Keiner, der sich auf dem Platz wegduckt: Rainer Kappelmeier (Mitte) geht für den FC Ottering voran.
Keiner, der sich auf dem Platz wegduckt: Rainer Kappelmeier (Mitte) geht für den FC Ottering voran. – Foto: Paul Hofer

Rainer Kappelmeier: Nur noch wenige Schritte bis ins gelobte Land

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Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. Heute widmen wir uns in dieser Ausgaben dem Kapitän, Dauerbrenner und Fahnenträger des FC Ottering: Rainer Kappelmeier.

Wie das im Leben nun mal so ist: Irgendwann wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Mitglieder auf ihrem letzten Weg zu begleiten, selbst dafür ist Rainer Kappelmeier beim FC Ottering zuständig. "Ich bin auf Beerdigungen oft als Fahnenträger eingesprungen", erzählt der bald 33-Jährige. Seine berufliche Konstellation war dafür prädestiniert: "Ich habe fast zehn Jahre lang nur Nachtschicht gearbeitet, hatte also tagsüber Zeit, wenn die meisten anderen beruflich bedingt nicht verfügbar waren." Sich auch abseits des grünen Rasens zu engagieren, für Kappelmeier eine Selbstverständlichkeit. Der FCO ist für ihn mehr als nur ein Sportverein, bei dem er seinem Hobby nachgehen kann.


Zwei Wirtshäuser in Ottering: Was will man mehr?


Kappelmeier und Ottering - es hat früh gefunkt. "Ich komme eigentlich aus der Gemeinde Mengkofen, Puchhausen besser gesagt. Als kleiner Bub hat mich mein Papa damals mitgenommen zu den Spielen. Das war die glorreiche Otteringer Zeit in der Landesliga. Von da an stand für mich fest: Hier will ich auch Fußball spielen." Einen Großteil seines Lebens hat er in Ottering verbracht. Was hat der Verein bzw. der Ort, was andere nicht haben? "Da fällt mir zunächst ein, dass es zwei Wirtshäuser gibt. Das ist für einen kleines Dorf auch nicht mehr alltäglich", muss er lachen.

– Foto: Alfred Brumbauer


Die mit einem Augenzwinkern versehene Antwort beschreibt Rainer Kappelmeier schon ganz gut. Er ist am liebsten mittendrin - und vor allem da, wo`s auch gerne mal ein weniger deftiger und derber zur Sache geht. In der Herzkammer des Amateurfußballs, wo Frotzeleien und Sticheleien Hochkonjunktur haben. "Mir taugt das einfach. Du gehst in die Wirtshäuser rein und wirst von sämtlichen Leuten angesprochen. Mal gibt`s einen Schulterklopfer und ein Freibier, mal gibt`s einen Spruch à la: Was habt ihr heute wieder für Mist gespielt? Die Diskussionen nach den Spielen, das muss sein. Es gefällt mir, sich der Kritik zu stellen." Wegducken ist seine Sache nicht.


Bekenntnis zur sportlichen Heimat: Hausbau in Ottering.


Künftig wird der Otteringer Kapitän noch näher am Epizentrum des Vereinslebens dran sein. Im Moment lebt er noch in Puchhausen - aber das wird sich bald ändern. "Ich habe einen Baugrund in Ottering bekommen. Das ist schon ein Highlight für mich. Nächstes Jahr im Frühjahr ist Baubeginn", verrät er schmunzelnd. Ein Bekenntnis auch zu seiner fußballerischen Heimat. "Ich werde für keinen anderen Verein mehr spielen", stellt er klar. Warum auch? "Ich würde von mir behaupten, dass ich ein guter Kreisklassen-Spieler war und bin. Wahrscheinlich nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daher passt das in Ottering schon ganz gut. Der talentierteste Kicker war ich nie, aber laufen und kämpfen, das kann", grinst er. Sein kämpferisches Naturell ist prädestiniert für die Rolle als Spielführer, die Binde macht ihn auch optisch zum Otteringer Anführer. "Kann schon auch mal sein, dass ich auf dem Platz lauter werde. Ich übernehme gerne Verantwortung."

– Foto: Charly Becherer


Sein Kapitänsamt nimmt er sehr ernst, seiner Vorbildfunktion ist er sich bewusst. "Ich bin bestimmt in 90 Prozent aller Trainingseinheiten", hebt er hervor. Immer ist es ihm nicht möglich, seit einem Jahr arbeitet er im Wechsel von Früh- und Spätschicht. Übrigens, am Sonntag war nach gefühlt einer Ewigkeit Trainingsauftakt in Ottering. "Es hat mir brutal gefehlt. Durch Corona ging mir ein Jahr verloren. Was nicht unerheblich ist, weil ich auch demnächst schon 33 werde. So lange es geht, will ich es jetzt umso mehr genießen, auf dem Platz zu stehen." Just in dieser Woche nimmt er eine berufliche Weiterbildung in Angriff. In Landshut will er sich sechs Monate lang zum technischen Fachwirt ausbilden lassen. Das bringt für ihn einen angenehmen Nebeneffekt mit sich, wie er lachend wissen lässt: "Das trifft sich gut. Dann kann ich nämlich in jedes Training gehen."

Nach der aktiven Laufbahn spekuliert er damit, ins Trainergeschäft einzusteigen. "Ich habe bei uns schon die D- und B-Jugend mittrainiert. Ich könnte mir schon vorstellen, dass ich mal eine Jugendmannschaft coache." Aber egal was kommt, dem FCO will er erhalten bleiben: "In welcher Funktion auch immer. Ohne Fußball geht`s nicht." Und in nicht allzu ferner Zukunft kann er sein persönliches gelobtes Land sogar zu Fuß erreichen.

Aufrufe: 09.6.2021, 08:15 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor