– Foto: Marcel Junghanns

Ein Punkt für die Moral

Als der sächsische Unparteiische nach quälend langer siebenminütiger Nachspielzeit – aus den zunächst angezeigten vier wurden aufgrund diverser Unterbrechungen knapp 420 Sekunden - da konnte man an den Reaktionen der Spieler auf dem Feld erkennen, was dieses 1:1 bedeutete.

Während man bei den diesmal in Grün angetretenen Rudolstädtern oft die Faust als Zeichen der Zufriedenheit sah, wirkte man im Erfurter Lager wohl eher ein wenig niedergeschlagen. Denn das Unternehmen Auswärtssieg unterhalb der Heideckburg des bis dato ungeschlagenen Spitzenreiters war nicht von Erfolg gekrönt.

BERICHT des FC Einheit Rudolstadt

Rudolstadt
1:1
Erfurt
„Wir hatten uns viel vorgenommen, wollten dieses Spiel gewinnen, haben uns aber schwer getan. Speziell in der 1. Halbzeit war das nicht nach unseren Vorstellungen“, sagte Fabian Gerber, der Mann aus dem Trainertrio Manuel Rost und Goran Misevic, der ein wenig überraschend zur Pressekonferenz erschien.

Vor 736 zahlenden Zuschauern, darunter mehr als 400 RWE-Fans, setzte der Gastgeber durch den stark spielenden Luiz Schack, der die Eingabe von Maximilian Schlegel um einen Tick verpasste, das erste Achtungszeichen (9.). Wenig später musste Georg Kaiser verletzungsbedingt den Platz verlassen (11.). Dadurch rückte der als Angreifer aufgebotene Kapitän Marco Riemer in die Innverteidigung und Benjamin Bahner bezog die Position im Sturmzentrum. Seine erste Ballberührung bedeutete schon das 1:0. Nach einem Eckstoß von Tom Krahnert köpfte er unhaltbar ein (13.). Doch die Freude über die Führung dauerte ganze sechs Minuten. Dann verlor Mattheusz Szymanski vor dem Strafraum den Ball, wobei sowohl die gesamten Einheit-Spieler als auch die Rudolstädter Anhänger einen Freistoßpfiff des Schiedsrichters erwarteten. Der blieb aus und Tom Woiwod nutzte das Durcheinander in der Hintermannschaft der Hausherren, um die Kugel aus elf Metern in die Maschen zu wuchten (19.).

Danach wurde es nicklich und der Referee, der am Ende insgesamt sieben Verwarnungen aussprach, hatte gut zu tun, um die Partie weiter im Zaum zu halten. Dann gab es auch wieder Torraumszenen, wobei sich beide Keeper, Max Bresemann (27.) und Luca Petzold (30.) auszeichnen konnten. Kurz vor dem Kabinengang hatte die Einheit bei einer Gelegenheit von Fatium Elezi Glück.

Mit Wiederbeginn entfachte der Gast viele Druck. Bei zahlreichen Gelegenheiten (46., 51., 52., 54., 55. und 60., 64.) verteidigte die Elf von Holger Jähnisch nach dessen Worten mit Glück und Geschick und einem Torhüter Max Bresemann, der sich das Prädikat Extraklasse verdiente, das Ergebnis. Man habe bei Erfurt umgestellt und hätte das 2:1 oder gar 3:1 machen müssen, befand Gerber. Aber er betonte auch: „Zwar war die Chancenverwertung erneut unser Problem, aber Kompliment an Rudolstadt für einen aufopferungsvollen Kampf. Sie haben sich diesen Punkt letztlich verdient, auch weil wir uns nicht besonders clever angestellt haben.“

Dabei hätte RWE die Begegnung, die im zweiten Abschnitt ruhiger wurde, sogar noch verlieren können. Aber George Seturidze traf einen Ball im Strafraum nicht richtig (72.) und der völlig freie Bahner setzte einen Kopfball nach einer Flanke von Nils Halbauer über den Kasten (86.)

Der Einheit-Coach Holger Jähnisch zog dieses Fazit: „Beim Spiel gegen den Ligaprimus, der ganz andere Voraussetzungen hat, wussten wir, was uns erwartet. Aber was mit Herz und aufopferungsvollem Kampfgeist möglich ist, das hat man gesehen. Was letzte Woche nicht geklappt hat, war heute besser. Wir sind am Ende mit etwas Lohnendem herausgegangen. Es war ein Punkt für die Moral. Max Bresemann hat uns mit zwei, drei sehr guten Paraden im Spiel gehalten. Ich hätte den Zähler vor dem Spiel unterschrieben. Nun bin ich glücklich und ich denke, wir haben mit dieser Partie, die uns Kraft und Körner gebracht hat, auch Corona aufgearbeitet.“

Aufrufe: 014.9.2021, 08:03 Uhr
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