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Reform im Kinder- und Jugendfußball: mehr Ballkontakte, mehr Spaß

Teil 1 +++ Claude Kremer, Vorsitzender der Jugendkommission der FLF, hat uns das neue System ausführlich erklärt und bringt es ganz einfach auf den Punkt: "Loosst eis Fussball spillen".

Seit dieser Saison hat sich im Nachwuchsbereich des luxemburgischen Vereinsfußballs viel geändert. Komplett neue Modi bei den Kleinsten sowie ein 3-Phasen-System ab den „Minimes“ (U13) sollen zuvor festgestellte Probleme verringern und den Kindern und Jugendlichen sowohl mehr Freude als auch eine bessere Weiterentwicklung ermöglichen. Claude Kremer von der FLF gab uns dazu den nötigen Einblick.

Teil 1: Bambinis bis Minimes

„Durch die Reform der Spielmodi in den Kategorien U7 (Bambinis), U9 (Pupilles), U11 (Poussins) und U13 (Minimes) möchte der Luxemburger Fußballverband die Kinder als auch das Spiel an sich wieder in den Vordergrund stellen“ heißt es in der Einleitung des Reformpapiers.

„In der vergangenen Saison, 2020-2021, haben wir die Bambinis bereits im neuen Modus spielen lassen, nämlich drei gegen drei ohne Torhüter und auf kleinen Tore. Der Spaß soll im Vordergrund stehen und die Kinder sollen ihre Motorik entwickeln“ erklärt Claude Kremer einen ersten Grund für die Einführung der Reformen und zeigt sich zugleich besorgt: „Es ist bedenklich, wieviele Eltern und auch sogar Trainer bei Kindern in diesem Alter bereits rein auf Ergebnisse aus sind. Über den neuen Weg wollen wir erreichen, dass die Kinder eine Autonomie entwickeln und sich selber verbessern. Trainer sollen in diesem Bereich einen erzieherischen Einfluss haben, weniger einen rein sportlichen.“ Wenn Kinder sich „selber verwalten“ kommt dies dem Gedanken näher, der früher im Pausenhof oder auf dem Bolzplatz vorherrschte.

Mehr Ballkontakte als Ziel

Die Spielform drei gegen drei bringt mit sich, dass die Kleinen viel mehr Ballkontakte haben und dadurch mehr Erfahrungen sammeln, kreativer werden und so auch den Umgang mit dem Spielgerät viel intuitiver lernen. „Früher spielten die Poussins neun gegen neun über die Breite eines normalen Platzes, da kam es vor, dass manche während einem Spiel nur wenige Ballkontakte hatten“ holt Kremer weiter aus. Mit den neuen Spielformen wird der Lernprozess umfangreicher. Die FLF hat keineswegs das Rad neu erfunden, orientiert sie sich doch an den Entwicklungen im Ausland. Über den Austausch über das „Grassroots“-Programm der UEFA mit den Verbänden unserer Nachbarländer wurde klar, dass der luxemburgische Verband eine neue Richtung einschlagen musste.

Claude Kremer, Vorsitzender der FLF-Jugendkommission, nahm sich Zeit, um FuPa die neuen Systeme ausführlich zu erklären
Claude Kremer, Vorsitzender der FLF-Jugendkommission, nahm sich Zeit, um FuPa die neuen Systeme ausführlich zu erklären – Foto: paul@lsn.sarl

„In der laufenden Saison 21-22 wurde das System bei den Pupilles umgestellt, dies ist die erste Kategorie in der vier gegen vier mit einem Torwart gespielt wird. Die Änderungen in den Bereichen Poussins und Minimes sind für kommende Saison geplant“ erklärt der Vorsitzende der Jugendkommission der FLF die Marschroute. „Das Spielfeld wird bei diesen ebenfalls kleiner, die Anzahl der Spieler ebenso, so dass man auch dort viel öfter am Ball sein sollte." Man erhofft sich durch diese Maßnahmen auch den sog. drop-out zu verringern, denn in der Vergangenheit war es oft so, dass Spieler, die kaum bis gar nicht an den Ball kamen oder ins Spiel eingebunden waren, dem Fußball an einem bestimmten Zeitpunkt den Rücken kehrten. „Die Frustration fällt weg und wird durch Motivation ersetzt und daraus entsteht dann der Spaß am Spiel“ weiß Kremer zu berichten.

International sieht die Entwicklung ähnlich aus, ungefähr ab den „Minimes“ (U13) kommt es zum Übergang in den Leistungssport. Aus diesem Grund, und um den Leistungsdruck von den Schultern der Kinder zu nehmen, führt die FLF auch erst ab dieser Kategorie Klassements. Die Trainer und Betreuer werden sich aufgrund dieser Reformen umgewöhnen müssen. Da man mit kleineren Mannschaften spielt, ggf. aber dennoch mit einem kompletten Kader zu einem Spiel oder Turnier fährt, wird die Organisation viel flexibler. „Man kann z.B. zwei Partien nacheinander spielen, das stellt ja jetzt kein Problem dar, zumal keine offiziellen Schiedsrichter dabei sind. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass, wenn man mal kein Team zusammenbekommt, der Gegner einem ohne Weiteres einen Spieler ausleihen kann.“ Und da gibt es keinesfalls Grabenkämpfe oder Kirchturmpolitik: „Das klappt, ich habe entsprechendes Feedback bekommen, welches insgesamt sehr positiv war.“ Als produktiv und gut sieht Kremer auch, dass Vereine dem Verband ihre Ideen und Änderungsvorschläge mitgeteilt haben. Auch vor der Umsetzung der Reformen wurde sich mit den Clubs beraten. „Wir hatten in unserem Dome Vorführungen der neuen Spielformen, die sich die Vereine anschauen konnten“ so Kremer weiter über den Austausch mit den Clubs.

Die Rolle der FLF

„Der Verband muss aber natürlich den roten Faden vorgeben. Die FLF stellt den Kalender auf und die Gruppen - vor allem bei den ganz Kleinen zumeist regional – zusammen.“ Kurzfristige Änderungen wie z.B. an einem anderen Tag oder auf einem anderen Platz zu spielen sind nun meist ohne weiteres möglich und müssen nicht mehr vom Verband bewilligt werden. Was die Trainer betrifft, werden die staatlichen Subventionen noch stärker auf der Ausbildung dieser Trainer basieren. So sollen sie dazu gebracht werden, sich ständig weiterzubilden. Und jeder Trainer muss auch zwingend im Jugendbereich gearbeitet haben, will er später die nötigen Kurse für den Erwachsenenfußball belegen.

Die neuen Pläne werden regelmäßig überprüft und angepasst. „Es wird sicher kein Zurück geben, wir sollen aber immer offen für neue Richtungen bleiben“ stellt Claude Kremer klar. „Die Idee dahinter - die kleinere Spielfläche und die kleinere Anzahl an Spielern - wird sicher immer bleiben.“ Auch durch die Erhöhung der Anzahl an Spielen, z.B. bei den Minimes von zehn auf zwölf pro Runde, wird schlicht mehr Fußball gespielt.

In eigener Sache

Seit dieser Saison sind auch die luxemburgischen Junioren (U19)-Meisterschaften und der Pokal dieser Alterskategorie – die „Coupe du Prince – auf FuPa vertreten. Falls euer Club oder euer Team für diese Kategorie noch keinen FuPa-Vereinsverwalter eingetragen hat, könnt ihr dies unter diesem Link nachholen! Weitere Jugendkategorien werden zumindest kurzfristig und aus verschiedenen vor allem organisatorischen und rechtlichen Gründen auf FuPa Luxemburg noch keinen Einzug finden. Was aber nicht ist, kann ja immer noch werden!

Junioren (U19) auf FuPa

Aufrufe: 01.1.2022, 15:00 Uhr
Paul KrierAutor

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