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Reform im Kinder- und Jugendfußball: mehr Spiele, weniger Forfaits

Teil 2 +++ Claude Kremer, Vorsitzender der Jugendkommission der FLF, hat uns das neue System ausführlich erklärt und bringt es ganz einfach auf den Punkt: "Loosst eis Fussball spillen".

Seit dieser Saison hat sich im Nachwuchsbereich des luxemburgischen Vereinsfußballs viel geändert. Komplett neue Modi bei den Kleinsten sowie ein 3-Phasen-System ab den „Minimes“ (U13) sollen zuvor festgestellte Probleme verringern und den Kindern und Jugendlichen sowohl mehr Freude als auch eine bessere Weiterentwicklung ermöglichen. Claude Kremer von der FLF gab uns dazu den nötigen Einblick.

Teil 2: Minimes bis Junioren

Das 3-Phasen-System

Manchem wird es bereits auf FuPa aufgefallen sein, Beteiligte aus und Interessenten am Jugendfußball wissen es ebenfalls schon: in den älteren Jugendkategorien, wie z.B. bei den Junioren, wird die Saison nicht mehr in zwei sondern in drei Phasen ausgespielt. So werden vor der Winterpause bereits zwei Runden in Miniligen bestritten, ehe in der Rückrunde dann eine normale Doppelserie ausgetragen wird. Durch die zwei Phasen vor dem Winter wird schon früh „sortiert“, so dass man zu krasse Leistungsunterschiede und eventuelle hohe zweistellige Ergebnisse auf ein Minimum reduziert und Mannschaften so öfter gegen gleichstarke Gegner antreten können.

Alle Änderungen, sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Nachwuchskickern, mussten natürlich vom Verband bewilligt und dann umgesetzt werden. Kremer: „Auch das Bild vom Fair Play wollen wir den Kindern und Jugendlichen dauerhaft vor Augen führen.“ Ein Novum stellt auch die Belegung der Schulferien mit Spielterminen dar. Was lange ein Tabu war, trägt nun ebenfalls dazu bei, dass mehr Fußball gespielt wird.

„Unser Ziel war es, die Spielstärken einzelner Teams viel schneller anzupassen als im alten System“ erklärt Claude Kremer das, was wir in unserem ersten Abschnitt beschreiben. „Anpassung der Spielstärke“ ist dann auch eher der zu benutzende Ausdruck als die doch bewertenden Begriffe „Aufstieg“ oder „Abstieg“. „Nach einer halben Saison haben wir die Stärke schon zweimal angepasst“ weiß Kremer, da im Herbst und im Winter Teams in andere Kategorien versetzt werden. Nach dem Winter wird dann nur noch eine Phase stattfinden, dann aber mit mehr Begegnungen.

Mehr Spiele

„Die Anzahl der Mannschaften pro Liga wird auf acht erhöht. Wir beginnen früher, im Februar, damit die Winterpause kürzer ist. Dies gilt wohlverstanden für die älteren Kategorien, Minimes bis Junioren, nicht für den Kinderfußball. Außerdem wird dann eine Hin- und Rückrunde in dem Halbjahr ausgetragen, wodurch wir auf 14 Spiele während dieser Zeit kommen. Zuvor waren wir bei lediglich zehn Partien, es wird also deutlich mehr Fußball gespielt.“

Um die Zahl der Fußballbegegnungen noch weiter zu erhöhen, ist man bei der FLF am Überlegen, ob man neben dem normalen Pokal noch eine „Coupe de Consolation“ einführen soll. Diese soll den Vorstellungen nach ähnlich einer „Coupe FLF“ beim Erwachsenenfußball funktionieren. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass es für die Mitarbeiter in unserer Verwaltung eine Herausforderung ist, die schnell wechselnden Spielpläne aufzusetzen, da man ja immer mit Spielausfällen und entsprechend Nachholpartien konfrontiert ist. Zwischen zwei Phasen, wie z.B. Mitte Oktober, kommen dann die Pokalspiele zur Austragung.“ In dieser, ersten Saison hat dies hervorragend geklappt, weiß Kremer zu berichten.

Weniger Forfaits

„Ein weiterer positiver Aspekt des neuen Systems sind die Forfaits bzw. Spielabsagen“ so Claude Kremer gegenüber FuPa Luxemburg. „Ich habe die Forfaits der vergangenen Jahre quer durch alle Jugendkategorien analysiert. In dieser Saison hatten wir bislang den niedrigsten Wert an Forfait-Wertungen der letzten fünf Jahre.“ Das käme auch daher, dass die Vereine anders und bewusster planen, ergänzt er die Ursachen für diesen Rückgang der Forfaits im Jugendfußball. Bei den jüngeren Jahrgängen komme hinzu, dass man nicht so viele Spieler braucht, so dass es auch dadurch zu weniger Absagen kommt. „Vergangene Saison hatten wir eine Gruppe, in der zwei Teams Forfait erklärten, dort wurde dann kaum noch gespielt. Das neue System der drei Phasen fängt solche Rückzüge oder Abmeldungen viel schneller auf. Außerdem eröffnet sich vor Beginn einer jeden Phase, wie z.B. im Oktober, die Möglichkeit, neue Teams einzuschreiben oder solche wieder aufzunehmen, die in einer ersten Phase nicht mehr antreten konnten.“

Claude Kremer, Vorsitzender der FLF-Jugendkommission
Claude Kremer, Vorsitzender der FLF-Jugendkommission – Foto: paul@lsn.sarl

Insgesamt sieht Claude Kremer es als gut an, wenn Vereine intensive Jugendarbeit auch auf einer größeren Skala betreiben, was aber wenig mit der eigentlichen Reform im Jugendfußball zu tun hat, wenngleich die von der FLF vermittelten Werte wie z.B. das Fair Play dort auch an die Spielerinnen und Spieler weitergegeben werden sollten. „Wir werden aber nicht ins Vereinsleben eingreifen“ zieht der ehemalige Vorsitzende des FC Jeunesse Junglinster eine Grenze.

Die rund 16.000 bei der FLF lizenzierten Jugendfußballerinnen und -fußballer sollen entsprechend wieder die „Basics“ sowie wichtige Werte vermittelt bekommen und vor allem den Spaß am Spiel ohne Ergebnisdruck entwickeln. „Die Kinder finden schon ihren Weg zum Fußball, doch mit den erläuterten Reformen erwarten wir uns, neben Spiel und Spaß, dass wir sie längerfristig binden können.“ Man hat also viel vor um den Fußball auch von innen heraus nachhaltig zu gestalten, denn die (Nachwuchs-) Spieler von heute sollen z.B. die Schiedsrichter und ehrenamtlichen Mitarbeiter von später werden – so wie es früher eigentlich üblich war.

In eigener Sache

Seit dieser Saison sind auch die luxemburgischen Junioren (U19)-Meisterschaften und der Pokal dieser Alterskategorie – die „Coupe du Prince – auf FuPa vertreten. Falls euer Club oder euer Team für diese Kategorie noch keinen FuPa-Vereinsverwalter eingetragen hat, könnt ihr dies unter diesem Link nachholen! Weitere Jugendkategorien werden zumindest kurzfristig und aus verschiedenen vor allem organisatorischen und rechtlichen Gründen auf FuPa Luxemburg noch keinen Einzug finden. Was aber nicht ist, kann ja immer noch werden!

Junioren (U19) auf FuPa

Aufrufe: 02.1.2022, 11:00 Uhr
Paul KrierAutor

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