– Foto: Marcel Junghanns

Wer geht wem ins Netz?

Das Wort "Derby" nimmt keiner der Beteiligten vor dem Spiel zwischen dem FC An der Fahner Höhe und dem FC Rot-Weiß Erfurt in den Mund.

Denn "das Derby" gibt es nur einmal - so die einhellige Meinung der Anhänger und Verantwortlichen des FC Rot-Weiß Erfurt. Dennoch verströmt das Thüringer Lokalduell eine gewisse Brisanz und Vorfreude - und zwar aus vielerlei Gründen...

Fahner Höhe
1:0
Erfurt

Grund 1: Spielrhythmus trifft auf Ungewissheit!

Während der FC An der Fahner Höhe die letzten Wochen entsprechend des Spielplanes gestalten konnte, bestimmte Corona und die Folgen das Geschehen in der Thüringer Hauptstadt. "Wir freuen uns, dass wir trainieren konnten und nun wieder am Spielbetrieb teilnehmen. Natürlich ist es keine einfache Situation für uns. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir da weitermachen wo wir vor vier Wochen aufgehört haben. Aber wir nehmen die Situation an", beschreibt RWE-Coach Manuel Rost die Ausgangslage für seine Mannschaft.

Auf der Gegenseite konnte Fahner Höhe das sportliche Zwischentief mit vier Punkten aus den letzten zwei Partien ohne Gegentor überwinden. Die defensive Stabilität des Saisonstartes kehrte zurück und damit auch wieder der Erfolg. "Mit den letzten drei Partien haben wir uns wieder das gute Gefühl erarbeitet. Wir haben konzentriert und hart unter der Woche trainiert und uns in den Spielen dann belohnt. Wir haben dadurch ein gutes Gefühl und das Momentum wieder auf unserer Seite", sagt Tobias Busse. Der Trainer macht deutlich, dass die Abwehrarbeit immer die Basis für seine Elf sein wird. "Wenn wir wenig Gegentore bekommen, nehmen wir auch was mit. Wir sind immer in der Lage das ein oder andere Tor zu machen. Das wird nicht nur der Schlüssel sein, wenn der Gegner Rot-Weiß Erfurt heißt", so der Fahner-Coach weiter. Auf die besondere Ausgangslage des Gegners, der seit dem 9. Oktober erstmals wieder ein Pflichtspiel bestreitet, will Busse nicht groß eingehen: "Das ist weder Vor- noch Nachteil. Wir gucken ausschließlich auf uns. Sie haben sicher den Rhythmus ein stückweit verloren, aber es ist eine professionelle Mannschaft. Sie haben ganz andere Strukturen und Möglichkeiten als andere Vereine in der Oberliga. Wir sind gut beraten uns nicht zu sehr an Erfurt zu orientieren. Ich bin mir sicher, dass im Fitnesszustand kein großer Unterschied zu sehen ist. Natürlich waren die letzten Wochen eine Einschränkung für sie. Aber sie werden konditionell nicht schlechter sein als wir."

Grund 2: Wiedergutmachung oder Wiederholungstäter?

Mal eben im Vorbeigehen drei Punkte in Dachwig mitnehmen, dürfte es für den FC Rot-Weiß Erfurt nicht geben. Die schmerzhafte Erfahrung einer Niederlage gegen den FC An der Fahner Höhe machte der Traditionsverein zuletzt am 23. Juni diesen Jahres im Pokal (1:2). "Erfurt hat sicher aus der Vergangenheit gelernt, wo wir unsere Stärken haben und gesehen, dass es nicht ganz einfach für sie wird", weiß Tobias Busse. Damit schlägt er in die selbe Kerbe wie sein Gegenüber Manuel Rost. "Im Pokalspiel damals sind wir ein stückweit an uns selbst gescheitert. Wenn wir uns auf ein emotionales Spiel mit vielen Zweikämpfen einlassen, kann es sehr schwer werden. Wir müssen den Fokus auf unser Spiel lassen und unsere Leistung bringen. Wenn wir das gepaart mit unserer Individualität einbringen, dann wird es wiederum unser Gegner schwer haben", beschreibt der RWE-Coach den Spielcharakter. Das Wort "Wiedergutmachung" nimmt er allerdings nicht in den Mund.

Tobias Busse will eben jenes intensive Spiel, macht aber auch deutlich dass trotz aller besonderen Begleitumstände es auch nur ein "ganz normales" Oberligaspiel ist. "Erfurt wird versuchen viel den Ball haben zu wollen. Das ist einfach ihre Ausrichtung. Ihre Spielidee bleibt die gleiche - über Ballbesitzfußball sollen Torchancen erspielt und genutzt werden. Wir müssen das im Gegenzug verhindern oder auf einem Minimalniveau begrenzen", so die Erwartungen von Busse zum Spiel am Samstagnachmittag (LIVE ab 13:30 Uhr im FuPa-TICKER).

Aufgrund der ungewissen Ausgangslage durch die lange Spielpause stellt Manuel Rost vor allem Sachen wir Leidenschaft, Einstellung und die Liebe zum Fußball für die Partie in Dachwig in den Vordergrund: "Wir müssen das Feuer entfachen und die einfachen Grundtugenden einbringen. Die Rahmenbedingungen mit Zuschauern, Gegner, kleiner Platz werden uns alles abverlangen. Wir müssen unsere Stärken einbringen und die Balance zwischen Aggressivität und Verschnaufpausen schaffen. Zudem wird die Effektivität wichtig sein."

Grund 3: Persönliche Verbindungen

Es gibt viele Querverbindungen zwischen den beiden Oberliga-Teams. Beim FC An der Fahner Höhe spielen zahlreiche Akteure, die das rot-weiße Gen noch in sich tragen. Spieler wie Robert Lischke, Jens Möckel oder Nick Walter haben eine enge Verbindung zu RWE. Auch Tobias Busse, dessen Frau Nadja auf der Geschäftsstelle des Gegners arbeitet, ist im Herzen ein stückweit Rot-Weiß. Doch jenes Herz wird während der 90 Minuten wohl nicht sehr intensiv für den FC Rot-Weiß Erfurt schlagen. "Viele von uns - auch ich persönlich - haben eine rot-weiße Vergangenheit. Sich in einem Ligaspiel mit RWE messen zu dürfen, ist für den Verein und Region schon besonders. Doch es ist auch ein ganz normales Oberligaspiel. Wir wollen die Punkte in Dachwig halten. Wir haben Respekt aber auch nicht mehr", sagt Busse zur besonderen Situation.

Was für ihn gilt, gilt andersrum auch für Manuel Rost. Denn der Erfurter Trainer ging den umgekehrten Weg. Er landete über den FC An der Fahner Höhe (als Spieler) irgendwann auf der Trainerbank des FC Rot-Weiß Erfurt. "Ich war selber dort Spieler und Vereinsmitglied und habe weiter Freunde dort. Es ist immer schön nach Dachwig zu kommen", so Rost.

Grund 4: Personelle Fragezeichen

In Sachen Personal dürfte auch eine gewissen Brisanz im Duell liegen. Nicht nur die vielen ehemaligen RWE-Kicker bei Fahner Höhe verströmen dies, auch die vielen Fragezeichen bei den Gästen. Ein stückweit hält sich hier Manuel Rost auch bedeckt, was die Situation für Samstag angeht. Wer ist fit und kann schon 90 Minuten durchpowern? Was der Trainer sagen kann ist, dass Tom Woiwod verletzungsbedingt definitiv fehlen wird. Auch Stammkeeper Luca Petzold wird wohl nicht dabei sein, nachdem sich bei Messungen der Herströme Auffälligkeiten zeigten, die im Krankenhaus gecheckt wurden. "Mehr möchte ich aber zur personellen Situation nicht sagen", so Rost abschließend.

Auf der Gegenseite wird definitiv Fabian Lopes mit einer Angina ausfallen. Weiterhin kann auch der Ex-Erfurter Marc Fleischhauer nicht mitwirken, den wieder einmal eine Verletzung ausbremst. "Sonst werden wir das Abschlusstraining abwarten und den Kader festlegen. Wie immer werden wir eine gute Truppe am Samstag in unsere Arena schicken und Erfurt einen heißen Tanz bieten", so Tobias Busse.

Aufrufe: 05.11.2021, 14:30 Uhr
FuPa ThüringenAutor

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