Jürgen Fellberg (re.) muss in Niederwinkling nach zweieinhalb Jahren seinen Hut nehmen.
Jürgen Fellberg (re.) muss in Niederwinkling nach zweieinhalb Jahren seinen Hut nehmen. – Foto: Harry Rindler

Ernüchterung nach Aufstieg: Winkling zieht die Reißleine

Jürgen Fellberg (45) muss beim Straubinger Kreisliga-Neuling FC Niederwinkling nach nur vier Zählern aus den ersten elf Partien seinen Posten räumen

Vier Monate nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte ist in Niederwinkling Ernüchterung eingekehrt. Freilich, von Anfang an war klar, dass sich der FCW in der starken Kreisliga Straubing sehr schwer tun würde, aber nur vier Pünktchen nach elf Partien sind dann doch gar ein bisschen wenig für die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Manuel Kammerl. Die schwache Vorstellung im Kellerduell zuhause gegen den 1. FC Viechtach brachte das Fass nun zum Überlaufen. Nach der 1:4-Pleite muss Aufstiegstrainer Jürgen Fellberg nach zweieinhalb Jahren in Niederwinkling seinen Posten räumen. Bis zur Winterpause wollen die "Winkliger" mit einer internen Lösung weitermachen, wie die genau aussehen soll, darüber werden sich Kammerl und sein Pendant Stefan Wanninger (30), der neben seinen Aufgaben auf dem Rasen auch für die sportliche Ausrichtung zuständig ist, in den kommenden Tagen den Kopf zerbrechen.

Im Kellerduell gegen Viechtach hatte sich der FCW den zweiten Saisonsieg fest vorgenommen. Doch die 1:4-Niederlage glich einem sportlichen Offenbarungseid. "Nach der katastrophalen Mannschaftsleistung mussten wir reagieren. Die Vereinsspitze war sich einig, dass wir die Reißleine ziehen müssen", meint Manuel Kammerl. Der Niederwinklinger Kaderplaner gibt zu, dass allen klar war, "dass wir in eine harte Saison gehen". Die notwendige Blutauffrischung nach dem Aufstieg blieb aus, weshalb Fellberg keine großen Vorwürfe zu machen sind, wie Kammerl bestätigt: "Leider ist es uns nicht gelungen, ohne Geld die nötigen Verstärkungen für die Kreisliga zu finden. Zudem mussten einige Leistungsträger aus dem Aufstiegskader wegen privater oder gesundheitlicher Gründe kürzertreten. Das hat eben die Arbeit von Jürgen nicht leichter gemacht. Am Ende ist der Trainer das schwächste Glied in der Kette. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Jürgen für die immer ehrliche und saubere Zusammenarbeit bedanken. Zudem haben wir es ihm zu verdanken, dass wir Vereinsgeschichte geschrieben haben."

Trainerfrage soll zumindest bis zur Winterpause intern geregelt werden.

Nun ist guter Rat teuer, mit nur vier Punkten liegt die Mannschaft abgeschlagen am Tabellenende der Kreisliga Straubing, der Kontakt zum rettenden Ufer ist bereits abgerissen. Kammerl nimmt sich und das Team in die Pflicht: "Wir als Vereinsspitze, aber auch die Mannschaft stehen jetzt in der Verantwortung, das Beste aus der Scheißsituation zu machen. Ich werde zusammen mit Stefan Wanninger versuchen, eine geeignete Lösung bis zur Winterpause zu finden. Das werden wir wahrscheinlich intern regeln." Mit emotionalen Worten appelliert Kammerl an den Kampfgeist der Truppe: "Wir müssen jetzt die Kräfte bündeln. Dazu braucht es von jedem Spieler, sei es erste oder zweite Mannschaft eine hundertprozentige Einstellung, das erwarte ich jetzt von beiden Mannschaften. Wenn wir am Schluss alle sagen können, wir haben alles gegeben und versucht, dann bin ich zufrieden. Wir als FCW bleiben auch in dieser harten Zeit standhaft." Der von seinem Amt entbundene Jürgen Fellberg nimmt das Ende der Liaison sportlich: "Ich möchte mich beim Verein für die fast dreijährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken. Ich habe in Niederwinkling von allen Seiten tolle Unterstützung erfahren. Auch die Arbeit mit den Spielern war angenehm."

Allerdings möchte Fellberg auch herausgestellt wissen: "Nachdem wir gemeinsam den größten Erfolg der Vereinsgeschichte geschafft haben, wurde es leider versäumt, sich auf die neue Herausforderung vorzubereiten. Normalerweise verstärkt man sich für eine höhere Liga, wir haben zwei Führungsspieler und einen Stammspieler verloren. Hätte ich nur auf meinen persönlichen Erfolg geschaut, hätte ich zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit beenden müssen, weil mir klar war, dass die Liga mit diesem Kader nicht zu halten ist. Das habe ich auch offen geäußert und der Verein gab mir zu verstehen, dass es dann eben wieder runter geht." Fellberg wollte aber den Verein nicht im Stich lassen, wie er beteuert: "Mir sind die Menschen im Verein ans Herz gewachsen, aber es war für uns Woche für Woche ein harter Kampf, 14 Spieler für das Aufgebot zu finden. Es war nie möglich, eine eingespielte Formation zu finden. Die sportliche Bilanz spricht für sich und ich kann die Entscheidung nachvollziehen, obwohl ich mir natürlich ein anderes Ende gewünscht hätte."





Die Chronik des FC Niederwinkling der vergangenen Jahre:

SaisonLigaPlatzBilanzTrainer 19/20 KL Straubing 14. 1 - 1 - 9 Fellberg, Jürgen 1S - 1U - 9N 18/19 KK Straubing 2. 18 - 2 - 6 Fellberg, Jürgen 18S - 2U - 6N 17/18 KK Straubing 7. 12 - 4 - 10 Fellberg, Jürgen 12S - 4U - 10N 16/17 KK Straubing 6. 9 - 5 - 10 Bayerl, Josef 1S - 0U - 1N Höltl, Hans Jürgen 1S - 1U - 0N Fellberg, Jürgen 5S - 1U - 3N 15/16 KK Straubing 4. 11 - 6 - 9 Bayerl, Josef 11S - 5U - 9N 14/15 KK Deggendorf 8. 12 - 4 - 10 Kammerl, Norbert 12S - 4U - 10N





Aufrufe: 030.9.2019, 16:20 Uhr
M.Willmerdinger / twiAutor

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