Keeper mit Kultstatus: Markus Fuchs vom FC Niederwinkling.
Keeper mit Kultstatus: Markus Fuchs vom FC Niederwinkling. – Foto: Harry Rindler

Das Unikat aus Niederwinkling: »Dem Dicken hauen wir die Kiste voll«

Helden der Kreisklasse: FuPa erzählt die Geschichte von Kickern, die Sonntag für Sonntag Fußball leben

Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. Heute kommt Markus Fuchs vom FC Niederwinkling zu Wort.

Wären wir jetzt päpstlicher als der Papst, dürfte Markus Fuchs in dieser Serie gar nicht auftauchen. Ist er doch mit seinem FC Niederwinkling nach dem Aufstieg 2019 erstmals in der Kreisliga unterwegs. Zuvor hechtete der beleibte wie beliebte Keeper aber acht Jahre lang durch die Strafräume der Kreisklasse, was uns an dieser Stelle ein Auge zudrücken lässt. Der bald 30-Jährige ist im Raum Straubing / Deggendorf bekannt wie ein bunter Hund. Bei den Nachbarvereinen in Schwarzach, Degernbach oder Mariaposching ist er regelmäßig ein gern gesehener Gast. Dann greift er nicht selten zum Handy, denn eine Leidenschaft hat er für sich entdeckt: den FuPa-Liveticker! "Das gefällt mir. Mein Ziel ist es, den Leuten eine Gaudi zu bereiten", schmunzelt er verschmitzt. Da ist es dann mitunter auch wichtiger, wer sich am Kiosk gerade mit einer frischen Ladung Weißbier versorgt. Solch brandheiße Updates gibt er dann selbstverständlich auch an die Tickerleser weiter.

– Foto: Stefan Ritzinger

Durch seine unkomplizierte, kommunikative und lockere Art kommt er auf den Sportplätzen der Region gut an. "Ein bissl ein Schmatz geht immer", lacht er. Und wer ihn doch nicht kennt, wird ihn kaum übersehen können. Ein Strich in der Landschaft war er noch nie. "Bei Auswärtsspielen wird schon mal getuschelt: Was will der Fettsack da im Tor? Dem Dicken hauen wir schön die Kiste voll", nimmt er die wenig schmeichelhaften Kommentare der Konkurrenz mit Humor. Spätestens nach den 90 Minuten erntet die Nummer 77 aber meistens anerkennenden Respekt. Für seine Statur ist er erstaunlich flink und reaktionsschnell unterwegs. Nicht selten bringt er mit tollen Paraden die Gegner zur Verzweiflung. Mit der für einen Schlussmann ungewöhnlichen Rückennummer hat es übrigens folgendes auf sich: "Ach, das ist eigentlich keine große Sache. Die Sieben war so lange ich als Feldspieler agiert habe meine Lieblingszahl. Das war bis zur C-Jugend. Dann bin ich ins Tor. Weil aber für einen Torwart die Sieben eher unpassend ist, habe ich einfach die 77 daraus gemacht."

»Ich bin schon ehrgeizig, aber ich mag mich halt einfach nicht schinden.«

Markus Fuchs ist ein starker Keeper. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Was wäre wenn? "Ja, ja, ich weiß. Ich habe mir tatsächlich auch schon öfters Gedanken gemacht. Es hätte mich schon mal gereizt, auszuloten, was sportlich möglich wäre. Aber ich sag's mal so: Ich bin schon ehrgeizig, aber ich mag mich halt einfach nicht schinden. Und kommt mir bitte nicht mit Dauerläufen. Für was soll ich denn 10 oder 15 Kilometer laufen?", fragt er schmunzelnd und plaudert weiter: "Wir hätten für die Zeit der Pause individuelle Läufe absolvieren sollen. Ja genau! Ich habe gesagt, dann bräuchte ich zwei Wochen Urlaub, so fertig wäre ich." Fuchs ist ein unterhaltsamer Zeitgenosse. Und er liebt es, nach den Spielen noch auf ein paar Bierchen sitzen zu bleiben. "Schon allein deswegen könnte ich eigentlich nicht woanders spielen. Ich dürfte nach keinem Spiel mehr nach Hause fahren", lacht er und wird fast sentimental: "Die Leute im Verein, ob jung oder alt, sind fast wie eine Familie für mich."

Nebenbei 2. Liga - als Vorstand der Eisschützen.

Markus Fuchs auf den sportlichen Wert für die Mannschaft reduzieren zu wollen, würde ihm in keiner Weise gerecht werden. Der kernige Niederbayer zählt zu jenen Menschen, die das gesellschaftliche Leben auf dem Dorf entscheidend mitprägen und mitgestalten. Auf Fuchs ist nicht nur beim FCW Verlass. Zudem steht er als Vorstand an der Spitze der Eisschützen des EC Welchenberg, in seinem Heimatweiler rund zwei Kilometer von Niederwinkling entfernt. Und man kann wahrlich nicht behaupten, er würde das schlecht machen. "Letztes Jahr sind wir mit unserer ersten Mannschaft in Deggendorf in die zweite Liga aufgestiegen. Jetzt um diese Zeit wäre normal der Ligastart in Ruhpolding auf dem Programm gestanden. Aber geht ja leider nichts", seufzt er. Sein unermüdliches, ehrenamtliches Engagement bringt ihm nicht nur viel Anerkennung ein. "Durch die Tätigkeiten bei verschiedenen Vereinen habe ich mir ein großes Netzwerk aufbauen können. Egal was ich brauche, ich kenne eigentlich immer jemanden, der mir weiterhelfen kann. So war es meiner Partnerin und mir zum Beispiel möglich, dass wir unser Eigenheim in Niederwinkling in nur 130 Tagen in Eigenregie errichten konnten."

Beruflich ist er für eine Brandschutz-Firma tätig. Von der Montage bis hin zur Beratung deckt er einen großen Bereich ab. "Ich bin meistens unterwegs und betreue unsere Kunden vor Ort. Ich komme im Normalfall mit vielen Menschen in Kontakt. Das ist genau mein Ding." Über zu wenig Arbeit könne er sich auch in Pandemie-Zeiten nicht beschweren. Für einen geselligen Typen wie ihn ist das andauernde Abstandhalten eine harte Bewährungsprobe. "Furchtbar, ich halte das bald nicht mehr aus", entfährt es ihm. Kein Fußball, keine Eisstockturniere und auch auf sein geliebtes Eishockey muss er im Moment verzichten. Als glühender Fan der Straubing Tigers bleibt ihm nur das Schwelgen in Erinnerungen: "Die Aufwärtsfahrten waren schon immer geil", verrät er vielsagend mit einer ordentlichen Portion Wehmut.

2019 gelang Markus Fuchs und dem FC Niederwinkling erstmals der Sprung in die Kreisliga.
2019 gelang Markus Fuchs und dem FC Niederwinkling erstmals der Sprung in die Kreisliga. – Foto: Stefan Ritzinger

In Kürze steht sein 30. Geburtstag an und wer Markus Fuchs kennt, der weiß: Nur eine kleine Feier im engsten Familienkreis wäre seine Sache definitiv nicht! "Im Nachbarort hätte die Feuerwehr im Sommer Fahnenweihe. Ich habe zu ihnen gesagt, sie sollen für mich das Bierzelt schon eine Woche eher aufstellen", grinst er. Weil aber derzeit Planungen schlicht unmöglich sind, macht er sich nicht allzu große Hoffnungen, seinen runden Geburtstag gebührend begießen zu können. Eins kann er aber definitiv sagen: "Ein, zwei Jahre werde ich sicher noch für den FCW auflaufen. Mit Marco Berger und Jürgen Schätz werden wir ein gutes Trainerduo haben, da freue ich mich schon drauf." Sagt`s und fügt dann nicht ganz ernst gemeint hinzu: "Und aufhören kann ich sowieso erst, wenn wir in der Bezirksliga sind." So manchen Zuschauer, der den korpulenten Schlussmann unterschätzt, wird er also weiterhin noch eines Besseren belehren. Und das kühle Bier nach dem Spiel wird in Zukunft noch viel besser schmecken. Für ausreichend Nachschub sollte allerdings gesorgt sein, wenn's wieder ein wenig länger wird.

Aufrufe: 024.1.2021, 07:30 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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