– Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Andauernde Covid-Regelanpassungen zehren an den Nerven

Unvermeidbarer Organisationsstress durch dauernde Neuerungen auch in Fußballvereinen

Seit Weihnachten vergeht kaum eine Woche ohne erneute Anpassungen der Covid-19-Bestimmungen. Anpassungen, welche auch immer wieder Sportvereine vor neue Herausforderungen stellen. Hat man eine Gesetzgebung verstanden und umgesetzt, muss man sich schon wieder mit einer neuen auseinandersetzen – und das oft ohne das benötigte juristische Fachwissen innerhalb der eigenen Strukturen vorzufinden. Politische Weitsicht sieht sicher anders aus, darunter wird die Gesellschaft zermürbt und somit auch das, was uns betrifft: der Fußball.

Dabei wurde bereits relativ früh in der vor zwei Jahren ausgebrochenen Pandemie klar, dass das Infektionsrisiko an der frischen Luft dann doch sehr gering ist. Darüber berichtete nicht nur FuPa bereits mehrfach, u.a. im April 2021, sondern auch zahlreiche andere Medien. Das deutsche Medizinportal universimed* beschrieb Anfang November 2021 eine Studie der Universitäten des Saarlandes und der Stadt Basel. Laut dieser „seien infektionsrelevante Körperkontakte im Spiel zu selten und zu kurz – eine Übertragung des Covid-19-Virus auf dem Feld sei daher kaum möglich.“

Schnelltestentnahme und Verwaltung beim SC Bettemburg vor einem Jahr
Schnelltestentnahme und Verwaltung beim SC Bettemburg vor einem Jahr – Foto: SC Bettemburg

Der mitteldeutsche Rundfunk (mdr)* berief sich wenige Tage vor der Veröffentlichung der erwähnten Studie auf universimed.com auf eine Untersuchung aus den USA, um die Frage nach dem Infektionsrisiko auf dem Sportplatz im Freien zu beantworten. Die Tests wurden im American Football durchgeführt und zogen die Aussage „die Gefahr der Übertragung von Sars-CoV-2 zwischen den Teams im College-Football ist gering, wenn strenge und mehrgleisige Schutzstrategien angewendet werden“ nach sich.

Einen deutlichen Hinweis auf tatsächliche Infektionsquellen veröffentlichte Anfang Januar diesen Jahres auch das Luxemburger Wort*. „Das größte Ansteckungsrisiko ist im Familienkreis“ wurde dort „Santé“-Direktor Schmit im Titel zitiert. Natürlich ist den Fußballvereinen hierzulande mit solchen Studienergebnissen recht wenig geholfen, da sie sich wohl oder übel an die z.Z. häufig ändernde Gesetzeslage halten müssen. So wurden nicht später als Mitte dieser Woche weitere Anpassungen publik: ab dem vollständigen Erhalt der ersten Impfung gelten die entsprechenden Zertifikate nun neun Monate bzw. 270 Tage. Mit Booster-Impfung gilt keine zeitliche Begrenzung des Zertifikats und man muss sich beim 2G+-Regime auch keinem Schnelltest unterziehen. Bei der Erstimpfung sind diese Schnelltests bis 180 Tage oder sechs Monate nach der abschließenden Impfdosis nicht nötig.

Wäre dies nicht alles schon kompliziert genug, gelten für verschiedene Altersgruppen verschiedene Maßnahmen. Altersgruppen, die bei Fußballmannschaften oft gemischt in einem Team trainieren und spielen und so mehrere Maßnahmenkataloge Anwendung finden. Darauf wies man uns seitens des FC Victoria Rosport hin, wo 18-jährige oder jüngere Sportler in den drei von den aktuellen Maßnahmen betroffenen Teams (1. und 2.Herren, 1.Damen) zusammen mit über 19-Jährigen kicken. Während für die jüngeren 3G gilt, müssen die über 19-Jährigen 2G+ respektieren. Wegen dieser drei erwähnten Teams muss man an der Untersauer Unmengen an Schnelltests durchführen, die neuen Anpassungen am Gesetz werden diese Aufgaben zumindest etwas erleichtern.

Neben dem FC Victoria haben wir uns ebenfalls mit einigen anderen Vereinsverantwortlichen und Trainern zum Thema unterhalten. Der Nörtzinger Vizepräsident Jean-Paul van Oorschot fand im Telefongespräch mit FuPa z.B., dass alles immer komplizierter wird. Die ständigen Änderungen würden durchaus stören und man erhofft sich mehr Klarheit nach einem Treffen mit der FLF.

Während man in Wilwerwiltz das Ganze noch nicht beurteilen kann, da das Training dort erst am 25.Januar beginnt, hofft man, dass einem die neuesten Anpassungen entgegenkommen. Wenigstens hat man beim FC Kiischpelt keine Sorgen in Sachen Impfquote, die bei 100 Prozent an Erstimpfungen liegen soll, so Trainer Schmitz. Einige seiner Amtskollegen fällt das Ganze dagegen nicht so leicht: „Ja, 2G+ beeinträchtigt uns schon, aber wir müssen damit klarkommen, wir haben keine Wahl“ erklärte uns Alvaro Cruz, Cheftrainer des FC Avenir Beggen. In die gleiche Bresche springt Frédéric Di Biase von den Young Boys Diekirch: „Wirklich stören tun mich die zusätzlichen Schnelltests nicht, da sie zur Sicherheit von uns allen durchgeführt werden. Es bedeutet lediglich etwas mehr Stress vor den Spielen“ schrieb er uns über Facebook zu einer Zeit, als die neuesten Änderungen am Covid-Gesetz noch nicht bekannt waren.

Kann man die Absage der ersten Runde der Hallenmeisterschaft der Frauen seitens der FLF mit etwas gutem Willen noch nachvollziehen, so steht im Gegensatz dazu an diesem Wochenende der Rückrundenauftakt in der Futsal-Meisterschaft der Männer an. Außerdem scheint es kaum Argumente für eine eventuelle Verschiebung oder Absage des Rückrundenauftakts in nicht einmal vier Wochen in der BGL Ligue sowie etlicher für das Wochenende des 6.Februar angesetzter Nachholspiele zu geben. Wie der kicker* berichtete, deuten sich in Deutschland dann auch bereits zaghafte Öffnungen für Zuschauer an. In dieser Hinsicht ist man in Luxemburg ja ähnlich wie in unserem Nachbarland unter verschiedenen Voraussetzungen auf wenige hundert, genauer 200, begrenzt oder man muss sich alternativ ein Gesundheitskonzept bewilligen lassen.

Und da die hochansteckende „Omikron“-Variante zeitgleich vorsichtig als weniger schädlich eingeschätzt wird - so ein Artikel von tagesschau.de* von Silvester – würde sich nicht nur der Fußball darüber freuen, wenn die politische Fahrt auf Sicht bei dichtem Nebel einer Strategie weichen würde, die es für die gesamte Gesellschaft einfacher machen würde, zumindest wieder mittelfristig planen zu können.

– Foto: Annie Spratt/unsplash


* Quellen:

Aufrufe: 015.1.2022, 08:58 Uhr
Stan Jahrmärker & Paul KrierAutor

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