– Foto: Karl-Heinz Rickelmann

Chance für Lokalfußball

Einwurf aus der Sportredaktion von Benjamin Kraus

Sitzen auf Abstand? Dafür extra selbst einen Stuhl mitbringen? Um Partien zu beobachten in einer Saison, von der man gar nicht weiß, ob sie wirklich beendet werden kann? All das sollte man machen – als Unterstützung für den Amateurfußball und für eine besondere Erfahrung.

Es war eine spezielle Atmosphäre am Sonntag beim Osnabrücker SC zum Niedersachsenpokalspiel der Frauen gegen Hannover 96. Zum Pflichtspiel-Auftakt in der Region saßen etwa 200 Zuschauer in eigenen Campingstühlen am Spielfeldrand – locker gruppiert, nie mehr als zehn Leute auf einmal mit Blick auf die Corona-Abstandsregeln. Der speziellen Zeit bewusst und das Flatterband angesichts einiger abgesperrter Zonen im Blick, war die Stimmung bei den meisten Fans zuerst gedämpft. Aber die Beklemmung wich in dem Moment, als der Fußball mit ersten sehenswerten Zweikämpfen und gelungenen Spielzügen seinen Zauber entfaltete.

Fortan stand die Freude darüber im Zentrum, das mit dem Spiel verbundene Gemeinschaftserlebnis zurück zu haben – niemand aber eskalierte oder verlor die Corona-Regeln aus den Augen. Verhalten sich alle Beteiligten in den nächsten Wochen genauso, hat der Amateurfußball nach der überwundenen Corona-Sperre für Mannschaftssport eine große Chance: Darauf, verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen im Wettbewerb mit anderen Freizeitaktivitäten, die weniger unter den Einschränkungen litten. Angesichts dieser Perspektive sollten Debatten um verkürzte Spielzeiten, neu geschnittene Ligen oder teils kuriose Aufstiegsrunden, Pläne (mit oder ohne Mitnahme von Punkten) erst mal als nachrangig betrachtet werden.

Aufrufe: 02.9.2020, 07:20 Uhr
Benjamin Kraus / NOZ SportAutor

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