– Foto: Andrea Circhetta

Stade Lausanne-Ouchy, vom Schatten ins Rampenlicht

Kaum Fans, kein eigenes Stadion und steht im Schatten des FC Lausanne-Sport. Solche Aussagen hört man im Zusammenhang mit dem FC Stade Lausanne-Ouchy des öfteren. Der aktuell viertplatzierte der Challenge League ist für viele ein mehr oder weniger unbekanntes Team.

Als der FC Stade Lausanne-Ouchy im Jahr 2019 in die Challenge League aufstieg wusste wohl kaum einer wer dieses Team ist, und dies ist für viele auch heute noch so. Von Waadtländer Teams wie Lausanne-Sport und Yverdon hat man ja schon gehört, beide sind im Schweizer Fussball keine unbekannten und konnten in der Vergangenheit auch schon Titel gewinnen. Doch vor drei Jahren trat quasi aus dem nichts ein zweites Lausanner Team in das Licht der Fussball-Schweiz.

Die Geschichte des Vereins

Der FC Stade Lausanne-Ouchy wurde zwar erst im Jahr 2000 gegründet, seine Wurzeln liegen aber viel weiter zurück. Bereits im Jahr 1895 gab es einen Verein aus dem Lausanner Quartier Ouchy. Der FC La Villa Ouchy spielte zwischenzeitlich in der obersten Schweizer Spielklasse und war Gründungsmitglied des Schweizerischen Fussballverbandes. Damit hat Stade Lausanne-Ouchy sogar ältere Wurzeln als der grosse Nachbar Lausanne-Sport, dieser wurde ein Jahr später gegründet. Anders als der FC Lausanne-Sport überlebte der FC La Villa Ouchy die Jahrhunderte aber nicht und verschwand bereits 21 Jahre nach seiner Gründung wieder. Doch damit war die Fussballbegeisterung in Ouchy entfacht. Im Jahr 1918 wurde der FC Ouchy Olympique gegründet, welcher bis zu seinem Konkurs im Jahre 1999 bestand hatte. Zu seinen besten Zeiten spielte man in der damaligen 1. Liga (heute Promotion League).

Zur etwa der selben Zeit wie Ouchy Olympique wurde der FC Stade Lausanne gegründet. Auch dieser Verein war eher mittelmässig erfolgreich und spielte während ca. 30 Spielzeiten seines bestehens in der heutigen Promotion League. Anders als Ouchy Olympique, welcher aus dem gleichnamigen Quartier am Genfersee stammte, kam Stade Lausanne aus der Mitte der Stadt. Man war im Quartier Pontaise nahe des heutigen Stadions beheimatet. Im Jahr 2000 wurden die beiden mittelmässigen Klubs zum FC Stade Lausanne-Ouchy vereint. In den folgenden Spielzeiten war man sehr erfolgreich und schaffte es in der Saison 18/19 in die Challenge League aufzusteigen.

Doch beinahe wäre es 2019 nicht zu diesem Aufstieg gekommen. Denn der Klub war zwar der Gewinner der Promotion League, ging aber beinahe Bankrott. Am Ende übernahm Vartan Sirmakes den Verein. Dieser ist CEO der Uhrenmarke Franck Muller und Präsident des FC Stade Nyonnais! Somit amtet er seither sowohl beim FC Stade Lausanne-Ouchy wie auch dem Nachbarn in Nyon als Vereinspräsident.

Die Stadion Frage

Seitdem Stade Lausanne-Ouchy in der Challenge League spielt, stellt sich auch immer wieder die Frage nach einem Stadion. Mit dem Stade Juan-Antonio Samaranch hat man ein kleines Stadion im Quartier Vidy am Ufer des Sees, welches von den Nachwuchsmannschaften genutzt wird. Dieses war bis zur Promotion League spieltauglich. Für die Challenge League reicht dieses aber nicht. So musste man sich für die erste Profisaison 19/20 im 40 Kilometer entfernten Nyon, im Centre Sportif de Colovray, beim FC Stade Nyonnais (PL) einquartieren. Dies dürfte nur dank Präsident Sirmakes möglich gewesen sein. Nachdem der grosse Nachbar Lausanne-Sport diese Saison in seinen Neubau Stade de la Tuliere einzog, wurde das Stade Olympique de la Pontaise frei. Damit konnte Stade Lausanne-Ouchy wieder nach Lausanne zurückkehren und trägt nun dort seine Heimspiele aus. Wie lange man dort allerdings spielen darf ist fraglich, das Stadion wird in naher Zukunft für über vier Millionen Franken saniert werden. So wird sich der Fussballklub zumindest für die Zeit der Sanierung wiederum eine neue Bleibe suchen müssen.

Stade Lausanne-Ouchy und die Challenge League

Nachdem die erste Challenge League Saison im Stadionexil auf dem 7. Platz beendet wurde, verläuft die aktuelle Spielzeit um einiges besser. In der zweiten Saison scheint man sich schon sehr wohl in der CL zu fühlen. Aktuell liegt man auf dem 4. Platz mit sechs Punkten Rückstand zur Barrage. Selbst eine Lizenz für einen allfälligen Aufstieg in die Super League hat man bereits erhalten. Mit Yanis Lahiouel stellt man aktuell gar den drittbesten Torschützen der Liga.

Wo bleiben die Fans?

Ein grosses Problem welcher der FC Stade Lausanne-Ouchy hat ist die fehlende Fanbasis. Bei Heimspielen in der Saison 19/20 verirrten sich im Durchschnitt gerade einmal 373 Zuschauer ins Stadion in Nyon. Klar könnte man nun kritisieren, dass ja nicht in Lausanne gespielt wurde und die Anhänger des Klubs vielleicht nicht nach Nyon fahren wollten. Aber in der Aufstiegssaison 18/19 im heimischen Stade Juan-Antonio Samaranch war der Zuschauerschnitt sogar noch miserabler. Damals waren gerade mal 224 Zuschauer im Schnitt dabei. Ganz anders sieht es dabei beim Nachbarn Lausanne-Sport aus. Diese können sowohl in der Challenge League wie auch in der Super League einen konstanten Zuschauerwert von über 2500 aufweisen.

Doch wie kann es sein, dass ein Profiverein mit einer Nachwuchsabteilung von über 600 Junioren in einer Stadt mit 140'000 Einwohnern kaum Anhänger hat? Einer der Gründe dürften die Sportinteressen der Lausannerinnen und Lausanner sein. Der örtliche Eishockey National League Vertreter HC Lausanne, lockt jährlich durchschnittlich 6500 Zuschauer in die Vaudiose Aréna. Ein anderer Grund dürfte der grosse Nachbar sein:

Rivalität zu Lausanne-Sport

Eine Rivalität zum Nachbarn FC Lausanne-Sport besteht kaum. Dies konnte der Autor in der vergangenen Saison beim ersten Lausanner Derby der Geschichte, zwischen diesen beiden Teams selbst erleben. Fans des FC Stade Lausanne-Ouchy hatte es kaum und die Stimmung war ausgelassen, ja beinahe freundschaftlich. Dies liegt wohl vor allem daran, dass sich diese beiden Klubs in der Vergangenheit praktisch nie in die Quere kamen. Man traf tatsächlich nie in einem Wettbewerbsspiel aufeinander. Zudem war fussballtechnisch zur Jahrtausendwende als der FC Stade Lausanne-Ouchy gegründet wurde, der FC Lausanne-Sport bereits die Nummer 1. der Stadt. Der Verein wuchs also quasi im Schatten des grossen Lausanne-Sport auf.

Nun wird sich der Autor am Freitag Nachmittag wieder einmal nach Lausanne begeben. Aufgrund des Virus sind zwar nur 100 Zuschauer in der Pontaise erlaubt, der FC SLO kann oder will diese Karten aber nicht komplett an die Dauerkarteninhaber vergeben. So kann man über den Onlineshop Tickets für die kommenden Partien beziehen.

Aufrufe: 029.4.2021, 17:29 Uhr
Matthias LinderAutor

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