Fola - Saarbrücken ist möglich, Beggen - Saarbrücken dürfte z.B. dagegen nicht in Luxemburg gespielt werden
Fola - Saarbrücken ist möglich, Beggen - Saarbrücken dürfte z.B. dagegen nicht in Luxemburg gespielt werden – Foto: Vera Steuer

Unfreiheit, Ungleichheit aber Brüderlichkeit?

Ein Kommentar zum Testspielchaos für unterklassige Vereine +++ zählen ausländische unterklassige Clubs mehr als luxemburgische?

Während unterklassige luxemburgische Fußballmannschaften Testspiele im Ausland bestreiten müssen, dürfen unterklassige ausländische Fußballmannschaften in Luxemburg zu Testspielen antreten. Ein Kommentar zur aktuellen Lage.

Unfreiheit

Für viel Polemik und Diskussionsstoff sorgte unlängst ein Facebook-Post von Käerjeng-Trainer David Zenner und damit verbundene Artikel in Teilen der luxemburgischen Presse über das weiter bestehende Spielverbot für Mannschaften aus den unteren Fußballligen, von der Ehrenpromotion bis zur letzten Klasse der Reserven sowie in den Ligen 2 und 3 der Frauen. Die Zahl der eingeschriebenen Mannschaften der letzten Saison (die Zahlen der kommenden Spielzeit liegen noch nicht vor) in diesen Klassen beträgt 224 Teams, ergo um die 4.000 erwachsene Spielerinnen und Spieler, die ihren Sport aufgrund der Gesetzeslage weiter nicht ausüben dürfen, zumindest nicht in Luxemburg. Im Vergleich: der luxemburgische Basketball verfügt z.B. insgesamt über gut 6.000 eingeschriebene Lizenzen.

Ungleichheit

Unterklassige luxemburgische Fußballvereine, die z.Z. nicht über die nötigen Kontakte ins Ausland oder über die finanziellen Mittel verfügen, um sich Fußballplätze im Ausland zu mieten, um ihre Testspiele auszutragen, werden in ihrer Saisonvorbereitung mindestens noch bis zum kommenden 15.Juli gegenüber den Vereinen benachteiligt, die über Möglichkeiten verfügen, im nahen Ausland zu spielen, wie es letztens z.B. bei den Partien Schifflingen – Differdingen und Niederkorn – Mamer möglich war. Wir wollen natürlich keinem dieser Vereine eine böse Absicht unterstellen, im Gegenteil, sie nutzen die sich bietenden Gelegenheiten und zeigen damit der aktuellen Gesetzeslage ihre Grenzen auf.

Eine Ungleichheit existiert aber auch was die Klassenzugehörigkeit von luxemburgischen und ausländischen unterklassigen Vereinen betrifft. War Folas letztes Testspiel gegen Saarbrücken noch gesetzlich legal, da es sich beim saarländischen Nachbarn um eine Profimannschaft handelt, auch wenn diese in der dritten deutschen Liga spielt („ils ne s’appliquent pas non plus aux sportifs d’élite déterminés en application de l’article 13 de la loi modifiée du 3 août 2005 concernant le sport et à leurs partenaires d’entraînement et encadrants, ni aux sportifs professionnels“), so muss die Frage erlaubt sein, ob es sich bei den Spielern der Eintracht Trier, die am Samstag bei Jeunesse Esch zu Gast war, um Vollprofis im legalen Sinne handelt, spielt Trier doch in der Oberliga, der fünfthöchsten deutschen Spielklasse. Hätte diese Begegnung nicht in Deutschland oder einem sonstigen Nachbarland Luxemburgs stattfinden müssen? Ein luxemburgischer Fünftligist, also ein Verein aus der 3.Division wie z.B. Schouweiler oder Wilwerwiltz, darf dagegen in Luxemburg kein Heimspiel bis mindestens zum 15.Juli bestreiten.

Brüderlichkeit

Zum Glück zeigen sich einige Vereine in Luxemburgs Nachbarregionen brüderlich und entgegenkommend. Im lothringischen Uckange liefen sowohl Mamer als auch Schifflingen als unterklassige luxemburgische Vereine zu Testspielen auf. Diekirch (D1) reiste ins belgische Aubange, wo man am Sonntag mit 3-4 den Kürzeren zog, Erpeldingen testete am Freitag bei der deutschen SG Nusbaum.

Solche Beispiele gibt es bestimmt noch mehr und sie zeigen, dass Fußball keine Grenzen kennt. Wenn man bedenkt, wie vehement sich die luxemburgische Politik vor einem guten Jahr zu Beginn der Pandemie gegen Grenzschließungen wehrte, so sind wir jetzt an einem Punkt, an dem die offenen Grenzen der Mehrheit der luxemburgischen Fußballmannschaften entgegenkommen, da diese in heimischen Gefilden weiter per Gesetz die Ausübung ihres Sports untersagt bekommen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Politik sich in den kommenden Wochen ebenfalls brüderlich zeigen wird und die Einschränkungen für unterklassige Sportteams nach dem 15.Juli aufhebt, ansonsten wird der zu Beginn dieses Artikels erwähnte Facebook-Artikel bestimmt Nachahmer finden.

Der Fakt, dass die FLF bereits eine schriftliche Beschwerde an das Sportministerium gerichtet hat, zeigt ebenfalls, dass es für 224 Teams so nicht mehr weitergehen kann!

Aufrufe: 05.7.2021, 13:00 Uhr
Paul KrierAutor

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