Muhammed Esad Yüksel: "Mir ist Gerechtigkeit wichtig"

Der 23 Jahre alte Schiedsrichter spricht im Interview über das größte Spiel, spezielle Fair-Play-Aktionen und den VAR im Profibereich.

FuPa startet im Ruhrgebiet eine Interview-Serie mit unseren Männern an der Pfeife, denn verrückte Typen und bekannte Gesichter gibt es in den Kreisen natürlich auch unter den Schiedsrichtern. Diesmal erklärt Muhammed Esad Yüksel, warum er Schiedsrichter wurde, was ihn am Amateurfußball nervt oder wer der beste Schiedsrichter der Welt ist.
Wieso bist du Schiedsrichter geworden? Gute Frage. Ich habe seit meinem siebten Lebensjahr nahezu ohne Unterbrechung Vereinsfußball gespielt. Die Unterbrechungen waren am Ende des Tages der Grund, weshalb ich Schiedsrichter geworden bin. Ich habe einen Meniskusanriss und hatte mir mein Kahnbein am Handgelenk gebrochen, dort sitzt jetzt eine Schraube zur Fixierung. Außerdem habe ich mir mein Handgelenk selbst gebrochen - und das nicht nur einmal. Neben dem Grund, dass ich dem Fußball treu bleiben wollte, ist mir Gerechtigkeit in meinem Leben sehr wichtig. Was war das beste und größte Spiel, das du bisher gepfiffen hast? Als Assistent, als die U19 von Schalke 04 gegen die U19 vom FC Tokyo in Ückendorf, meinem Wohnort, gespielt hatten. Einerseits waren meine nicht so berauschenden Englisch-Kompetenzen gefragt und andererseits musste ich meinem Chef fragen, ob ich früher Feierabend machen darf. Außerdem waren dort Jahrgangskollegen bei Schalke, die ich aus der Schulzeit von der Gesamtschule Berger Feld kannte. Bereitest du dich auf die Spiele in irgendeiner Weise vor? Schaut man im Vorfeld, ob Spieler in dieser Saison einen Platzverweis erhalten haben?
Klar, ich denke, jeder Schiedsrichter bereitet sich auf eine Art und Weise vor. Ich gucke mir die Tabellensituation, die Aufstellungen oder auch die letzten Spiele an. Auch Sachen wie die Fairness-Tabelle, falls eine vorhanden ist. Außerdem besuche ich meistens vor den Spielen das Fitness-Studio. Des Weiteren schaue ich nach, ob FuPa zu meinem Spiel kommt. Die Kommentatoren-Qualität von Gökhan Negüzel (FuPa-Redaktion, A.d.R.) ist unstrittig. Erinnerst du dich an ein besonders kurioses Ereignis oder an eine spezielle Fair-Play-Aktion? Ja, man hat fast jede Woche irgendeine Art von Kuriositäten. Kurz nach dem ich Schiedsrichter wurde, hatte ich ein C-Jugend-Spiel in Erle auf dem Ascheplatz. Ich hatte auf den Punkt gezeigt. Große Reklamationen gab es nicht und trotzdem kam der Spieler zu mir und sagte, dass der Verteidiger den Ball gespielt hat. Ich fand und finde es auch nach rund vier Jahren immer noch bemerkenswert und vorbildlich von dem jungen Burschen. Hattest du schon mal Angst auf dem Platz? Leider ja. Nicht selten pfeife ich sogenannte "Risikospiele". Mit der Zeit wird man jedoch selbstbewusster.



Was nervt dich als Schiedsrichter auf oder neben dem Platz am meisten? Vorab möchte ich betonen, dass ich versuche, die richtigen Worte zu finden. Denn meist ist man sprachlos, wenn es um dieses Thema geht. Mich nervt der nicht vorhandene Respekt gegenüber Schiedsrichtern. Jeder, der schonmal gepfiffen hat, weiß, wie schwer diese Aufgabe ist. Ich gebe bei jedem Spiel alles, sowohl läuferisch als auch mit meinen Entscheidungen. Dies gilt auch für die Schiedsrichter, die ich kenne. Leider verstehen das einige nicht. Manchmal ist es nahezu unmöglich, die richtige Entscheidung zu treffen. Schiedsrichtergewalt sieht man bzw. hört man jede Woche und das muss endlich ein Ende haben. Andersherum habe ich das noch nie gehört. Der beste Spruch, der an dich gerichtet wurde, bei dem du selbst lachen musstest? Von einem Spieler in der Halbzeitpause lautstark vor den Kabinen: "Herr Schiedsrichter, Sie sind zu aggressiv." Wie bewertest du den VAR im Profibereich? Einerseits finde ich den VAR sehr gut und hilfreich, da es zu mehr Gerechtigkeit führt. Jedoch weiß jeder, der schon im Stadion war bei VAR-Entscheidungen, dass die Emotionen darunter leiden. Man kann sich nach einem Tor nicht so richtig freuen, aber ehrlicherweise auch bei einem Gegentor nicht so trauern. Kniffliges Thema, trotzdem bin ich pro VAR. Welche Regel würdest du ändern? Regeln würde ich nicht ändern. Ich würde härter gegen Unsportlichkeiten, Gewalt und Beleidigungen vorgehen, damit das endlich besser wird. Die Strafen sind viel zu milde. Wer ist oder war der beste Schiedsrichter der Welt? Antonio Mateu Lahoz und Cüneyt Cakir. Die Kommunikation mit Spielern und Mannschaftsverantwortlichen ist meines Erachtens überragend.
2267 Aufrufe2.3.2021, 06:12 Uhr
redAutor

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