberen Bereich bringen, die im Nachgang reduziert werden müssten. „Spätestens 2023/24 wollen wir normale Ligen.“ Konkret bedeute dies statt zwei oder drei Absteiger aus einer Klasse dann bis vier, fünf oder sechs.

BFV: Keine Empfehlung der Vorstandsmitglieder

Je nach Ausgang der Abstimmung gibt es zwei Wege. Stimmen die Vereine für Variante 1, würde der Vorstand am 18. Mai Abbruch und Wertung formal beschließen. Komplizierter wird es bei Variante 2 (also „nur Aufsteiger, keine Absteiger“). Dann muss ein Außerordentlicher Verbandstag einberufen werden, der wegen der dreiwöchigen Ladungsfrist erst im Juni stattfinden kann. Bei diesem Verbandstag müssten die Vereine die seit August 2020 verbindliche Regelung außer Kraft setzen.

Die BFV-Vorstandsmitglieder machten in der Pressekonferenz deutlich, dass sie keine Empfehlung abgeben wollen. Beide Lösungen seien gleichwertig zu betrachten. Im Falle von Variante 2 würde es neue Ligamodelle geben, an denen die Fachleute im BFV bereits sitzen. Es gebe keine Denkverbote. Sowohl mit Ligenteilung als auch als Playoff- und Playdownrunde könnte gespielt werden. Kleinere Ligen seien durchaus auch Modelle für die Zukunft meinte Vizepräsident Robert Schraudner. Für die Attraktivität des Spielbetriebs sei es nicht verboten, „das Modell aus den vergangenen 60 bis 70 Jahren zu überdenken“.

FC Schwaig: Landesliga-Aufstieg auf dem grünen Tisch steht endgültig fest

Den FC Schwaig gibt es sogar noch länger. In seiner 108-jährigen Geschichte hat er aber noch nie in der Landesliga gespielt. Entsprechend groß ist nun die Freude bei Wolfgang Lang, der sogleich mit seinem Vorgänger Toni Scheckenhofer („Er ist der eigentliche Macher dieses Aufstiegs“) und Spielertrainer Ben Held telefonierte. Kurios: „Als ich der Mannschaft in der Whats-App-Gruppe gratuliert habe, kam erst mal gar keine Meldung. Das kann wohl noch immer niemand glauben.“ Lang bedauert, dass der Aufstieg nicht auf dem Rasen erfolgt ist. „Wir durften ja 2019 diese Aufstiegsspiele machen. Da war die Stimmung schon geil. Jetzt, glaube ich, wäre ganz Schwaig explodiert.“

Kreisliga-Meister FC Langengeisling hat schon eine Idee, wie er den Aufstieg feiert. „Wir planen ein Testspiel gegen den FC Moosburg.“ Dort ist künftig Mario Sinicki Trainer, der in den vergangenen fünf Jahren den FCL gecoacht hat. „Wenn es Corona dann zulässt, werden wir nach dem Spiel mit Mario noch ein bisserl feiern“, sagt Vorsitzender Sepp Kaiser. „Wir freuen uns über den Aufstieg, aber es ist natürlich nicht so wie sonst, wenn das auf dem Platz entscheiden wird.“ Dennoch sei der Erfolg eine Bestätigung der Arbeit, die die Mannschaft und die Funktionäre leisten. Etwas nachdenklich zeigte sich Maxi Maier. „Als Spieler fühle ich mich nicht als Aufsteiger. Gut, ich habe jetzt die Bestätigung, dass ich künftig eine Liga höher spielen darf. Aber dieses Gefühl des Erfolgs, das ist uns – und natürlich allen anderen Fußballern durch die Pandemie genommen worden.“

Auch SV Walpertskirchen darf hoch - TSV Isen entschied Aufstieg in vorletzter Minute

Die Fußballer des SV Walpertskirchen hatten sich am Donnerstag zu einer Online-Sitzung getroffen und kritisiert, dass man noch immer in der Luft hänge. „Zehn Minuten später kam die Nachricht vom BFV“, erzählt Trainer Sepp Heilmeier. „Danach ist es natürlich drunter und drüber gegangen.“ So traurig alle Umstände seien: „Dass wir das nun geschafft haben, das macht uns schon stolz auf das Geleistete nach so einer Mammutsaison. Quotient hin oder her – wir haben nach 19 Spielen die meisten Punkte gehabt.“

Für ihn selbst sei es sehr emotional gewesen, gibt Heilmeier zu, „weil ich seit 20 Jahren rund um die Erste als Spieler und Trainer alles mitgemacht habe“. Trotz der Freude sei er aber im Gedanken „bei allen, die unter der Pandemie leiden“.

Freude herrscht auch beim TSV Isen. „Es war ein Herzschlagfinale. Wir haben sprichwörtlich in der vorletzten Minute, genauer gesagt in der 93., mit dem vorletzten Spiel vor dem zweiten Lockdown den Sack gegen den starken direkten Konkurrenten TSV St. Wolfgang zugemacht, 2:1 gewonnen und uns so auf Platz eins geschoben“, sagt Isens Fußballchef Manfred Grosse. „Wie sagt man so schön: Das Beste kommt zum Schluss, und so war es letztlich auch.“ Schade sei nur, dass man nicht richtig mit Fans und Mannschaft feiern konnte. „Aber das wird nachgeholt.“

Kreis Erding: Große Vorfreude bei den Vereinen auf die neue Saison eine Klasse höher

Im Berglern ist schon eine Idee gereift, wie und wann man auf den Triumph in der A-Klasse 8 anstoßen könnte. „Mit viel Abstand am Vatertag, und natürlich nur, wenn das rechtlich möglich ist“, sagt Nino Filippetti, Trainer und Vater des Berglerner Fußballwunders. Vor zwei Jahren beinahe abgestiegen, dominierte dieselbe Mannschaft nun die Klasse nach Belieben. „Deshalb können wir auch sagen, dass wir den Aufstieg auch sportlich verdient haben. Es sind zwei Drittel der Saison gespielt. Und selbst man nur die Vorrunde werten würde, wären wir oben“, sagt der Coach, der am Donnerstag bei diversen Videokonferenzen mit Spielern und Funktionären auf den Aufstieg angestoßen hat: „Und jetzt freuen wir uns auf das Abenteuer Kreisklasse.“

Zurück zum FC Schwaig, der bereits vor ein paar Tagen Zulassungsunterlagen für die Landesliga zugesandt bekam. Man müsse nachweisen, dass man die Voraussetzungen für die Landesliga erfülle. Das bisserl Schreibarbeit dürfte kein Problem werden.

(Dieter Priglmeir)

Aufrufe: 8.5.2021, 12:07 Uhr
Erdinger Anzeiger / Dieter PriglmeirAutor

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