Dieter Priglmeir
Dieter Priglmeir – Foto: privat

Erdinger Vereinsnamen: Friedlich, gemütlich, waldperlig

Das Sportgeflüster

Ganz ehrlich, lieber Fußball, du magst ja der Boss im Sport sein, was die Anzahl der Fans betrifft, ganz gewiss aber nicht in punkto Vielfalt bei den Namen. Da ist der Schützensport der Platzhirsch.

Und zwar nicht nur, weil es die SG Auer Elch, Schafwaschen Rimsting oder Orient Eitensheim gibt. Auch im Landkreis Erding freuen wir uns über den Einfallsreichtum der Schützen.

Gambrinus Niedergeislbach gedenkt eines flandrischen Königs und (zumindest einer Sage nach) Erfinders des Bierbrauens. Es gibt die Treu Bayern Kirchasch, Gemütlichkeit Sulding, Waldperle Inning und – mein ganz persönlicher Favorit – Friedliches Tal Eschbaum.

Etwas heikler war’s seinerzeit mit Die Buren, eine inzwischen nicht mehr aktive Erdinger Schützengesellschaft. Diese entstand laut Chronik im Jahr 1902 im Landshuter Hof aus jener Tischgesellschaft, die zuvor wöchentlich Geld für Südafrika sammelte, wo eben jene niederländischen Siedler bis 1902 ihren Unabhängigkeitskrieg gegen England führten. Aber Schluss mit der Geschichtsstunde. Was wir damit sagen wollen: Schützen machen sich bei der Namensgebung einfach mehr Mühe.

Das trifft übrigens auch auf einen anderen Zielsport zu: die Darter – oder d’ Schbiggara, wie sich eine B-Klassen-Mannschaft der Ampertal-Dart-Liga nennt. Offensichtlich sind das bescheidene Sportler. Understatement ist Trumpf, wenn man sich Versuchsdarter, DC Planlos, Team Talentfrei oder Schöner Letzter nennt. Freilich sind auch hier nicht wirklich alle treffsicher. Verona’s Feldbusch ist nicht nur grammatikalisch, sondern in jedeer Hinsicht schwierig, das kann man drehen und wenden – womit wir bei Rotation Greiz wären, einem Ringerclub aus Thüringen, der selbst St. Wolfgangs Ringerpapst Albert Föstl vor Rätsel stellt. Denn eigentlich sind in diesem Kampfsport die alten Ritternamen en vogue: Armin München, Siegfried Hallbergmoos und Roland Hamburg zum Beispiel.

Die Wolfganger Ringer nennen sich übrigens Wölfe, was deutlich nahe liegender ist als die Tatsache, dass es ein Dutzend Eishockeyvereine gibt, die als Wölfe firmieren. Kurios: Beim ESV Gebensbach heißt der Nachwuchs Wölfe und Mini-Wölfe. Warum – das weiß in der ganzen Abteilung niemand, wie uns sehr gut unterrichtete Quellen verraten.

Naheliegender ist da schon der Kegelclub Alle Neune in Markt Schwaben. Aber auch in dieser Sparte gilt: Diese Sportler schauen über ihren Bahnenrand. Schon legendär sind die Duelle zwischen Ajax Aßling und Inter Aßling.

Womit wir wieder beim Fußball und unserer Forderung wären: Mehr Mut beim Vereinsnamen! Wenn die Niedergeislbacher Schützen einem Bierkönig aus Flandern huldigen, warum gibt’s dann nicht schon längst den Brombachus Erding oder Benno Scharl Grünbach. Der FC Eitting müsste sich gar nicht erst umbenennen (Fischerbräu-Club Eitting). Oho, Alkohol – nicht dem Sport angemessen? Dann halt was Modernes wie Falsche Neun Neuching, Dreierkette Dorfen, Abkippende Sechs Altenerding.

Wehmütig blicken wir in die 1980er zurück, als Michael Maidl den FC Cosmos und Gino Saletta den FC Azzurri Erding gründeten und zum FC Cosmos Azzurri fusionierten, ein nicht nur wegen seiner waghalsigen Trikots schillernder Verein, den es leider nicht mehr gibt. Aber wir haben Hoffnung: Seit diesem Jahr läuft als Türkgücü-Ableger der FC Intergrazione Erding in der C-Klasse auf. Namenstechnisch hat das wirklich die Klasse der Schützenvereine – nur treffen tun sie angeblich noch nicht so gut.

Aufrufe: 024.4.2022, 08:00 Uhr
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