Wann wieder Fans in die Stadien dürfen scheint noch in den Sternen zu stehen
Wann wieder Fans in die Stadien dürfen scheint noch in den Sternen zu stehen – Foto: www.paulmedia.lu (Archiv)

Und was ist mit dem Sport?

Test-Konzerte in der „Rockhal“ und in Barcelona +++ Wie sieht es mit dem Sport aus?

National wie international werden Test-Events abgehalten, um verlässliche Daten in Sachen Covid-19-Infektionsrisiko im Rahmen von Veranstaltungen zu erhalten. Der luxemburgische Sport wurde dabei wohl wieder links liegengelassen. Ein Kommentar von Paul Krier.

Vielerorts fanden in den letzten Wochen Test-Events mit Zuschauern statt, so auch in Luxemburg aber vor allem auf internationaler Bühne. Beim WM-Qualifikationsspiel zwischen den Niederlanden und Lettland am 27.März waren 5.000 Zuschauer in der Amsterdam-Arena zugelassen, teilweise sogar ohne Mund- und Nasenschutz, Schnelltests und eine App wurden eingesetzt. Dies alles im Dienste der Forschung. (1)

Ebenfalls 5.000 Zuschauer waren bei einem Konzert in Barcelona zugegen, dies Ende April in einer Halle, die mit speziellen Belüftungsanlagen ausgestattet worden war. Nur Zuschauern mit negativem Corona-Test und FFP2-Masken wurde der Zutritt gewährt. Ergebnis: niemand hatte sich mit dem Virus während des Konzerts infiziert. (2)

In Esch/Alzette wurden im Februar ganze fünf kleine Veranstaltungen mit jeweils hundert Teilnehmern in der „Rockhal“ abgehalten. Mit Schnell- und PCR-Tests wurde das eventuelle Infektionsgeschehen überwacht. Man denkt nun darüber nach, die Kapazität bei solchen Test-Events auf 500 bis 1.000 Menschen zu erhöhen, sogar 5.000 Zuschauer seien denkbar. (3)

Wer dann dieser Tage die Snooker-Weltmeisterschaft verfolgt, dem dürfte nicht entgangen sein, dass im Crucible Theatre zu Sheffield ebenfalls wieder Zuschauer vor Ort waren. Dieses Experiment soll nicht nur Erkenntnisse für den Sport sondern ebenfalls für künftige Theatervorführungen liefern.

Last but not least wurden dem FC Hansa Rostock in der dritten deutschen Fußballliga ein Minimalkontingent von knapp unter tausend Fans bei Heimspielen im Ostseestadion zugestanden. Deutsche Forscher haben Mitte April die Einschränkungen für Sportler selber ebenfalls hinterfragt, mit der Aussage, dass sich Infektionen hauptsächlich in Innenräumen ereignen würden. (4)

Im luxemburgischen Sport sind Zuschauer dagegen weiterhin nicht zugelassen und seit einem halben Jahr dürfen nur die Eliteligen Wettkämpfe, sprich im Fußball Meisterschaftsspiele, austragen. Dass manche Vereine dabei eventuell auf der Strecke bleiben könnten, zeigte nicht nur die vor kurzem gescheiterte Fusion zwischen Tricolore Gasperich und der AS Luxemburg-Porto, wo die ASLP sich scheinbar in einer finanziellen Schieflage befindet. Bei RM Hamm Benfica, einem weitaus prominenteren Beispiel, kämpft man ebenfalls um jeden Cent und schleppt wohl Altlasten mit sich herum, die Covid 19 nun verschärfte.

Auch wenn das Sportministerium darauf verweist, dass bis Mitte April bereits 3,3 Millionen Euro an außerordentlichen Subventionsgeldern an die Verbände und Vereine geflossen seien (5), so zielt diese sicherlich gern gesehene Unterstützung teilweise am Zweck vorbei. Mit Geld kann man dem Risiko eines eventuellen Mitgliederschwundes nämlich nur bedingt entgegentreten.

In Zeiten, in denen manche auf Solidarität angewiesen sind, könnte es eventuell böse Konsequenzen als Folge der Corona-Krise geben, darf man den Gerüchten glauben schenken, dass ein scheinbar versprochener Solidaritätsfond für BGL-Ligue-Vereine, die sich nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren, dem Vernehmen nach auf sehr wackligen Füssen stehen würde.

Im Gegensatz dazu ist es immer wieder interessant zu lesen, dass die Lockerungen im Sport hauptsächlich den kommerziellen Sport wie z.B. Fitnesszentren o.ä. betreffen, nicht dagegen den Mannschafts- oder Breitensport, den aber um die 100.000 Menschen hierzulande betreiben.

Vereine haben vor dem politisch bedingten Stopp im vergangenen Herbst gezeigt, dass sie sehr wohl Teil der Lösung sein können, ähnlich wie der Horeca-Sektor Teil der Lösung sein könnte. Dass die Corona-Schnelltests ihren Sinn haben, zeigte sich nicht zuletzt in Wiltz und Hamm. Doch langfristige, statistische Auswertungen wurden noch immer nicht publik. Es bleibt also zu hoffen, dass die Politik den Sport nicht vergessen hat und dass man aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse Regeln erstellt oder anpasst und nicht nur das nahe Ausland nachahmt. Wenn man von den Bürgern – und ein Sechstel all dieser Einwohner sind auch Sportler – Eigenverantwortung verlangt, dann dürfen die Bürger auch von der Politik Eigenverantwortung erwarten, ohne sich hinter anderen Ländern mit andern Regeln zu verstecken!

Quellennachweise

Aufrufe: 1.5.2021, 07:45 Uhr
Paul KrierAutor

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