"Viel Überzeugungsarbeit" muss Manuel Kammerl beim FC Niederwinkling leisten, um das Thema "Amateurfußball" wieder positiver darzustellen.
"Viel Überzeugungsarbeit" muss Manuel Kammerl beim FC Niederwinkling leisten, um das Thema "Amateurfußball" wieder positiver darzustellen. – Foto: Harry Rindler

»Keiner versteht, warum der BFV keinem Saisonabbruch zustimmt«

Der FC Niederwinkling im Kreisliga-Check zum Re-Start in Niederbayern

FuPa befragt zum Re-Start des Amateurfußballs in Niederbayern seine Kreisligavereine nach der aktuellen Gefühlslage. Der 2. Vorstand des FC Niederwinkling, Manuel Kammerl (38), steht dabei Rede und Antwort und macht keinen Hehl daraus, dass er mit den Entscheidungen des BFV alles andere als einverstanden ist.

FuPa: Wie war die extrem lange Fußballpause für euch?
Manuel Kammerl: Da wir ein sehr familiärer Verein sind, fehlt uns der Fußball natürlich sehr. Von Montag bis Freitag finden normal von der G-Jugend bis zur AH-Mannschaft jeden Tag Trainingseinheiten statt. Dass überhaupt kein Betrieb mehr stattfindet, ist eine sehr traurige Situation.

Welche Ideen habt ihr entwickelt bzw. wurden umgesetzt, um die finanziellen Einbußen durch den ausgefallenen Spielbetrieb auszugleichen?
Da wir sehr gut in den letzten Jahren gewirtschaftet haben im Verein, sind wir nach wie vor in einer sehr guten Verfassung. Nichtsdestotrotz mussten auch wir, wie wahrscheinlich alle Vereine die Trainergehälter aussetzen. Aktuell ist alles auf 0 gestellt, außer bei unserm Platzwart, der natürlich Woche für Woche fleißig seine Runden dreht. Zudem werden wir immer von unserer Gemeinde unterstützt. Unser Bürgermeister hat immer ein offenes Ohr für alle Vereine im Dorf, so kommt jeder einigermaßen durch die missliche Situation. Mehr noch: Dank der Gemeinde konnten wir die Zeit jetzt nutzen und beide Sportplätze auf den neuesten Stand bringen.

Welchen Einfluss hat die kürzlich getroffene Entscheidung des BFV die Saison 2020/21 ausfallen zu lassen auf euer Team / euren Verein?
Aktuell ist das Thema groß bei uns im Verein, sei es bei Spielern oder Fans. Keiner versteht, warum der BFV keinem Saisonabbruch zustimmt. Auch persönlich ärgere ich mich immer öfter über die Vorgehensweisen vom BFV, bei denen ich leider nicht nachvollziehen kann, warum so gehandelt wird. Wir werden uns zu dem Thema aber nicht weiter äußern. Zum einem kann man ohnehin nichts machen, zum andern müssen wir jetzt natürlich viel Kraft und Überzeugungsarbeit leisten, damit wir grundsätzlich das Thema „Amateurfußball“ im Vereinen positiv verkaufen. Dass wir Spieler halten und überzeugen müssen, damit sie weiter Sonntag für Sonntag Fußball spielen und die Zeit für den Verein und nicht für die Familie opfern, wird sowieso immer schwieriger bis unmöglich. Viele wissen jetzt, wie es auch ohne Fußball und Stress am Sonntag ist, und dass sie dadurch mehr Zeit für die Familie haben.



Sprich: es wird für euch jetzt enorm schwierig eine 2. Mannschaft stellen zu können?
Ja. Ein Zweite Mannschaft zu haben, ist für die erste Mannschaft sehr wichtig, aber auch für den Verein und das Vereinsleben. Unserer Einschätzung nach wird es aber in Zukunft nicht mehr viele geben. Wir werden aber alles dafür tun, die Tradition im Verein zu erhalten. Des Weiteren investieren wir auch jetzt nicht in überbezahlte Spieler, sondern versuchen zukunftsorientiert zu denken, uns mit guter Jugendarbeit und einem gesunden Vereinsleben über Wasser zu halten und so auch dem „Amateurfußball“ seinen Sinn wieder zu geben.

Habt ihr den Trainingsbetrieb schon wieder aufgenommen?
Aktuell erarbeiten wir im Ausschuss ein Konzept, wie wir`s wieder angehen könnten. Bei den Kleinen wird es am schwierigsten. Da sind wir uns auch einig, dass wir erst wieder anfangen, wenn Schulen und Kindergärten im normalen Betrieb laufen. Es ist eben sehr schwierig, mit den Auflagen einen Trainingsbetrieb mit Kindern zu gestalten. Zudem müssen wir alle ehrlich sein, was Trainer und Betreuer angeht. Ihnen noch mehr Aufgaben und Verantwortung zu übertragen, ist aktuell nicht der richtige Weg. Auch bei den Senioren müssen wir uns als Verein organisieren, damit ohne Bedenken eine Trainingseinheit abgehalten werden kann. Sobald es möglich ist und vor allem wenn es auch wieder eine Sinn ergibt, werden wir mit dem Training starten. Dazu spielen eben verschiedene Faktoren wie der BFV, Politik, usw. eine große Rolle. Jedoch wird es vor Juli kein Training geben.

»Wie und was der BFV entscheidet, sollte wirklich mal von allen Vereinen hinterfragt werden.«

Gibt es zum Re-Start der Liga personelle Veränderungen? Einen neuen Trainer, Zu- oder Abgänge?
Unser aktueller Kader bleibt unverändert. Mit den beiden Trainern Marco Berger und Michael Henke sind wir aktuell sehr gut besetzt. Wie und wann wir mit unserem neuen Co-Trainer Jürgen Schätz rechnen können, oder ob Nobert Kammerl seine neuen Aufgaben in Niederalteich beginnen kann, müssen wir die nächsten Wochen klären.

Welches Ziel verfolgt ihr noch für die restliche Saison?
Sollte es wirklich ab 01.09.2020 weitergehen, werden wir alles dafür tun, dass wir die Kreisliga halten. Aber es bleibt trotzdem das große Fragezeichen wie es mit einem normalen Fußballnachmittag klappen soll.

Was brennt euch unter den Nägel? Was sollte unbedingt einmal thematisiert werden?
Das ganze Thema aktuell, wie und was der BFV entscheidet, sollte wirklich mal von allen Vereinen hinterfragt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle mit der momentanen Situation wirklich zufrieden sind und wirklich alle Vereine aus den unteren Ligen die Meinung vom BFV teilen. Doch letztendlich bleibt wohl immer der gleiche Satz am Schluss stehen: „Wos sois, mir kema ja eh nichts dagegen machen!“




Aufrufe: 024.6.2020, 14:00 Uhr
Andreas SantnerAutor

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