Zur Goldenen Generation des FC Ottering gehörte Hans Viehbeck (unten v.r.) genauso wie Herbert Hainer, nun Boss beim FC Bayern München.
Zur Goldenen Generation des FC Ottering gehörte Hans Viehbeck (unten v.r.) genauso wie Herbert Hainer, nun Boss beim FC Bayern München. – Foto: FC Ottering

Ottering in Liga 4 - da wurde selbst Bayern-Boss Hainer zur Nebensache

1983/84 spielte der FC Ottering in der damals viertklassigen Landesliga +++ Bayern-Boss Herbert Hainer Teil der Aufstiegsmannschaft +++ Vorstand Michael Huber und Top-Spieler Hans Viehbeck erzählen

Der eintägige Höhepunkt hat bereits knapp drei Jahre vor dem einjährigen Highlight stattgefunden. Nachdem der FC Ottering 1980 den niederbayerischen Pokal erringen konnte, durfte der kleine Verein aus dem Landkreis Dingolfing-Landau am DFB-Pokal teilnehmen. Zwar unterlag das Team um die Gebrüder Strohmeier am 30. August des Jahres mit 0:2 beim RSV Würges im Raum von Wiesbaden, dennoch wird diese Partie vor 1.500 Zuschauern in der 700-Seelen-Gemeinde aufgrund seiner Einzigartigkeit für den gesamten ostbayerischen Raum für immer in Erinnerung bleiben.

Vor bald 41 Jahren wussten die Spieler, Funktionäre und Fans des heutigen Kreisklassisten allerdings noch nicht, das Jahre folgen sollten, die als Großes und Ganzen unvergesslich bleiben sollten - und das Pokalspiel hier nur eine von vielen Stationen ist. Erahnen jedoch ließ es sich zum Start der 80er sehr wohl, dass das Team um den damals noch jungen Torjäger Hans Viehbeck, der später in Landshut und Straubing ein weitum geachteter Fußballer werden sollte, von sich Reden machen wird. Denn bereits zehn Jahre zuvor zeichnete sich ab, dass im Ortsteil der Gemeinde Moosthenning eine Goldene Generation heranwächst.

"1972 wurde in Ottering eine Schülermannschaft gegründet, die das Grundgerüst der späteren Erfolgsmannschaft bildete", blickt Hans Viehbeck zurück, der selber dieser Truppe angehörte und noch heute ins Schwärmen gerät, wenn er an damals denkt: "Wir waren positiv Verrückte, Besessene. Es wurde offiziell nur zweimal pro Woche trainiert. In Wahrheit haben wir uns aber jeden Tag auf dem Sportplatz getroffen." Die junge Otteringer Garde war so gut, dass sie in ihrer Gesamtheit die damalige Sondergenehmigung erhielt - und die 17-jährige Burschen 1977/78 den Aufstieg in die Bezirksliga schafften.

Die Rolle von Trainer Arpad Medve



Der seinerzeit größte Erfolg der 1948 beginnenden Vereinsgeschichte war aber nicht Anlass dazu, sich auszuruhen. Eben weil die Mannschaft um den Ausnahmefußballer Waldemar Moniker, so war, wie sie war: Ehrgeizig, talentiert und erfolgsbesessen. Das i-Tüpfelchen in dieser ohnehin vielversprechenden Gemengelage war dann noch der Trainer - Arpad Medve (1917-2001). Der ungarische Außenläufer war während seiner aktiven Karriere u.a für Hauzenberg, Straubing und Plattling aktiv. Später trainierte er Zwiesel, Waldhof Mannheim, Pforzheim - aber auch den FC Ottering.

Der Magyare war nicht nur Übungsleiter im damaligen Sinne, sondern auch Bezugs- und Respektsperson, eine Art Vater, für das junge Team. "Er war immer verfügbar. Und die ein oder andere Flugkopfball-Einheit in einer Sandgrube war normal", erinnert sich Hans Viehbeck. Es war eine harte Schule unter Medve, der wie zu diesen Zeiten üblich vor allem Disziplin, Ehrgeiz und Fleiß predigte - der aber auch das nötige Fachwissen mitbrachte. Und er sorgte für nachhaltigen Erfolg. 1983 stieg der FC Ottering unter seinem Nachfolger Heinz Lehner in die seinerzeit viertklassige Landesliga auf - als Meister der Bezirksliga, der über die gesamte Spielzeit nur zwei Niederlagen hinnehmen musste. Gegen den SV Saal, der vom jungen Karsten Wettberg trainiert und am Ende Vizemeister wurde, setze es die verkraftbaren Schlappen. Zum Derby gegen Dingolfing in dieser Spielzeit säumten sage und schreibe 4.000 Zuschauer den Sportplatz.

Zwei der Hauptakteure der Otteringer Erfolgsgeschichte: Trainer Arpad Medve (links) und Torjäger Hans Viehbeck.
Zwei der Hauptakteure der Otteringer Erfolgsgeschichte: Trainer Arpad Medve (links) und Torjäger Hans Viehbeck. – Foto: Archiv Viehbeck


Teil der Aufstiegsmannschaft waren nicht nur der vorher genannte Jahrgang von 1972, sondern auch ein Student namens Herbert Hainer, der damals noch den Traum vom Profifußball lebte und für Ottering stürmte. Später erkannte der gebürtige Dornwanger jedoch, welche noch größeren Talente er hat. Er wurde Adidas-Chef und ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München. Seine Zeit im Trikot des FCO sollte aber insgesamt nur eine Randnotiz werden - zu groß war die Landesliga-Geschichte des Vereins an sich bereits.

Und zu hochkarätig besetzt war das Team insgesamt. "Praktisch in jedem Haus im Dorf war ein Bub, der Fußball gespielt hat - und das nicht schlecht. Das war einzigartig und lässt sich nicht mehr wiederholen", macht Hans Viehbeck, der noch heute im Ort wohnt, deutlich. Dass Ottering trotz einer respektablen Spielzeit nur ein Jahr die Landesliga halten konnte, war letztlich irgendwie klar und kein Beinbruch für den Verein. Auch dass Leistungsträger wie eben Viehbeck, Erwin Guggenberger (ging zum TSV Straubing) oder Hans Strohmaier (wechselte zum damaligen Zweitligisten SpVgg Bayreuth) den Fußballclub nach der Rückkehr in die Bezirksliga verließen, wurde ihnen nicht übel genommen - man war vielmehr stolz auf sie, denn sie trugen die Otteringen Fußballbegeisterung hinaus in die bayerische Fußballwelt.



Dass dieses Wunder Realität wurde, ist darin begründet, dass alle der 700 Einwohner zusammenhielten (auf und neben dem Platz) und überrascht insofern, weil zu Viertliga-Zeiten ein 27-jähriger Newcomer die Führung des Vereins für zwei Jahre übernahm. "Ich bin ja Vereinswirt und bei mir hat immer die Hauptversammlung stattgefunden. 1983 hat sich kein Vorsitzender gefunden, deshalb habe ich übernommen", blickt Michael Huber zurück. Was heute wohl für Schlagzeilen sorgen würde, war damals keine besondere Erwähnung wert. Selbst der heute 60-Jährige spielt sein Engagement herunter.

"Irgendwie war es ja so, dass ich zwar das Sagen hatte, es aber viele, viele Menschen gab, die mich unterstützt haben. Michael Brunner, mein Stellvertreter, sei an dieser Stelle zuvorderst genannt", verdeutlicht der Gastronom, der in Mönchengladbach geboren wurde, Borusse mit Haut und Haar ist, während der Ausbildung zum Metzger in Landshut aber der Liebe wegen in Niederbayern hängen geblieben ist. Obwohl Huber bis auf sein dreijähriges Intermezzo als Vereinschef "nur" weitere Jahre Betreuer beider Herrenmannschaften war, ist die Geschichte des FC Ottering eng mit seinem Namen verbunden - und umgekehrt.

Der Anfang - der Aufstieg in die Bezirksliga (hinten v.l.): Trainer Arpad Medve, Franz Ramet, Fridolin Moniker, Hans Weichselgartner, Manfred Köcher, Otto Altendorfer, Hubert Protschka, Erwin Guggenberger, Alfons Strohmaier, Vorstand Christian Fischer, (vorne v.l.) Manfred Schütz, Wolfgang Köcher, Hans Viehbeck, Franz Troffer, Hans Fellinger, Waldemar Moniker, Richard Hatzl, Manfred Protschka, Franz Schneil, Reinhold Protschka und Willi Baumgartner.
Der Anfang - der Aufstieg in die Bezirksliga (hinten v.l.): Trainer Arpad Medve, Franz Ramet, Fridolin Moniker, Hans Weichselgartner, Manfred Köcher, Otto Altendorfer, Hubert Protschka, Erwin Guggenberger, Alfons Strohmaier, Vorstand Christian Fischer, (vorne v.l.) Manfred Schütz, Wolfgang Köcher, Hans Viehbeck, Franz Troffer, Hans Fellinger, Waldemar Moniker, Richard Hatzl, Manfred Protschka, Franz Schneil, Reinhold Protschka und Willi Baumgartner. – Foto: Archiv Viehbeck


Im Gespräch über frühere Zeiten blüht der Wahl-Bayer regelrecht auf. Zeitungsartikel der damaligen Zeit hat er akribisch archiviert. Während des Telefonats, das Grundlage dieses Berichtes ist, mischt auch seine Frau im Hintergrund bei den Erzählungen munter mit. Der FCO gehört zu seinem Leben und zu seiner Familie. Das wird deutlich. "Höchstachtung an alle, die damals in irgendeiner Form beteiligt waren. Ein Märchen wurde damals Wirklichkeit."

Aufrufe: 027.1.2021, 08:00 Uhr
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