Bei Heimspielen des Albanischen Vereins ist richtig was los.
Bei Heimspielen des Albanischen Vereins ist richtig was los. – Foto: Albanischer Verein

Erfolgsrezepte hoch C

KLC Friedberg 1+2: +++ Aktuelle Tabellenführer machen nicht nur auf dem Platz vieles richtig, sondern auch daneben +++ Einmal junger Verein voller Euphorie , einmal abgestürzter Verein im Neuaufbau +++

Sie sind durch Staffeleinteilungen getrennt, aber es gibt sie, die Überschneidungen. Im Großen, wie die Position in der KLC-Tabelle, wo beide schon jetzt deutlich in Richtung Aufstieg in die KLB unterwegs sind und dabei jeweils die beste Offensive wie Defensive der Liga stellen, aber auch im Kleinen, wenn etwa Spieler und Vorstandsmitglied Pascal Roos vom SV Echzell sich ein Heimspiel des Albanischen Clubs in Ossenheim ansieht. Hin und zurück ziemlich genau 25 Kilometer, die sich gelohnt haben: „200 Zuschauer bei einem KLC-Spiel verleihen der Partie auch eine ganz andere Spannung und Bedeutsamkeit. Echt klasse.“

Zwei Clubs, zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Und doch stehen sie für eine ganz bestimmte Herangehensweise im Amateurfußball. Eine romantische. Voller Herzblut. Versuchen wir also mal, die Geschichten zu vereinen.

Einen Club gibt es seit 99 Jahren, eine feste Institution im Kreis Friedberg, obwohl er geografisch stark am Raum Büdingen kratzt: Der SV Echzell. Doch die Zeiten, in denen in der Bezirksoberliga gekickt wurde, sind lange vorbei. Der Verein hat einen jahrelangen Abwärtstrend erfahren. „Die Erfahrung hat uns hier leider irgendwann gelehrt, dass man mit KLA-Geldnehmern vielleicht sportlich über die Runden kommt, das Vereinsleben aber völlig einschläft“, erzählt Roos von den ganz schwarzen Zeiten, in denen der Verein irgendwann vor einem atmosphärischen wie sportlichen Scherbenhaufen stand. Der Spielbetrieb war nicht mehr gesichert. Doch gemeinsam mit ein paar weiteren Urgesteinen leitete Roos einen Philosophie-Umbruch ein. Jetzt wird in Echzell kein Cent mehr gezahlt, dafür radikal auf die Jugend gesetzt. Die Spielklasse ist dabei sekundär, weshalb es dem Team auch nichts ausmacht, „nur“ in der untersten Liga zu spielen. Wie passend, dass Roos, gefragt nach den Stärken seiner Mannschaft, zuerst gar nicht ans Sportliche denkt: „Geselliges Zusammensein nach dem Training und den Spielen, das macht bei uns richtig Spaß und da legen wir auch viel Wert drauf.“ Untereinander verstünden sich alle gut, was wiederum das Zusammenspiel auf dem Feld leichter mache. Kein Wunder, dass sich alle so gut kennen, haben doch 80 Prozent des Kaders auch in der Echzeller Jugend gespielt. „Da sind wir wirklich stolz drauf, und es ist auch unser Ziel, das so beizubehalten. Denn wenn man das Trikot schon getragen hat, hat man einfach eine ganz andere Bindung zum Verein und allem, was drum herum passiert“, so Roos.

Das Stichwort Herkunft ist natürlich ein dankbares für den Übergang zu einem Verein, wenn dieser eine bestimmte Nationalität schon im Namen stehen hat: Denn, das ist wohl für niemanden eine große Überraschung, auch beim SKG Albanischen Verein, der seine Heimspiele auf dem Platz des SV Ossenheim austrägt, haben die beteiligten Akteure zum Großteil eine identische Herkunft vorzuweisen. Klar, hier ist es nicht der konkrete Ort, hier ist es die Muttersprache Albanisch, die Menschen aus dem Kosovo, Albanien oder Nord-Mazedonien verbindet. Überhaupt handelt es sich bei den Tabellenführern der KLC 2 nicht um einen reinen Fußballclub. Die Kicker sind nur eine Abteilung eines ständig wachsenden Kulturvereins – und sie sorgen mannigfaltig für Furore. Erst im letzten Sommer wurde die Fußballabteilung gegründet, in diesem Jahr spielt der Club seine erste Saison, und inzwischen stehen 43 Mann im Kader, bei über 230 Gesamtmitgliedern, die eng zusammenhalten, ohne sich im Kreis in irgendeiner Form zu isolieren. Im Gegenteil: „Wir sind an einem guten Kontakt und Austausch mit allen Vereinen im Umland interessiert und wollen eine sportliche wie kulturelle Bereicherung für die Region sein“, betont der 1. Vorstand Altin Hamiti. Das kann eine Region wie die Wetterau, die immer wieder – und das gewiss nicht immer zu Unrecht – in Zusammenhang mit politischen Rechtsaußen gebracht wird, als willkommenen Ausgleich der überregionalen Wahrnehmung sicher brauchen.

Sportlich leuchtet der Mehrwert bereits mit Blick auf das Tableau ein: Nach der Auftaktniederlage gegen den inzwischen ärgsten Verfolger Rendel II, bei der noch zahlreiche Stammkräfte im Urlaub weilten, folgten zwölf meist klare Siege. Mit 64:12-Toren steht der taufrische Club an der Tabellenspitze. Eigentlich war das Ziel, einen einstelligen Tabellenplatz in der Debüt-Saison zu holen. Stark. Die 1 zählt ja auch noch als einstellig. Was aber genauso, wenn nicht sogar noch bemerkenswerter ist, ist der Zuspruch der Anhänger rund um die Spiele: „Bei uns sind bei jedem Heimspiel über 200 Zuschauer, auswärts haben wir auch schon die 100-Personen-Marke geknackt“, erzählt Hamiti mit berechtigter Freude. Warum? Einmal sind die Kontakte in der Mannschaft durch die Anbindung zum Kulturverein besonders eng, doch der Verein ist auch sehr aktiv auf Social Media. Ob Instagram oder Facebook, man findet wohl kaum andere KLC-Vereine, die derart lebhaft im Internet unterwegs sind. Die zehnköpfige Fußballkommission um Leiter Dalip Abdullahu gibt alles, um die Bekanntheit und die Gemeinschaft rund um die Ossenheimer Anlage weiter nach vorne zu treiben und bedient sich dankbar der weiter anhaltenden Euphorie rund um die Abteilungsgründung. So schauen auch immer wieder neue Gesichter bei Heimspielen vorbei, die gehört haben, was beim Albanischen Verein alles los ist. Wie Pascal Roos und seine Kumpels, die beeindruckt zurück nach Echzell fuhren.

Von dem großen Interesse am albanischen Club profitieren die umliegenden Vereine gleich mit. Auch, wenn sich die vielen Mitreisenden aus Ossenheim im Umland noch nicht überall herumgesprochen haben. „Manchmal fahre ich vor Auswärtsspielen bei den gastgebenden Teams vorbei und bereite sie darauf vor, dass um die 100 Leute zum Zuschauen kommen werden. So können sie die Getränken- und Essensvorräte kurzfristig aufstocken und mehr verdienen“, berichtet Hamiti lachend.

Tatsächlich wird es ganz dünn, wenn man nach Punkten sucht, die nicht gut laufen bei seinem Club. Rekordverdächtige Zuschauerzahlen, sportlicher Erfolg, sogar in der Fairnesstabelle sind die Jungs vom Albanischen Verein in der Spitzengruppe zu finden („Das ist uns genauso wichtig wie der sportliche Erfolg!“). Und das Verhältnis zum Ossenheimer Stammverein ist blendend. „Es ist ein Geben und Nehmen. Wunderbar“, leitet Hamiti ein und zählt auf, wo die SVOler mit den „Neulingen“ zusammenarbeiten. Das Vereinsgelände wurde an vielen Stellen gemeinsam runderneuert, beim Dorffest beteiligten sich alle gemeinsam am Auf- und Abbau. Der neue Rollrasen lässt bei allen Beteiligten seit diesem Sommer die Augen glänzen. Und das Sportheim wird auch längst gemeinsam genutzt. Vielleicht gibt es am Trainer oder der Trainingsbeteiligung was zu Mäkeln? Fehlanzeige: Coach Avdush Aliju ist vereinsintern hoch angesehen, selbst bei Temperaturen knapp über 0 Grad darf er mindestens 25 Leute im Training begrüßen. Gut, da wären wir dann doch noch bei einem „Mini-Minus“: Bei 43 Spielern im Kader ist der Konkurrenzdruck natürlich da. Alle wollen spielen, nur 11 dürfen. Deshalb wird im nächsten Jahr wohl direkt auch eine Reserve an den Start gehen. Ein Luxusproblem.

Zwölfeinhalb Kilometer weiter in Echzell tritt ein Problemfeld etwas deutlicher hervor: Dem Konzept, voll auf die eigene Jugend zu setzen, die im Verbund mit Nachbarvereinen als JSG Horlofftal aktiv ist, stehen die recht frisch ins Leben gerufenen Kickers Horlofftal entgegen: Ein rein auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen ausgerichteter Verein ohne Senioren. An sich eine prima Sache, aus Echzeller Sicht allerdings in mehrfacher Hinsicht etwas unglücklich in der Entstehung. Denn die Trainer der Kickers waren früher teil der JSG. „Es gab große Differenzen innerhalb der Reichelsheimer Gruppe, die dann leider auf die komplette Spielgemeinschaft zurückfielen. So haben wir gerade junge Kinder und dazu ausgebildete Trainer an die Kickers verloren, ohne selbst etwas falsch gemacht zu haben“, bedauert Roos, der deshalb mit dem SVE aktuell keine G- und F-Jugend stellen kann, „dass sie dann auch noch einen fast gleichen Namen wählen, haben wir hier schon als sehr unglücklich und überstürzt empfunden“, präzisiert er. Die Neugründung habe ihnen also nicht geholfen, wobei er betont: „Ich habe großen Respekt vor dem Engagement der Kickers-Verantwortlichen.“ Eine Fusion der JSG mit den Kickers klingt erstmal nach einer guten Idee. Da die Eingangsbindung zu den Stammvereinen dann aber nicht gegeben wäre, stehen Roos und Co. dem im Gespräch in den Raum gestellten Gedankenspiel skeptisch gegenüber. Wer von der JSG zu den Aktiven kommt, geht in der Regel zu seinem Stammverein, als Akteur der Kickers hätte man dann aber gar keine Identität zu einem Seniorenverein aufgebaut.

Wie auch immer, auch in diesem Bereich hat sich der SVE „berappelt“, im nächsten Jahr wird es wieder eine G-Jugend geben, und der Blick ist schon aufs große hundertjährige Vereinsjubiläum gerichtet. „Dieses mit dem Aufstieg in die KLB zu krönen, wäre natürlich traumhaft“, sagt Roos.

Und damit wären wir beim klar sportlichen Teil dieser Doppelgeschichte angelangt. „Wir müssen nicht auf Teufel komm raus in drei Jahren Kreisoberliga spielen. Unser Ziel war, unter die ersten fünf zu kommen, das werden wir wohl anpassen müssen. Denn das Potenzial für den Aufstieg ist da“, erläutert Roos die Lage unter der Leitung des neuen Trainers Lars Osadnik. Ihm gelang es, die zuvor anfällige Defensive zu stabilisieren. Die Offensivleute hatten ohnehin schon genetzt, als gäbe es kein Morgen, auch wenn sie traditionell einige Chancen offenlassen. Morgen Abend steht sein Team Hauptkonkurrent Ober-Mörlen II gegenüber. „Sie haben nach holprigem Start eine gute Qualität auf den Platz gebracht, insofern gehen wir mit großem Respekt in die Begegnung“, so Roos. Respekt ja, Angst nein. Denn als zentral gilt in Echzell inzwischen, glücklicherweise: „Wer hier spielt, tut das inzwischen nicht mehr wegen Geld, sondern weil er einfach Bock auf Fußball hat“.

Und damit verlassen wir den Traditionsclub und wechseln ein letztes Mal die Staffel. Denn der Albanische Verein hat ebenfalls Wochen der Wahrheit vor sich. Am Sonntag muss das Aliju-Team beim Tabellendritten Rodheim II antreten, wo teils noch ehemalige KOL-Spieler nach dem Rückzug aus ebendieser Klasse zu Werke gehen. Und sieben Tage später lädt der Verfolger Rendel II zum Duell. „Es müsste zwar viel passieren, damit es mit dem Aufstieg schief geht“, gibt Altin Hamiti ehrlich zu, „aber es wird nach den zwei Partien gut zu sehen sein, wie weit wir wirklich sind. Wie immer wird unser Coach das Team fokussiert auf den Platz schicken. Ich bin optimistisch.“ Und dann wird der Kreisliga C-Verantwortlich abschließend ganz Profi: „Klar, wir haben der C-Liga sicherlich Leben eingehaucht und gehen weiter unserem Wunsch nach, Mehrwert für die ganze Region zu sein. Aber wir wollen nicht groß von Zielen sprechen. Wir schauen ganz brav von Spiel zu Spiel“, lacht er, „ganz so wie die Spieler in der Bundesliga“.

Aufrufe: 06.11.2019, 14:46 Uhr
Dennis BellofAutor

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